accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 34 (1906)

Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1906, 
-:Am 7. Sept. war der Mittagsort 73° 52’ N-Br., 78° 38’ O-Lg. Wind ost- 
südöstlich, Stärke 3. Unsere Beobachtungen stimmten mit denen des Ver- 
messungsschiffes: gut überein, der Unterschied von 5’ bis 15’ in der Länge 
war hier in den hohen Breiten ja selbstverständlich und machte wenig aus. 
Kurs wurde auf die Insel Dickson gesetzt, die wir gegen 3b N sichteten und 
um 5b N passierten. Ein Schlepper mußte hinter diese Insel laufen, um von 
seinem Leichter Kohlen zu nehmen. Port Dickson soll der einzige Hafen an 
dieser Küste sein, in dem Überwinterung, ohne daß die Schiffe dabei Schaden 
nehmen, möglich ist. Es befindet sich dort eine gut sichtbare Bake auf einer 
kleinen Insel, die man im Süden lassen muß, um in den sicheren Hafen zu 
gelangen. 
Der Kurs ging jetzt südwärts, in einem Abstande von 6 bis 10 Sm von 
dem hohen Ostufer des Jenissei-Busens. Von der Kuskin- (Sibirjakow-) Insel 
war nur der bergige südliche Teil zu sehen. Das Nordende der Insel ist sehr 
niedrig und läuft in eine Sandbank aus, die sich etwa 25 Sm, nach Kapt. 
HI. Ranges Iwanow sogar etwa 30 Sm nordwärts erstreckt.!) 
Am Vormittage des 8, Sept. passierten wir die Krestowski-Insel und die 
Gruppe der Korsakowskije-Inseln an B-B. Erstere Insel ist, vom Norden 
kommend, gut auszumachen, dagegen war sie auf der Rückreise von Süden 
her schlecht vom Festlande zu unterscheiden. Gegen 3b N, als wir auf die 
7.3 m- und 6,4 m-Barre kamen, hißte das Vermessungsschiff plötzlich das Signal: 
>Ankern nach Belieben«. Der Expeditionsführer wollte anscheinend nicht die 
Verantwortung für das Festkommen eines der großen Schiffe übernehmen. 
Wir gingen aber bei ständigem Loten langsam weiter südlich und ankerten 
um 6b N unter dem Südufer des Jenissei-Busens, etwa 15 Sm westlich vom 
Kap Swerewo, auf 20 m Wasser, Die Lotungen beim Passieren der Barre 
stimmten mit den in der russischen Karte angegebenen überein; es wurden 
immer 7,3 bis 8.2 m gelotet. Wenn bei nördlicher, steifer Brise Seegang auf 
der Barre herrscht, ist es für ein Schiff von über 5.8 m Tiefgang sehr ge- 
fährlich, die etwa 20 Sm lange Barre zu passieren. Daher sollten nach dem 
Jenissei bestimmte Schiffe nur höchstens 5.5 bis 6 m Tiefgang bei voller 
Ladung haben. Unter dem Südufer des Jenissei-Busens nimmt die Wassertiefe 
sehr schnell zu; wenn Ankern erforderlich ist, darf man nicht lange zögern, 
da sonst zu tiefes Wasser erreicht wird. Diese tiefe Rinne in der eigentlichen 
Flußmündung arbeitet sich wohl im Frühjahr, bei dem reißenden Strome aus, 
der Unmassen Eis mit sich führt, umsomehr als ja die eigentliche Fluß- 
mündung nur etwa 5 Sm breit ist und steile Ufer an beiden Seiten hat. 
Am 9. Sept. um 9% V hievten wir Anker und dampften stromaufwärts, 
Die russische Karte zeigt zwar beide Ufer frei von Sandbänken, jedoch scheint 
dies nicht der Fall zu sein. Verfärbungen des Wassers waren sowohl an der 
spitz auslaufenden Landzunge des Nordufers wie auch nordwestlich von der 
Station Swerewo zu sehen. Das führende Vermessungsschiff steuerte auch so, 
daß das verfärbte Wasser nicht durchfahren wurde, Wir haben später auf 
der Rückreise gefunden, daß an denselben Stellen die Wasserfärbung noch die 
gleiche war und daß das Lot schnelle Abnahme der Wassertiefe anzeigte. 
Leider war keine Zeit mehr vorhanden, um ausführliche Lotungen zu unter- 
nehmen, 
Kurz nach 12% mittags gingen wir bei Swerewo-Station abermals zu 
Anker, Dort wurde das Vermessungsschiff von dem Regierungs-Flußdampf- 
boote abgelöst. Das Vermessungsschiff, sowie die Schlepper »Simson«, »Gladiator- 
und »Unterweser 10« gingen am folgenden Tage wieder zurück nach Europa. 
Die Station Swerewo, die am linken Ufer Goltschicha gegenüber liegt, 
ist vor mehreren Jahren von einem Bremer Handelsherrn, Baron v. Knop, 
eingerichtet worden; dort befinden sich außer einigen Samojedenzelten auch 
ein Schuppen und ein Blockhaus. Nach meiner Ansicht ist dieses auch einer 
der geeignetsten Plätze, um Güter zu löschen und zu laden, solange nicht 
jedes Frühjahr der Fluß mit seinen vielen Inseln und Untiefen gut betonnt 
‘98 
i) Nach der russ. Karte der Jenissei-Mündung nur etwa 15 Sm.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.