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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1906,
Die Fahrt der beiden Dampfer »Hapsal« und »Sweaborg« von Vardö
nach der Jugor-Straße und von dort in Gemeinschaft mit den übrigen Schiffen
der Jenissei-Expedition nach Lukowaja Protoka und zurück nach Vardö
schildert der folgende anschauliche Bericht des Kapt. Matz, D. »Hapsal«:
»Am 30. Aug, 1905 verließen wir Vardö mit 6,4 m Tiefgang bei leichtem
südöstlichem Winde und leicht bewegter See. Es wurde rw. 95° (mw. O) ge-
steuert. Mittagsort am 31. Aug. 70° 2’ N-Br., 45° 24’ O-Lg., am 1. Sept.
69° 42’ N-Br., 57° 20’ O-Lg. Um 83 N war Matwejew-Insel dwars, 8 Sm im
Süden. Die Deviation des Kompasses wurde auf allen Strichen bestimmt. Der
Kurs wurde dann auf die an der Südseite der Jugor-Straße am Festlande nach
der russischen Segelanweisung liegenden vier Steinhaufen abgesetzt. Um
4b N sichteten wir an B-B. Land, später auch recht voraus und an St-B. Die
ganze Masse schien aus einem sich auf und nieder bewegenden Werghaufen
zu bestehen, der gleich einem Kranz um den Horizont gelegt war. Zeitweilig
verschwand diese Erscheinung an einigen Stellen, und man glaubte, eine offene
Bucht oder Straße zu erkennen. Wir ließen uns durch alles dieses nicht
täuschen, sondern vertrauten unserem gut auf Deviation geprüften Kompaß
und der Logge. An B-B. sahen wir plötzlich den russischen Eisbrecher
»Jermak« mit den beiden gelben Schornsteinen nach unten, gleich einer Fata
Morgana, Er war sehr deutlich zu erkennen, Später erschien rechts von ihm
ein kleineres Schiff, das Vermessungsschiff »Pachtussow«, das uns nach dem
Jenissei begleitete, Wir kamen nun mit voller Fahrt näher, die kleinen Inseln
an der Westseite nördlich von der Einfahrt waren gut auszumachen, sowie
auch das Kap Greben, auf dem sich eine Steinbake befinden soll. Das Holz-
gerüst auf derselben war nicht mehr vorhanden und die Steinbake selbst
schlecht auszumachen, Wir kamen nun zwischen das erste Eis und mußten
unsere Fahrt verringern. Trotzdem wir auch die vier Steinhaufen an der
Südseite am Festlande nicht sahen, hielten wir uns doch mehr an der Südseite
der Einfahrt wegen des vom Kap Greben sich südlich erstreckenden gefähr-
lichen Riffs. In der Warnek-Bucht war sehr viel Eis, das vom Südostwinde
hineingetrieben war, Dort lagen der englische D, »Roddam« und alle Schlepper
und Leichterfahrzeuge, die mit nach dem Jenissei gehen sollten. Das vierte
größere Schiff, das nach dem Jenissei bestimmt war, der englische D. »Hamp-
stead«, war an der Westküste der Insel Waigatsch gestrandet, Das Ver-
messungsschiff signalisierte, daß zu Anker gegangen werden sollte, und da an
der Festlandseite nicht viel Eis trieb, wurde dort auf 13 m Wasser geankert.
Später stellte es sich heraus, daß dort starker Strom (3 Sm) lief; wir hatten
Mühe, durch Ruderlegen den größeren in voller Fahrt ankommenden EKis-
schollen auszuweichen. »Jermak« saß auf einer bei der Vermessung der
Straße nicht aufgefundenen 4.9 m-Untiefe fest, die etwa 1!/, Sm westsüdwestlich
vom Kap Djakonow liegt und sehr gefährlich ist. Man muß, um frei von ihr
zu bleiben, vom Westen kommend, auf die Nordwestecke der steilen Küste
(Kap Primjetny) zusteuern, bis man das Kap Djakonow mit dem gut sicht-
baren Kap Stworny, dem nächsten im Osten, in Eins hat, Dann ändert man
den Kurs so, daß diese beiden Kaps recht voraus in Eins bleiben. Man behält
nun diesen Kurs bei bis zu !/, Sm Abstand vom Kap Djakonow und kann dann
den Kurs nach St-B. ändern.
Die anderen Fahrzeuge lagen, wie wir in Erfahrung brachten, schon
fast 14 Tage in der Straße und konnten des Eises wegen nicht hindurch,
Am 2. Sept. bei flauem südsüdöstlichen bis südsüdwestlichem Winde
machte sich der Strom weniger bemerkbar, weshalb wir unseren Ankerplatz
beibehielten. Mit der Dampfbarkasse, die zu dem D. »Sweaborg«, Kapt. Berg,
gehörte, fuhren wir zum »Jermak«, was insofern mit Schwierigkeiten ver-
knüpft war, als uns die Aussicht durch die hohen Eisschollen gehindert wurde,
so daß wir uns mehrere Male in einer Sackgasse festfuhren. »Jermak« saß
gut fest und löschte Proviant in einen Leichter und Kohlen über Bord. Er
ist später wieder losgekommen, hat die Expedition aber nicht begleitet, sondern
ist nach Katharinenhafen und später nach Newcastle o. T, zur Reparatur ge-
gvangen. Auch nach dem Dorfe Nikolskoje fuhren wir mit der Dampfbarkasse.