Herrmann, J.: Die Fahrt nach dem Ob und dem Jenissei im Jahre 1905. 195
dichter Nebel ein, der bis 22N am 13. Sept. anhielt. Dabei kam »Simson«
aus Sicht. Da der Schlepper bis zum Eintritt der Dunkelheit am 13. Sept.
nicht gefunden werden konnte, setzten die übrigen Schiffe von der Dickson-
Insel, in deren Nähe während des Nebels geankert worden . war, allein die
Reise fort, bei trübem, regnerischem, zeitweise nebligem Wetter und nördlichem
Winde. Wind und Seegang nahmen während der Nacht an Stärke zu; am
Morgen des 14. Sept. wehte stürmischer Nordwind; das Wetter war trübe,
regnerisch und kalt. Die Schiffe arbeiteten in der hohen See schwer und
nahmen viel Wasser über. Am Mittag des 14. Sept. standen sie etwa 40 Sm
nordnordwestlich von der Weißen Insel, von wo nach der Jugor-Straße gesteuert
wurde. In. diese wurde am 16. Sept. um 62V unter beständigem Loten ein-
gelaufen. Gegen Mittag wurde Chabarowa erreicht, nachdem vorher wegen
Nebels einmal geankert worden war. Da »Simson« nicht eingetroffen war,
wurde auf ihn gewartet, während »Unterweser 10« am 17. Sept. morgens allein
die Heimreise fortsetzte.
»Simson« war, nachdem er am Nachmittag des 12, Sept. in der Mündung
des Jenissei-Busens die übrigen Schiffe verloren hatte, langsam weitergedampft
und befand sich am Morgen des 13, Sept. bereits nördlich von der Weißen
Insel. Von dort steuerte er geraden Kurs nach der Jugor-Straße, wobei er
jedoch in die Nähe der Karischen Straße versetzt wurde. Das vor der Jugor-
Straße lagernde Eis, durch das er nicht hindurch konnte, umsteuerte er im
großen Bogen im Südosten und Süden, indem er bis zur Jalmal-Küste hinüber
lief und dann seinen Weg längs der Südküste des Karischen Meeres nach
Westen fortsetzte, in der richtigen Annahme, daß das Eis durch den herrschendemn
starken Nordwind weit nach Süden getrieben sein würde. Durch häufigen
Nebel aufgehalten, erreichte er die Jugor-Straße erst gegen Mittag des 17. Sept.
und die Reede von Chabarowa an demselben Abend. Von dort konnte wegen
Nebels erst am Morgen des 19. Sept, weitergegangen werden, »Pachtussow«
nach Archangel, »Simson« und »Gladiator« nach Vardö. Vardö wurde am
Morgen des 22, Sept. erreicht. Nach Ergänzung des Kohlen- und Proviant-
vorrats gingen »Simson« und »Gladiator« am folgenden Tage nach Hamburg
weiter, wo sie am 1, Okt. glücklich anlangten.
Ungefähr zu derselben Zeit, als die kleineren Schiffe der Jenissei-
Expedition im Katharinenhafen anlangten, am 10. Aug. gegen Mittag, verließen
die beiden Kieler Dampfer »Aval« und »Royal« Vardö, nach dem Ob bestimmt.
Sie erreichten die Jugor-Straße gegen 3b V am 14. Aug. und ankerten vor der
Westeinfahrt, Am nächsten Morgen dampften sie in die Straße hinein, mußten
aber wegen des schweren Treibeises auf der Chabarowa-Reede ankern, Ein
am 17. Aug. unternommener Versuch, in das Karische Meer einzudringen,
scheiterte ebenso, wie ein zweiter am 20. Aug. an den undurchdringlichen Eis-
massen vor der Osteinfahrt der Jugor-Straße. Die beiden Schiffe mußten nach
der Jugor-Straße zurückkehren und ankerten am Abend des 22. Aug. vor der
Festlandküste südlich von der Westeinfahrt der Straße, Dieser Ankerplatz
wurde am 25, Aug. verlassen, um den Weg durch die Karische Straße zu ver-
suchen. Der Kommandant des »Jermak«, der beim Passieren der Ljamtschin-
Bucht deswegen befragt wurde, riet jedoch davon ab. Die beiden Schiffe
blieben deshalb in der Ljamtschin-Bucht in der Nähe der dort ankernden
Schiffe der zweiten Abteilung der Jenissei-Expedition liegen bis zum 29, Aug,
wo sie zusammen mit den übrigen Schiffen nach der Warnek-Bucht dampften.
Der von den beiden Schiffen am Morgen des 1. Sept. unternommene Vorstoß
ins Karische Meer gelang ohne große Schwierigkeit. Schon am Abend des-
selben Tages waren sie in eisfreiem Wasser und dampften am Morgen des
3. Sept. in den Ob-Busen hinein, Nachodka-Bucht wurde erst am Abend des
6. Sept. erreicht, da wegen des unsicheren Fahrwassers nur bei Tage gefahren
werden konnte. Nachdem die beiden Schiffe am 17, Sept. ihre Ladung ge-
löscht hatten, traten sie am nächsten Morgen die Heimreise, zunächst nach
Archangel, an. Nach einmaligem Ankern wegen Nebels im Ob-Busen in der
Nacht vom 19.’ auf den 20. Sept. langten sie ohne weiteren Aufenthalt am
Mittag des 22. Sept. in der Jugor-Straße und am 25. Sept. in der Dwina-Mündung an.