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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 34 (1906)

Herrmann, J.: Die Fahrt nach dem Ob und dem Jenissei im Jahre 1905, 205 
halb kurzer Zeit waren oft bedeutend; Das Thermometer fiel in der Jenissei- 
Mündung im Laufe einer Nacht von 10° auf —7° C. 2 
Nebel war im Jenissei-Busen während der ganzen Zeit vom 8. bis 28, 
Sept. sehr häufig und dicht, besonders in der Mündung, wo das warme Wasser 
aus dem Jenissei mit dem kalten Wasser des Eismeeres zusammentrifft. 
Vom 11. bis 13. Sept. herrschte im Jenissei-Busen bei leichten südlichen 
Winden dichter Nebel mit nur kurzen Unterbrechungen, wodurch das Vor- 
wärtskommen der rückkehrenden deutschen Seeschlepper sehr behindert wurde. 
Mit dem Drehen des Windes auf N und NNO, der aus diesen Richtungen 
bald stürmisch wurde und vom Nachmittage des 13. Sept. bis zum Morgen 
des 15. Sept. auf der Fahrt von der Dickson-Insel durch das Karische Meer 
anhielt, wurde der Nebel zwar weniger häufig, es trat aber anhaltender feiner 
Regen ein. Am Vormittage des 15, Sept. flaute der Wind etwas ab und es 
wurde wieder neblig. In der Nacht vom 15. auf den 16. Sept. herrschte 
dichtes Schneegestöber bei steifem, nordwestlichem Winde und hoher durch- 
einander laufender See. Der Wind holte am 16. Sept. in der Nähe der Jugor- 
Straße allmählich auf W und in der Jugor-Straße auf SW und wurde bei 
nebligem Wetter flau. Ebenso waren Wind und Wetter am 17. und 18, Sept. 
in der Jugor-Straße. Am 19, Sept. klarte das Wetter westlich von der Jugor- 
Straße bei auffrischendem SW-Winde auf, 
Auf der Fahrt durch das Murman-Meer nach Vardö wurde der Wind 
am 20. Sept. aus WNW-Richtung vorübergehend stürmisch, ging aber bald 
auf SSW zurück und hielt sich so bis zum Eintreffen in Vardö am Morgen 
des 22, Sept. 
Die Luftwärme war während der ganzen Zeit vom 11. bis 22, Sept. 
unter 10°C. Von etwa 9!/,° in der Jenissei-Mündung und 6’/,° im Jenissei- 
Busen nahm sie mit dem Eintritt in die offene See auf 1'/,° bis 2° ab und 
schwankte im Karischen Meere zwischen 4!/,° und 0°, in der Jugor-Straße 
zwischen 4°. und 6!/,°, im Murman-Meer von 4° mit der Annäherung an Vardö 
auf fast 10° zunehmend. 
Die beiden Kieler Dampfer hatten auf der Rückreise am 18. und 19. 
Sept. im Ob-Busen und am 20. bis 22, Sept. im Karischen Meere hauptsächlich 
nordwestliche und südwestliche Winde von geringer Stärke. Bis zum 20. 
Sept. war das Wetter regnerisch und trübe, zeitweise leicht neblig, klarte 
aber am 20, Sept. auf und hielt sich auf der Fahrt durch die Jugor-Straße 
und von dort nach Archangel schön bei flauen nordwestlichen bis nordöst- 
lichen Winden. Die Luftwärme nahm von 13° C in der Nachodka-Bucht mit 
der Annäherung: an die offene See allmählich auf 4° ab, schwankte im 
Karischen Meere zwischen 2° und 6°, nahm in der Jugor-Straße auf 9° zu 
und betrug von dort nach der Dwina-Mündung 5° bis 8°, 
Wind und Wetter auf der Rückreise der beiden Dampfer »Hapsal« und 
»Sweaborg« sind. bereits in dem Berichte des Kapt. Matz geschildert. Die 
Luftwärme war in der Jenissei-Mündung vom 12, bis 15. Sept. bei leichten 
südöstlichen und südlichen Winden 8° bis 12° C, nahm am 16. Sept. bei west- 
lich holendem Winde allmählich ab und betrug am 21, Sept. bei leichten 
nordwestlichen Winden nur noch 1!/,° bis 2!/,°. Am ‘28. Sept. ging sie vor- 
übergehend noch einmal auf 5°, fiel aber am folgenden Tage schon auf —2°, 
Am 25, und 26. Sept. war es wieder wärmer; das Thermometer stieg bis auf 
5°, Vom 27. Sept. im Jenissei-Busen bis zum 30. Sept. in der Osteinfahrt der 
Jugor-Straße stand das Thermometer meist unter Null, bis fast —6°. In der 
Jugor-Straße und im Murman-Meere wurde es wieder wärmer, doch stieg das 
Thermometer nur auf 1° bis 5°. 
Eisverhältnisse. Das erste Treibeis wurde von allen Schiffen erst 
in der Nähe der Westeinfahrt der Jugor-Straße angetroffen und zwar: meist 
in einzelnen Schollen, die mit der Annäherung an die Straße zahlreicher und 
dichter wurden. Es stammte offenbar aus dem Karischen Meere und war 
mit den nordöstlichen Winden hauptsächlich durch die Jugor-Straße, zum 
Teil wohl auch durch die Karische Straße gekommen. Mit den: westlichen 
Winden trieb es wieder ins Karische Meer zurück, während ein Teil der tief-
	        
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