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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 34 (1906)

202 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1906, 
Land an St-B. und erkannten später die Einfahrt der Jugor-Straße, vor der 
viel Treibeis war. Beim Näherkommen erkannten wir deutlich die Bake, die 
gut sichtbar an der Nordseite der Einfahrt steht. 
Merkwürdigerweise war die Temperatur des Wassers nahe am Eise im 
Osten der Jugor-Straße etwas über Null gestiegen. In der Straße selbst wurde 
sie dann + 2° bis + 4°C. Dieses hatte jedenfalls seine Ursache in dem mit 
dem südwestlichen Winde vom Westen kommenden Strom. 
Ich möchte mir erlauben, an dieser Stelle einiges über die einzuschlagen- 
den Kurse beim Durchfahren der Jugor-Straße vom Östen zu sagen. 
Hat man die obengenannte Bake, die einer im Fachwerk stehenden, un- 
bedeckten Scheune ganz ähnlich sieht, dwars, so steuert man auf das Kap 
Kanin Noss, auf dem eine Stangenbake steht, zu. Man passiert dieses Kap in 
etwa 3/, Sm Abstand. Nun wird auf das weit vorspringende, zuerst als Insel 
erscheinende Kap Suchoi Noss zugehalten. Nachdem man etwa 2 Sm auf 
diesem Kurse zurückgelegt hat, ist man dwars von der an B-B. befindlichen 
1.5 m-Untiefe.‘ Man ändert nun den Kurs etwas nach B-B., so daß Suchoi 
Noss-Kugelbake in 1 Sm Abstand an St-B. passiert wird. Ganz langsam wird 
nach St-B. gedreht, bis man die Kirche des Dorfes Nikolskoje recht voraus 
hat. Auf diesem Kurse bleibt man, bis etwa 2'/, Sm zurückgelegt sind, dann 
ist Kap Djakonow, das sehr deutlich auszumachen ist, beinahe geschlossen mit 
dem hohen Lande nördlich von dem Dorfe. Jetzt steuert man nach der Nord- 
seite der Straße hinüber und hält Kap Stworny recht voraus. Ist das Kap 
beim Dorfe Nikolskoje an B-B. passiert, so ändert man den Kurs allmählich 
nach B-B, und hält Kap Djakonow recht voraus. Hat man Kap Stworny 
dwars, so wird der Kurs noch etwas nach B-B. geändert, um Kap Djakonow 
mit höchstens !/, Sm Abstand zu passieren. Sofort, wenn dieses Kap dwars 
an St-B. ist, muß nach Nordwesten ‚gedreht werden, damit die beiden letzt- 
genannten Kaps in Deckpeilung kommen. Sind sie in Linie, so bringt man 
sie recht achteraus; dieser Kurs führt dann klar von allen Untiefen, auch den 
bei Kap Greben, aus der Straße, 
Um 2» N wurde Kap Greben passiert, Wind WSW, Stärke 3. Um 
5h 10min N waren wir bei der Matwejew-Insel. Kurs rw. 276° (mw. WzS). 
Mittagsort am 1, Okt, 69° 50’ N-Br., 48° 10’ O-Lg. Wind NNO, Stärke 4. 
Die See war ziemlich bewegt; lange Nordostdünung machte sich bemerkbar, 
in der die Schiffe schlingerten. 
Am 2, Okt. war der Mittagsort 70° 9’ N-Br., 33° 50’ O-Lg. Wind SSW, 
Stärke 6. Um 15N sichteten wir Land an B-B., um 3% Land voraus. Steuerten 
nach Peilungen und ankerten um 6 N auf der Nordreede von Vardö. 
Die Reise von der Jenissei-Mündung bis Vardö hatte 4 Tage 10 Stunden 
yedauert, und zwar von Port Dickson bis Kap Greben 2 Tage 9 Stunden und 
von Kap Greben bis Vardö 2 Tave 1 Stunde.“ 
Weg der Expedition. 
Die erste Abteilung der Jenissei- Expedition nahm ihren Weg vom 
Katharinenhafen nach der Jugor-Straße längs der Küste, indem sie Kap Kanin 
ansteuerte, die Insel Kolgujew an B-B. ließ und darauf in sicherem Abstande 
vom Lande nach der Jugor-Straße weiterdampfte. Da in dem günstigen Eis- 
jahr 1905 Mitte August nördlich von Kolgujew kein Eis vorhanden war, darf 
man wohl annehmen, daß für die Wahl dieses längeren und wegen der Küsten- 
bänke auch gefährlicheren Weges die Rücksicht auf die teilweise nur geringe 
Maschinenkraft der Schleppdampfer und die davon abhängige Sicherheit der 
geschleppten Leichter maßgebend war. Auf diesem Wege konnte man bei 
Eintritt schlechten Wetters im Notfalle noch irgendwo unter Land Schutz 
[inden, während man auf dem geraden Wege nördlich von Kolgujew unter 
Umständen die Leichter hätte preisgeben müssen. 
Die zweite Abteilung mit den kräftigen Seeschleppern steuerte denn 
auch geraden Kurs vom Katharinenhafen nach der Ljamtschin-Bucht. Aber 
trotz ihrer starken Maschinen hatten die Schlepper bei dem am 21. Aug. ein- 
setzenden frischen und zuletzt stürmischen Ostnordostwinde große Mühe.
	        
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