Herrmann, J.: Die Fahrt nach dem Ob und dem Jenissei im Jahre 1905. 203
überhaupt vorwärts zu kommen. »Gladiator« mit zwei Leichtern von je 850 t
im Schlepptau machte am 23. Aug. auf der ganzen Morgenwache nur 6 Sm.
Auch die beiden Dampfer »Hapsal« und »Sweaborg« steuerten von
Vardö geraden Kurs nach der Jugor-Straße, während »Aval« und »Royal« nach
den zuerst gesteuerten Kursen zu urteilen von Vardö wohl den Weg südlich
von Kolgujew nehmen wollten. Auf der Höhe von Kap Kanin hielten sie
aber nördlicher, gingen nördlich um Kolgujew herum und von dort auf
ziemlich geradem Kurse nach der Jugor-Straße.
Für die Wahl des Weges durch das Karische Meer war die Lage des
angetroffenen Eises maßgebend. Der nach dem Bericht des Kapt. Matz an-
fänglich von der Jugor-Straße nach der Weißen Insel gesteuerte gerade Kurs
konnte nur eine kurze Strecke eingehalten werden, da man bald auf aus-
gyedehnte Treibeisfelder stieß, Längs der Südkante derselben wurde nun
östlicher und auch etwas südlich gehalten, bis man das offene Fahrwasser an
der Westküste der Halbinsel Jalmal erreicht hatte. Es wurde dabei der
bewährte Grundsatz befolgt, das Eis im Karischen Meere auf dem
Wege von der Jugor-Straße nach der Weißen Insel stets an B-B. zu
Jassen, da man dann am sichersten auf ein passierbares Fahrwasser
rechnen kann.
Der nördliche Kurs längs der Westküste von Jalmal hielt sich in etwa
20 bis 30 Sm Entfernung vom Lande, nur in etwa 72° 39’ N-Br. führte er
bis auf ungefähr 10 bis 12 Sm heran. Dort wurde auch die stellenweise mit
Schnee bedeckte Küste gesichtet, Die Westküste der Weißen Insel blieb etwa
30 Sm an St-B., die Nordküste nur etwa 12 bis 15 Sm. Von dort lief der
Kurs ostwärts in etwa 18 Sm Entfernung von der Wilkitzki-Insel bis ungefähr
73° 50’ N-Br. 78° 35’ O-Lg., worauf die Dickson-Insel angesteuert wurde, Beim
Einlaufen in den Jenissei-Busen blieb diese Insel etwa 15 Sm an B-B.; der
weitere Kurs bis zur Jenissei-Mündung führte ungefähr in der Mitte des
Fahrwassers entlang.
Die beiden Kieler Dampfer konnten von der Jugor-Straße nach der
Weißen Insel ziemlich geraden Kurs steuern, da durch die nördlichen und
nordöstlichen Winde der vorhergehenden Tage.die Hauptmasse des. Eises
offenbar weiter nach Süden gedrängt worden war, so daß sie in der Nähe
der Jugor-Straße nur zerteiltes Eis (hauptsächlich Scholleneis mit einzelnen
schweren Eisfeldern) antrafen. Um die Weiße Insel herum wurde nach Lo-
tungen gesteuert, Den Ob-Busen hinauf wurde ebenfalls beständig gelotet
(s. S. 219).
Die Rückreise der beiden Schiffsgruppen vom Jenissei sowohl, wie des
‚Aval« und »Royal« vom Ob, wurde ebenfalls durch die Jugor-Straße gemacht.
Alle Schiffe nahmen den kürzesten Weg. Während jedoch die Schiffe vom
Jenissei 25 bis 30 Sm nördlich von der Weißen Insel blieben, hielten »Aval«
und »Royal« zunächst nur etwa 10 Sm Abstand. In dieser Entfernung lotete
»Royal« plötzlich 7.3 m Wasser (s. S. 219 unten), worauf sofort nördlicher gehalten
wurde. Kapt. Berg, der auf der Ausreise diese flache Stelle ebenfalls lotete,
gibt ihre Lage auf etwa 73° 42’ N-Br. 70° 59’ O-Lg. an. Im Karischen Meere
wurden nur »Simson«, »Hapsal« und »Sweaborg« zu einem Umwege nach
Südosten und Süden durch das noch immer vor der Jugor-Straße lagernde
Eis gezwungen, während die übrigen Schiffe ziemlich geraden Kurs einhalten
konnten. Von der Jugor-Straße nach Archangel und Vardö- nahmen alle
Schiffe den Weg nördlich um Kolgujew. (Siehe Tafel 11, die die ungefähren
Wege der einzelnen Schiffsgruppen zeigt).
Wind und Wetter. Auf der Fahrt. von Vardö nach der Jugor-Straße
vom 10. bis 14. Aug. trafen »Aval« und »Royal« östliche bis nordöstliche
Winde Stärke 2 bis. 3. Das Wetter war bis zum Morgen des 12. Aug, trübe
mit leichten Regenböen und darauf schön. Am Morgen des 14. Aug. setzte
vor der Jugor-Straße bei Vorhandensein von Treibeis Nebel ein, der sich
gegen Mittag wieder verzog. Die Luftwärme nahm von etwa 15° C am Mittag
des 11. Aug. allmählich auf 5° bis 3° vor der Jugor-Straße ab.