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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 34 (1906)

Ann. d. Hydr. usW., XXXIV..Jahrg. (1906), Heft V. 
.nq 
Die Fahrt nach dem Ob und dem Jenissei im Jahre 1905. 
(Zur Nordostdurchfahrt.)') 
Nach den Berichten und meteorologischen Tagebüchern der Kapitäne Berg, D. »Sweaborg«, 
Matz, D. »Hapsal«, Bühr, D. »Gladiator«, Stehr, D. »Simson«, Stieglitz, D. »Minosinsk«, 
” Witing, D. »LZena«, Rausch, D. »Royal« und Piper, D. »4Aval«, 
Bearbeitet von J. Herrmann, Assistent der Deutschen Seewarte, 
(Hierzu ‘Tafeln 11 bis 15.) 
Zur Beförderung von Eisenbahnmaterial nach dem Jenissei rüstete die 
russische Regierung im Sommer 1905 eine Expedition aus, die aus den beiden 
russischen Transportdampfern »Sweaborg« (ex »Assyria«) und »Hapsal« (ex »Con- 
stantia«) bestand, ferner: aus den Hamburger Seeschleppdampfern »Gladiator« 
und »Simson«, dem Bremer Seeschleppdampfer »Unterweser 10«, den russischen 
Flußschleppdampfern »Jenisseisk«, »Krasnojarsk «, »Minosinsk« und »Turuchansk«, 
den russischen Dampfleichtern »Lena« und »Angara«, neun Segelleichtern, 
sämtlich mit deutscher Besatzung, sowie aus den beiden englischen Dampfern 
„Roddam« und »Hampstead«. Die Führung durch das Karische Meer sollten 
der russische. Eisbrecher »Jermak« und der russische Vermessungsdampfer 
‚Pachtussow« übernehmen. Die Flußschleppdampfer und die Leichter waren 
von der russischen Regierung mit einer Ausnahme sämtlich in Deutschland 
angekauft worden und sollten auf dem Jenissei bleiben; die Leichter waren 
mit Kohlen für den Bedarf der Expeditionsdampfer beladen. Die deutschen 
Seeschlepper waren zum Schleppen eines Teils der Leichter nach Goltschicha 
gechartert und sollten von dort wieder nach Deutschland zurückkehren. 
Die vier großen Dampfer hatten Eisenbahnmaterial und zum Teil Zement und 
Mineralöl geladen, das im Jenissei auf die Leichter übergeführt und von diesen 
Mußaufwärts nach Jenisseisk befördert werden sollte. 
Nach dem Ob gingen die beiden Kieler Dampfer »Aval« und »Royal«, 
ersterer von Hamburg, letzterer von Antwerpen, 
Die ganze Jenissei-Flotte mit Ausnahme von »Hapsal« und »Sweaborg«, 
die erst am 1. Sept. in der Jugor-Straße zu den übrigen Schiffen stießen, 
war am 16. August nach dem Eintreffen des »Jermak« im Katharinenhafen 
(Alexandrowsk) versammelt. Von dort, wo der Kohlen- und Trinkwasservorrat 
ergänzt worden war, ging die erste Abteilung der Schiffe am Mittag des 
16. August in See nach der Jugor-Straße, wo sie gegen Mittag des 20. August 
in der Warnek-Bucht (Südküste der Insel Waigatsch). ankam. Da die Jugor- 
Straße und auch das Karische Meer vor der Osteinfahrt dieser Straße durch Eis 
gesperrt waren, mußten die Schiffe vorläufig in der Warnek-Bucht liegen bleiben. 
Die zweite Abteilung der Jenissei-Flotte verließ am 19, Aug. Alexandrowsk 
und kam am 283. Aug. gegen 11% nachts in der Ljamtschin-Bucht an der West- 
küste von Waigatsch an, wo geankert wurde. Die beiden englischen Dampfer, 
die schneller als die schweren Schleppzüge gelaufen waren, hatten die Ljamtschin- 
Bucht schon früher erreicht. Beim Einlaufen in die Bucht war jedoch 
‚Hampstead« auf. dem Riff vor der Westeinfahrtshuk in etwa 69° 51’ N-Br., 
59° 11.5’ O-Lg. festgeraten und konnte erst nach Werfen von 400 t Eisenbahn- 
sehienen durch »Fermak« am 27. Aug. abgeschleppt werden, Seine Beschädigung 
war jedoch derart, daß er die Reise nicht fortsetzen konnte. Am 29. Aug. dampften 
die übrigen Schiffe der zweiten Abteilung nach‘ der Jugor-Straße und ankerten 
bei der ersten Abteilung in der Warnek-Bucht. - 
Die Jugor-Straße war bei den anhaltenden nordöstlichen Winden noch 
immer voll Treibeis, so daß ein am Morgen des 30. Aug. von der ganzen 
Flotte unternommener Versuch, ins Karische Meer einzudringen, mißlang. . Dabei 
wurden einem Leichter einige Platten eingedrückt. - Die Schiffe mußten schon 
um 1123 V wieder umkehren und ihren alten Ankerplatz in der Warnek-Bucht 
wieder einnehmen. Dabei geriet »Jermak« auf eine unbekannte felsige” Stelle 
1‘) Vgl. »Ann. d. Hydr. usw.« 1905, S. 483 u. ff 
Ann. d. Hrdr. usw... 1906. Heft V
	        
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