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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 34 (1906)

Herrmann, J.: Die Fahrt nach dem Ob und dem Jenissei im Jahre 1905. 211 
und ausreichende Betonnung. Trotz aller Vorsicht und unter Lotsenführung 
kamen dort »Hapsal« und »Sweaborg« fest, und bei den kleinen Schlepp- 
dampfern und Leichtern geschah dies in Lukowaja Protfoka und weiter auf- 
wärts wiederholt, Im Ob-Busen liegen die Verhältnisse etwas günstiger, weil 
das Fahrwasser breiter und ziemlich gerade ist und die Schiffe in den eigent- 
lichen Fluß nicht hineinzugehen brauchen... Doch erfordert auch diese Fahrt 
die größte Vorsicht und beständiges Loten. a 
Im folgenden werden noch Berichte über Vardö und Katharinenhafen 
sowie Anweisungen für die Fahrt durch das Murman-Meer, die Jugor-Straße, 
das Karische Meer, für den Ob und Jenissei gegeben, die teils nach den 
Berichten der Kapitäne Berg, Bähr und Rausch, teils nach den neuesten 
russischen und anderen früheren Veröffentlichungen zusammengestellt sind und 
wertvolle Ergänzungen der vorhandenen englischen Segelanweisungen. bringen 
dürften. 
Vardö. 
In Vardö versammeln sich. gewöhnlich die nach dem Ob und Jenissei 
bestimmten Schiffe, um nach Ergänzung ihres Kohlen-, Trinkwasser- und Pro- 
viantvorrats die Reise gemeinschaftlich zu machen. Die Einsteuerung nach 
Vardö bietet unter gewöhnlichen Umständen keine besondere Schwierigkeit. 
Lotsen sind vorhanden; sie haben zwar sehr hohe Taxe, lassen aber mit. sich 
handeln, Kleine Schiffe können den gut geschützten. Hafen benutzen, große 
müssen auf der Reede je nach den Verhältnissen Schutz suchen. Bei Winden 
von O über S bis NW mit hoher See ist der Ankerplatz in der nördlichen 
Bucht am besten, während bei nördlichen oder nordöstlichen Winden die süd- 
liche Bucht oder der Ankerplatz an der Westseite der Insel ungefähr auf der 
Höhe der Festung vorzuziehen sind, Am vorteilhaftesten geht man mit einem 
größeren Dampfer der Hafeneinfahrt gegenüber zu Anker und macht das 
Heck mit Trossen an der Mole fest. Die mit einem. Pricken gemarkte 3.7 m- 
Untiefe nordöstlich von der Mole ist zu meiden, 
Die Hafen- und Klarierungsgebühren sind gering. Ein Lager von 8000 
bis 10000 t Bunkerkohlen (nach Kapt. Berg. nur 1000t) ist vorhanden, Trink- 
wasser ist nicht billig. Von Proviant gibt es hauptsächlich getrocknete Fische 
und Renntierfleisch. Vardö hat Post und Telegraph. Deutscher, englischer 
und russischer Konsul sind am Ort, doch siedeln sie im Winter nach Hammer- 
Fest über. i 
Für die Fahrt nach dem Ob und Jenissei ist es ratsam, in Vardö einen 
Eislotsen zu nehmen, die dort ebenso wie in Hammerfest zu haben sind. Sie 
verlangen durchschnittlich 10 Kronen den Tag, ‚schließen aber auch gegen 
monatliche Vergütung ab. Für 200 Kronen monatlich sind schon Lotsen zu 
haben. Besonders ist der Lotse Grönbek zu empfehlen, der seinerzeit die 
Nordpolexpedition auf der »Stella Polaris« mitgemacht und die Jenissei- 
Expedition auf dem D. »Sweaborg« begleitet hat, 
Katharinenhafen. 
Katharinenhafen (Alexandrowsk), von den Russen als Ausgangshafen 
für die Fahrt nach Sibirien angelegt, wird ebenfalls gelegentlich angelaufen. 
Die Einsteuerung bietet keine Schwierigkeit und ist an der Hand der vor- 
handenen guten Karten ungefährlich, da überall bis dicht unter Land tiefes 
Wasser ist. Schleppzüge müssen sich jedoch hüten, die Schlepptrossen: lose 
kommen zu lassen, da sie sonst auf den Grund sinkend leicht von den spitzen 
Felsen unklar kommen können. In der Bucht, deren felsige Küste steil abfällt, 
kann man vor dem Orte Alexandrowsk etwa eine Schiffslänge vom Lande 
entfernt ankern. Der Ankergrund ist gut und besteht aus Sand, Muscheln 
und Steinen. Die Gezeitenströme sind schwach und für die ankernden Schiffe 
von wenig Bedeutung. 
Der Ort Alexandrowsk, der aus 30 bis 35 Blockhäusern mit einer Kirche 
besteht, hat Post und Telegraphenamt, die unmittelbar an der Bucht liegen. 
Bunkerkohlen sind etwa 1000 t vorrätig. Frische Lebensmittel gibt es nur 
wenig. Frischwasser kann aus einem eisernen Rohre an der Landungsbrücke
	        
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