206 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1906.
gehenden Schollen in dem flachen Wasser an der Küste südlich von der
Westeinfahrt der Jugor-Straße strandete. Die geringe Menge des im Murman-
Meere zurückbleibenden Eises dürfte wohl bald geschmolzen sein.
‚Aval« und »Royal« trafen das erste Eis, einzelne Schollen, am 13, Aug.
gegen Mitternacht etwa 10 bis 15 Sm westlich von der Jugor-Straße. Un-
mittelbar vor der Jugor-Straße war das Treibeis, das bei dem zur Zeit
herrschenden leichten nordöstlichen Winde aus der Straße kam, so dicht, daß
geankert werden mußte. Im Laufe des 14, Aug. wurden die Schiffe jedoch
durch die schweren Eisfelder, von denen einzelne nach Schätzung des Kapt.
Rausch bis 5m über und etwa 15 m unter Wasser lagen, gezwungen, den
Ankerplatz unter die Festlandsküste südlich von der Straße zu verlegen. In
der Straße war während dieser Zeit schwerer Eisgang nach Westen. Am
folgenden Tage begann das Eis mit dem Umspringen des Windes nach Westen
und Südwesten sofort durch die Straße nach Osten zu treiben, trotz der im
allgemeinen geringen Windstärke mit 3 bis 4 Sm Geschwindigkeit. Bei Hoch-
wasser lösten sich die in der Straße gestrandeten Eismassen von der Küste
ab und trieben mit dem übrigen Eis in das Karische Meer hinein. Am 16.
Aug. wurde das Treibeis weniger, setzte aber noch immer nach Osten, Am
17. Aug. war mit Tagwerden von der Chabarowa-Reede kein Eis mehr zu
sehen, doch zeigte der helle Eisblink im Nordosten das Vorhandensein von
Eis im Karischen Meere an, ebenso wie in den vorhergehenden und folgenden
Tagen bei sichtigem Wetter. Als darauf die beiden Dampfer Anker lichteten,
um die Reise fortzusetzen, trafen sie Östlich von Suchoi Noss bereits auf so
schwere Eisfelder, daß sie nach der Chabarowa-Reede zurückkehren mußten,
Auch weiter nordostwärts im Karischen Meere war überall, soweit man sehen
konnte, dichtes Treibeis, Das am Eingange ins Karische Meer angetroffene
Eis war sehr schwer; einzelne Schollen lagen nach Schätzung 5 bis 6 m über
und 15 m unter Wasser und waren etwa 100 m lang. Einige hatten noch
scharfe Sporen unter Wasser, die 3 bis 4 m vorstanden. Am 20. Aug. machten
die beiden Dampfer bei noch immer westlichen Winden, da die Straße eisfrei
war und sich auch kein Eisblink zeigte, einen erneuten Vorstoß ins Karische
Meer. Im östlichen Teile der Straße war zwar wenig Eis, doch wurde etwas
außerhalb der Osteinfahrt bald die Westgrenze des Treibeises getroffen, das
sich demnach in der Zwischenzeit nur wenig ostwärts bewegt hatte. Den
ersten schweren Eisfeldern konnte ausgewichen werden. Darauf wurde in
offenem Wasser längs der Festlandsküste nach Osten gedampft, bis schweres
Eis etwa 30 Sm östlich von der Jugor-Straße den Weg versperrte. Es wurde
in offenem Wasser in einer Bucht an der Küste geankert. Überall, soweit
man sehen konnte, war dichtes Treibeis, das im Südosten bis zur Küste reichte.
Auf 9 bis 11 m Wasser lagen längs der Küste schwere gestrandete Eismassen,
die sich zuweilen teilweise lösten und mit dem übrigen Eis mit etwa 1 Sm
Geschwindigkeit ostwärts trieben. Das Wasser beim Schiffe bedeckte sich
nachts mit einer dünnen Eisdecke bei —0.2? C Wasserwärme und +3° Luft-
wärme. Gegen 10% V am 21. Aug. zeigte sich im Nordosten freies Wasser,
worauf die Fahrt in dieser Richtung mit langsam gehender Maschine wieder
aufgenommen wurde. Nach Zurücklegung von etwa 30 Sm wurde das Eis
jedoch wieder so dicht, daß nicht weiter gefahren werden konnte. Beide Schiffe
machten aneinander fest und trieben mit dem Strom ostwärts mit etwa 1 Sm
Geschwindigkeit. Im Nordosten zeigten sich über dem hellen Eisblink dunkle
Wolken, die auf offene Stellen im Eise schließen ließen. Gegen Abend am
21, Aug. kündigte eine dunkle Wolkenbank im Nordosten Wind aus dieser
Richtung an; bald begann auch das Eis mit etwa 1'!/, Sm Geschwindigkeit
südwestwärts zu treiben. Da bei dem inzwischen eingetretenen Nordostwinde
Eispressungen zu erwarten waren, und die Gefahr vorlag, in dem Eise auf die
Küste gesetzt zu werden, gingen die Schiffe um 4% V den 22. Aug. vorsichtig
durch das Eis nach der Jugor-Straße zurück und ankerten vor der Festlands-
küste südlich von der Westeinfahrt.
Das Eis aus dem Karischen Meere folgte so schnell nach, daß schon
vegen Mitternacht bei frischem Nordostwinde einzelne Eisschollen aus der