Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Januar 1906.
Die Randgebiete.,
Längs der Nordküste der Kolahalbinsel zieht sich eine Rinne im Meeres-
boden von 300 bis 400 m in der Richtung von Westen nach Osten hin, welche
Wasser von geringerem Salzgehalt als demjenigen der Nordkapströmung ent-
hält. Wir finden also auch in diesem Meere dieselbe hydrographische
Formation wie in dem Norwegischen Meer, Skagerrak usw., nämlich eine so-
genannte »kontinentale Randfurche« an der rechten Seite des Atlantischen
Stromes mit sogenanntem Küsten- oder Bankwasser, welches ungleich größere
jährliche Veränderungen an Salzgehalt und Temperatur zeigt als der Kern
des Atlantischen Stromes.
Der folgende Querschnitt von der Murmanküste bis zu der Bäreninsel
yibt eine Vorstellung von dem Zustande des Atlantischen Stromes und seiner
beiden Randgebieten im Oktober 1901. Als Grenze zwischen dem atlantischen
Wasser und dem Küstenwasser der Randgebiete habe ich die Isohaline von
34.90 % angenommen. Weiter östlich auf der Länge des Kolameridians
33° 30’ dürfte diese Grenze wohl etwas niedriger, z. B. bei einem Salzgehalt
von 34,80 %, zu setzen sein wegen des in dem relativ seichten Barentsmeer
in östlichen Längen rasch wirkenden Einflusses der Reibung, welche hier
ebenso wie im Skagerrak und Kattegat die Verdünnung des atlantischen
Wassers durch Mischung begünstigt. Es ist nicht von großem Belang, welche
von den genannten Isohalinen man als Grenze des Atlantischen Stromes gegen
das Küstenwasser betrachtet. Das Charakteristische ist die Form der Grenz-
linien, welche sich bei der Annäherung an die Küste allmählich zu tieferen
Niveaus senken. Die Isohaline 34.9 °/,, erreicht den Meeresboden in über 300 m
Tiefe in einer Entfernung von etwa 6 Sm von der Küste. In der Oberfläche
ist sie mehr als 90 Meilen davon entfernt. Dadurch entsteht hier wie im
Skagerrak in der Nähe der Küste eine kontinentale Randfurche.
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Okt. 1901.
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20 Secemeilen
Für das Studium der hydrographischen und biologischen Veränderungen
in unseren Meeren ist die Untersuchung der Randgewässer und besonders
des Grenzgebietes der kontinentalen Randfurche gegen den Atlantischen
Strom von der größten Wichtigkeit, Die Beobachtungsmethode, welche sich
seit 15 Jahren bewährt hat, ist: transversale hydrographische Quer-
schnitte senkrecht gegen die Küstenlinie über die Randfurche bis
zur äußersten Grenze des Küstenwassers auszuführen. Durch diese
Methode gelang es G. Ekman und mir in den Jahren 1890 bis 1894 zu zeigen,
daß der Zustand des Küstenwassers äußerst veränderlich ist mit der Jahres-
zeit und daß diese Veränderungen auf das Planktonleben und die Fisch-
wanderungen Einfluß ausüben.
Man findet bei solchen Untersuchungen, daß jeder Querschnitt durch
die Randfurche keilförmig ist, mit der Spitze nach außen gerichtet, Die
Form des Keils ist aber sehr veränderlich. Im Sommer und Herbst ist die
keilförmige Wasserschicht äußerst dünn und breitet sich wie ein breiter Saum