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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 34 (1906)

208 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1906. 
daher annehmen, daß die stürmischen nordwestlichen bis nordnordöstlichen 
Winde der vorhergehenden Tage das vor der Jugor-Straße lagernde Treibeis 
mehr nach der Südostecke des Karischen Meeres gedrängt hatten. 
»Aval« und »Royal«, die am 22, Sept. vormittags ebenfalls auf dem 
kürzesten Wege die Jugor-Straße erreichten, trafen dagegen wieder Treibeis 
an, dessen Nordostgrenze etwa 30 Sm und dessen Südwestgrenze etwa 10 Sm nord- 
Östlich von der Jugor-Straße lagerte,. Es hatte sich demnach seit dem Passieren 
des »Gladiator« schon wieder mehr nach Norden gezogen, war aber nicht sehr 
dicht, da die beiden Dampfer mit voller Fahrt unter Vermeidung der schwersten 
Schollen hindurchsteuern konnten, Die Jugor-Straße selbst bis etwa 10 Sm 
Östlich von der Osteinfahrt war ziemlich eisfrei, 
»Hapsal« und »Sweaborg« trafen nach dem Passieren der in dem Be- 
richte des Kapt. Matz bereits beschriebenen großen Eisfelder am Ausgange des 
Jenissei-Busens, die nach Ansicht des Kapt. Berg von den Steinernen Inseln 
heruntergekommen waren, erst wieder Eis vor der Jugor-Straße, das am 30. Sept. 
noch ungefähr auf derselben Stelle lagerte wie am 22, Sept., sich aber mehr 
nach Südwesten’ (bis an die Jugor-Straße) und nach Nordosten (etwa 55 Sm 
nordöstlich von der Jugor-Straße) auseinander gezogen hatte. Die Hauptmasse 
des Eises wurde im Süden umgangen, Die Jugor-Straße selbst war eisfrei. 
Das Jahr 1905 ist zweifellos zu den günstigen Eisjahren zu rechnen. 
Wenn trotzdem die Eisverhältnisse im Karischen Meere nicht so günstig waren, 
wie man es bei dem milden Sommer hätte erwarten können, so lag dies am 
Winde, der vorher geherrscht hatte und der bekanntlich die Eisverhältnisse 
in dieser Gegend in erster Linie beeinflußt, Nach den Aussagen der in der 
Jugor-Straße und an der Küste des Karischen Meeres wohnenden Samojeden 
(Bericht des Kapt. Rausch) war der Wind im Juni, Juli und August vor- 
herrschend nordöstlich gewesen, also so ungünstig wie nur möglich, Dadurch 
war ein Teil des Eises, das bei südlichen und besonders südwestlichen Winden 
im Juni und Juli, begünstigt durch den längs der Westküste von Jalmal nach 
Norden setzenden Strom, nach Norden wegtreibt, im südlichen Teile des Karischen 
Meeres festgehalten worden. Da durch die enge Jugor-Straße nur wenig 
von diesem Eise hatte abtreiben können, war im August und September dort 
noch ein größeres Eisfeld vorhanden, das, nach den vorliegenden Berichten 
zu urteilen, das einzige im Karischen Meere gewesen ist, Es änderte je nach 
dem Winde seine Lage, hielt sich aber im allgemeinen stets in der Nähe der 
Jugor-Straße, diese mit nordöstlichen Winden versperrend und mit westlichen 
freigebend. Dies dürfte die typische Lage des im Karischen Meere zurück- 
gebliebenen Eises in jedem Sommer sein, nur mit dem Unterschiede, daß die 
Eisfelder bald größer, bald kleiner sind, je nach den ungünstigen oder günstigen 
Eisjahren und je nach dem herrschenden Winde. 
Genaue Angaben über die Größe dieses Eisfeldes können nicht gemacht 
werden, Man kann nur mit ziemlicher Sicherheit sagen, daß es nicht groß 
genug war, um gleichzeitig mit der Jugor-Straße auch die Karische Straße zu 
versperren. Denn zu derselben Zeit, wo die Jugor-Straße vollständig durch 
Eis gesperrt war, waren in der Karischen Straße nach Aussage des Komman- 
danten des »Jermak« nur wenige Eisfelder. Später dürften die Eisverhältnisse 
in der Karischen Straße noch günstiger gewesen sein, so daß diese sowohl auf 
der Ausreise wie auch auf der Heimreise hätte benutzt werden können. Der 
ganze nördliche Teil des Karischen Meeres war offenbar eisfrei, denn dort 
wurde außer einzelnen kleinen Schollen von keinem Schiffe Eis angetroffen, 
was bei den starken nördlichen Winden sonst sicher der Fall gewesen wäre. 
Daher hätte auf der Heimreise auch der Weg durch Matotschkin Scharr mit 
Vorteil genommen werden können. Dieser Weg wäre sogar noch sicherer ge- 
wesen, als der durch die Jugor-Straße, deren Zugang vom Karischen Meere 
aus sehr leicht durch die dort lagernden Eisfelder hätte gesperrt sein können. 
Strom. Wegen der unsicheren Ortsbestimmung bei dem vielfach un- 
sichtigen Wetter und den häufigen Kursänderungen konnten gute Strombeob- 
achtungen nur an wenigen Stellen gemacht werden. Sie bestätigen für die
	        
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