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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 34 (1906)

Herrmann, J.: Die Fahrt nach dem Ob und dem Jenissei im Jahre 1905, 213 
Zwischen der Insel Matwejew und der Jugor-Straße ist zu beachten, daß 
dort zuweilen sehr starker und unregelmäßiger Strom setzt, dessen Geschwin- 
digkeit 4 Sm erreicht. So wurde 1896 bei frischem: Westwinde Nordstrom und 
1899 bei mäßigen Südost- und Nordostwinden Nordnordweststrom beobachtet, 
in beiden Fällen mit 4 Sm Geschwindigkeit. Unter diesen Umständen kann 
sich ein Schiff, anstatt vor der Jugor-Straße, vor den Karpowy-Inseln (Südwest- 
küste von Waigatsch) finden. Eine dieser Inseln ist an einem Monolith kenntlich, 
der von weitem Ähnlichkeit mit einer Bake hat. Bei der Annäherung an die 
Jugor-Straße macht sich häufig die Wirkung starker Refraktion bemerkbar, 
die das Land verschwommen erscheinen und die Einfahrt in die Straße schwer 
erkennen läßt. Hat man jedoch einen genauen Abfahrtsort von Matwejew 
gehabt und kann sich auf den Kompaß verlassen, so wird man sich trotzdem 
ohne große Schwierigkeit zurechtfinden, Unter keinen Umständen, besonders 
bei unsichtigem Wetter, versäume man bei der Annäherung an die Straße das 
Loten, das hier, wie auch auf der Weiterfahrt in den meist seichten und 
ungenau vermessenen Gewässern für die sichere Navigierung unerläßlich ist, 
Wie bereits bemerkt, wird man Anfang oder Mitte August im Murman- 
Meer gewöhnlich kein Eis antreffen, höchstens in geringer Menge in der Nähe 
der Jugor-Straße, durch das man aber leicht hindurchkommen kann, In sehr 
ungünstigen Eisjahren kann’ es jedoch vorkommen (vgl. »Ann. d. Hydr, usw.« 
1905, S. 484), daß man zwischen Matwejew und der Südwestküste von Waigatsch 
einen undurchdringlichen Eisgürtel antrifft, Man muß dann versuchen, längs 
der Südwestküste von Nowaja Semlja und der Westküste von Waigatsch nach 
der Karischen oder Jugor-Straße vorzudringen. 
Der Weg südlich von Koljugew nach der Jugor-Straße ist weniger zu 
empfehlen, als der soeben beschriebene Weg nördlich davon; er‘ ist länger 
und wegen der Bänke an der Südküste sowie wegen der unreinen Festlands- 
küste gefährlicher. Auch trifft man auf dem südlichen Wege mehr Nebel als 
auf dem nördlichen. Sogar für die aus dem Weißen Meere kommenden Schiffe 
bedeutet er wenig Zeitersparnis, so daß auch in diesem Falle der nördliche 
Weg vorzuziehen ist. Wenn man den südlichen Weg jedoch aus irgend einem 
Grunde benutzt, muß man zur Ortsbestimmung das Kap Kanin Noss ansteuern, 
dem man sich aber wegen des starken und unregelmäßigen Stromes und der 
Riffe in der Nähe höchstens 5 Sm nähern darf. Bei nebligem Wetter muß 
man in der Nähe des Kaps das Lot im Gange halten und darf auch mit 
langsamer Fahrt die 35 m-Grenze nicht überschreiten, da der Grund nach 
dem Kap hin sehr steil ansteigt. Weitere Anweisungen geben übereinstimmend 
die englischen und russischen Segelhandbücher, so daß hier nicht näher darauf 
eingegangen zu werden braucht. *“ 
Durchsteuerung durch die Jugor-Straße. 
Beim Einlaufen in die Jugor-Straße ist außer dem Riffe vor dem Kap 
Greben und den Untiefen an der Südseite der Straße die in ‚den Karten nicht 
verzeichnete felsige 4,9 m-Stelle zu meiden, auf der »Jermak« festsaß, Diese 
Stelle hat etwa 400 m Umfang und soll 1’/, Sm westsüdwestlich vom Kap 
Djakonow liegen.) Um frei von allen Untiefen zu bleiben, steuert man, wenn 
man vor der Mitte der Westeinfahrt der Jugor-Straße steht- und die Straße 
gut offen vor sich sieht, nach Kapt. Berg auf das Kap Djakonow zu, dieses 
eben an B-B. haltend. Nach Kapt. Matz hält man auf das Kap Primjetiny zu, 
bis man das Kap Djakonow mit dem gut sichtbaren nächsten Kap östlich davon 
(Kap Stworny) in Eins hat. Diese Deckpeilung als Kurs aufnehmend, läuft 
man bis in etwa !/, Sm Entfernung vom Kap Djakonow und dreht dann etwas 
nach St-B., um das Kap in !/, Sm Abstand an B-B. zu lassen. Sobald man das 
Kap dwars hat, hält man auf das Kap Suchoi Noss (kenntlich an einer Kugelbake) 
zu, bis das Kap Stworny dwars ist, worauf man auf das Nordende der Insel 
ı) Nach einer anderen Angabe liegt diese Stelle etwas weiter nordwestlich in 69° 39.6’ N-Br., 
60° 9 O-Lg. nahe bei der in der Brit. Adm-Krt. Nr. 3129 verzeichneten 3'/, Faden-Stelle. Jedenfalls 
führt die von Kapt. Matz gegebene Leitmarke gut frei von dieser Stelle, wo sie auch liegen möge.
	        
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