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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 34 (1906)

Herrmann, J.: Die Fahrt nach dem Ob und dem Jenissei im Jahre 1905. 207 
Straße herauskamen, Dies war das erste Eis, das von der am 20. Aug. in der 
Warnek-Bucht eingetroffenen ersten Abteilung der Expedition gesichtet wurde. 
In den folgenden Tagen setzte das Eis beständig durch die Jugor-Straße nach 
Westen. Die am 283. Aug. gegen Mitternacht in der Ljamtschin-Bucht an- 
gekommene zweite Abteilung hatte schon vormittags an diesem Tage westlich 
von Waigatsch vereinzeltes Treibeis getroffen, das im Laufe des Nachmittags 
etwa 30 Sm westlich von Waigatsch dichter wurde, ein Zeichen, mit welcher 
Geschwindigkeit es in der kurzen Zeit nach Westen getrieben war. .Wahr- 
scheinlich war dieses Eis aber auch zum Teil durch die Karische Straße ge- 
kommen, denn durch die enge Jugor-Straße allein konnte es in solcher Menge 
in der kurzen Zeit unmöglich gelangt sein. In der Ljamtschin-Bucht, wohin 
auch am 25, Aug. »Aval« und »Royal«. gegangen waren, zeigte sich erst am 
28, Aug, ziemlich viel leichtes Treibeis, nachdem am 26. Aug. südöstlicher und 
am 27. Aug. westlicher Wind geweht hatte. Außerhalb der Bucht setzte das 
Treibeis nordwestwärts. 
Die Jugor-Straße, wohin alle in der Ljamtschin-Bucht liegenden Schiffe 
am 29. Aug, gingen, war inzwischen beständig ‚mit großen Eismassen angefüllt 
gewesen, die nach Westen trieben. Bei südlichen Winden am 26. Aug. war schon 
etwas Eis aus der Straße in die Warnek-Bucht. getrieben, das sich in den 
folgenden Tagen bei umlaufenden Winden noch vermehrte und die Bucht mehr 
und mehr füllte. Ein Versuch, der am 380, Aug. von der ganzen Flotte gemacht 
wurde, durch das Eis in der Jugor-Straße nach Osten vorzudringen, mußte 
bald wieder aufgegeben werden, Alle Schiffe kehrten nach der Warnek-Bucht 
auf ihren alten Ankerplatz zurück, Diese Bucht war aber am 1. Sept. nach 
vorübergehend südlichem Winde so voll Treibeis, daß sie am 2, Sept. verlassen 
werden mußte, Die Flotte ankerte außerhalb der Straße unter der Festlandsküste. 
»Aval« und »Royal« waren gegen 9*V am 1. Sept. allein durch die 
Jugor-Straße nach Osten gedampft, in der sie durch das dichte Eis kaum vor- 
wärts kommen konnten. Am Ostende der Straße wurde das Eis indessen leichter, 
und es zeigten sich weiterhin viele offene Stellen, nachdem schon vorher in 
der Jugor-Straße eine Luftspiegelung im Karischen Meer offenes Wasser mit 
einzelnen Schollen hatte sehen lassen. Unter Umgehung der schweren Eisfelder 
wurde nordostwärts durch das Treibeis gedampft, Nachdem noch einige 
dichtere Eisstriche in der Nähe der Straße bewältigt worden waren, kamen 
die beiden Dampfer gegen 6WN in offenes Wasser und ließen mit geradem 
Kurse nach der Weißen Insel gegen 10» N das letzte Eis hinter sich. Im Ob- 
Busen wurde nur etwas Treibeis getroffen, das seewärts setzte. 
Am 3. Sept. war das Eis in der Jugor-Straße bei frischem südöstlichen 
Winde nach der Nordseite der Straße gedrängt worden, so daß längs der Süd- 
seite ziemlich eisfreies Fahrwasser war. Um 4*N lichteten daher alle Schiffe 
Anker und dampften durch die Straße nach Osten. Während der Nacht wurde 
im Karischen Meere in der Nähe der Jugor-Straße nur wenig Eis angetroffen, 
da nur eine kurze Strecke nordostwärts und darauf mehr ostwärts gesteuert 
und so die Hauptmasse des Eises, die weiter nordöstlich lag, vermieden worden 
war. Am Vormittag des folgenden Tages dagegen kamen im Norden große 
dicht gedrängte und stellenweise hoch aufgetürmte Eisfelder in Sicht, an deren 
Süd- und Ostkante entlang gesteuert wurde. Um 6“N am 4. Sept, war das 
letzte Eis aus Sicht. Erst am Mittag des 6. Sept. wurde nördlich von der 
Weißen Insel wieder ein großes Treibeisfeld angetroffen. Ein Strich großer 
hoher Treibeisfelder, die schon stark zerfressen waren, wurde am Morgen des 
7. Sept. nördlich von der Wilkitzki-Insel passiert. Etwas weiter Östlich zeigten 
sich nur noch einzelne Eisschollen. Dies war das letzte auf der Ausreise an- 
getroffene Eis. 
Auf der Heimreise traf »Simson«.am 14. Sept. in der Nähe der Jugor- 
Straße dichte Treibeismassen, deren Ost- und Südkante er in großem Bogen 
umging.. Leider konnte Kapt. Stehr wegen unsichtigen. Wetters und starker 
nördlicher Versetzung keine genaue. Ortsbestimmung machen, »Gladiator«, der 
ebenfalls auf dem kürzesten Wege durch das Karische Meer steuerte und am 
Morgen des 16. Sept. vor der Jugor-Straße anlanete, traf kein Eis, Man darf
	        
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