>12 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1906.
im Boote aufgefangen werden. Es durchfließt auf dem Wege von der Quelle,
die an sich gut und rein ist, nach dem Hafen den ganzen schmutzigen Ort,
wodurch es verunreinigt wird. Als Kesselwasser ist es zu brauchen.
Von Vardö nach der Jugor-Straße.
Da das Karische Meer selten vor August befahrbar ist, die günstigste
Zeit aber erst gegen Ende dieses Monats oder Anfang September eintritt,
werden die nach dem Ob oder Jenissei bestimmten Schiffe gewöhnlich erst
Mitte August vor der Jugor-Straße einzutreffen suchen, Zu dieser Zeit ist
Eis im Murman-Meer zwischen Kolgujew und Waigatsch meist nicht zu be-
fürchten, wenigstens nicht so viel, um den Zugang zur Jugor-Straße zu ver-
sperren. Man kann daher vom Nordkap oder von Vardö nach der Jugor-
Straße den kürzesten und sichersten Weg, nördlich von der Insel Kolgujew,
wählen.
Kolgujew, das eine gute Gelegenheit zur Ortsbestimmung bietet, passiere
man in mindestens 5 Sm, besser in größerer Entfernung, da vor der Nord-
westküste sehr unregelmäßige Wassertiefen auf steinigem Grunde gefunden
worden sind. Es ist daher die Möglichkeit nicht ausgeschlossen, daß dort
gefährliche blinde Klippen liegen. Bei nebligem Wetter brauche man bei der
Annäherung an die Insel fleißig das Lot und lasse die Wassertiefe nicht unter
35 m kommen, da die Nordwest- und Nordküste steil unter Wasser abfallen.
Von Kolgujew steuere man das Nordende der Insel Matwejew an, das
mit einer 10 m hohen, oben roten und unten schwarzen Bake gemarkt ist.
Die Bake besteht aus einem Gerüst mit viereckigem durchbrochenen Topp-
zeichen und erhebt sich über einer kleinen hölzernen Hütte, die den Fischern
als Winterquartier dient. In der Nähe der Bake befindet sich eine Gruppe
von Kreuzen, die auffälligste von den an verschiedenen Stellen der Insel auf-
gestellten Kreuzgruppen. Die Insel, die im Durchschnitt 9 m hoch ist, bei
ungefähr 2 Sm Länge und 1!/, Sm Breite, lasse man 5 bis 10 Sm an St-B. Die
Durchfahrt zwischen ihr und den Inseln südlich davon darf man nicht benutzen.
Vor der Annäherung an die Jugor-Straße versäume man keine Ge-
legenheit, die Deviation auf allen Kursen zu bestimmen, damit man sich bei
der Weiterfahrt nach der Jugor-Straße und besonders im Karischen Meer bei
dem häufigen unsichtigen Wetter und den Luftspiegelungen, die das Küsten-
bild verzerren, unbedingt auf den Kompaß verlassen kann, Ein gutes Hilfs-
mittel dafür bietet die Deckpeilung der obengenannten Bake mit der Nordost-
huk der Insel Matwejew rw. 66°—246° (mw. NO1/,0—SW*!/, W). Diese Deck-
peilung fällt gleichzeitig mit der Deckpeilung der Bake und der Gruppe von
Kreuzen zusammen. Bei der Deviationsbestimmung darf man sich der Insel
nicht mehr als 1'/, Sm nähern,
Nachdem man dwars von Matwejew den genauen Schiffsort bestimmt
hat, setze man den Kurs auf das Kap Bjely Noss an der Südseite der Jugor-
Straße ab. Auf diesem Kurse kommt zuerst an B-B. die Insel Waigatsch in
Sicht, die bei klarem Wetter 22 bis 23 Sm weit sichtbar ist; der auffällige
Berg Sanin ist zuerst zu erkennen. Die Festlandsküste zeigt sich erst viel
später. Das Kap Greben (siehe Abbild. auf Tafel 12) mit der Bake darauf,
bestehend aus Steinpyramide mit hölzernem Pfahl (vgl. Bericht des Kapt.
Matz, S. 196) ist 7 bis 8 Sm weit sichtbar. Gleich dahinter, ebenfalls an B-B,,
sieht man eine hohe Halbinsel, die von weitem als Insel erscheint und am
Südende mit dem Kap Djakonow, am Nordende mit dem Kap Primjetny, beide
steil, abschließt. An St-B. erkennt man darauf an der Festlandsküste das
charakteristische Kap Bjely Noss!) mit vier Steinhaufen auf dem Gipfel (vgl.
Bericht des Kapt. Matz, S. 196), dem man aber nicht nahe kommen darf,
Ebenso muß man vom Kap Greben wegen des vorgelagerten Riffes 1'/, bis
9 Sm entfernt bleiben.
') Auf dem Kap Pyrkow, etwa 21/, Sm südlich von Bjely Noss, befindet sich nach Kapt,
Rausch eine Bake.