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Aus dem Reiseberichte des deutschen Vollschiffes „Freiburg“.
39,5° W-Lg und am 20. Januar nach 10° S-Br in 95,0° W-Lg. Am letzt-
genannten Orte wurde der Passat aber sehr flau, und da er in den nächsten
Tagen so blieb, konnte erst am 27. Januar in 100° W-Lg der Aequator über-
schritten werden.
Von der Linie bis zum Kap San Lucas ist ein noch wenig bekannter und
nicht häufig von Schiffen befahrener Meerestheil zu überschreiten. Die englischen
Segelanweisungen geben daher auch nur Allgemeines darüber.!) Durch einen
Anfangs recht frischen Ostwind liefs ich mich gegen den Rath der Seewarte
verleiten, einen beinahe direkten Nordkurs einzuschlagen. Hierdurch gerieth das
Schiff in 14° N-Br und 106° W-Lg in Windstille und leichte nördliche Mallung,
30 dafs uns nichts weiter übrig blieb, als nach Westen abzuhalten. Nach Verlauf
von 9 Tagen stellte sich der NE-Passat wieder ein, mit dem wir am 11. Februar
die Insel Clarion sichteten. Mit dem nun folgenden NW-Winde wurde am
17. Februar das Kap San Lucas passirt, und nachdem wir im Golf von Kalifornien
meistens gegen leichte nordwestliche Winde aufgekreuzt waren, kamen wir am
25. Februar um 8 Uhr Morgens nach glücklich vollbrachter Reise von 144 Tagen
unter Santa Rosalia vor Anker.
Santa Rosalia ist am Tage leicht an den hohen Schornsteinen der Kupfer-
schmelze und des Nachts an dem etwa alle 10 Minuten erfolgenden Aufleuchten
der ausgeschütteten glühenden Schlacken zu erkennen. Wir sahen den Schein
der letzteren bereits in einer Entfernung von 9 Sm.
Als Lootse ist jetzt ein Deutscher Namens Bock angestellt, der den an-
kommenden Schiffen genügend weit entgegenkommt und den Ankergrund genau
kennt. Letzterer erstreckt sich etwas weiter vom Lande ab, als dies nach der
neuesten englischen Admiralitäts-Karte der Fall zu sein scheint. Der Grund, in
dem der Anker gut hält, besteht aus grauem Thon und Steinen. Irgend welchen
Schutz gegen den herrschenden Wind gewährt die Rhede indefs in keiner Jahres-
zeit. Man darf alle Monate, mit Ausnahme von Mai und Juni und vielleicht
Oktober, in Bezug auf das Liegen der Schiffe auf dem Ankerplatz von Santa
Rosalia als unsicher bezeichnen. Die Schiffe benöthigen daber auch eine un-
verhältnifsmäfsig lange Zeit zum Löschen und Laden, ein Umstand, der bei
einem Frachtabschlufs nach hier sehr in Betracht zu ziehen ist.
Die Werke von Santa Rosalia sind Eigenthum der französischen „Compagnie
du Boleo“. Am 12. Februar 1890 wurde der Pier, an welchem die Schiffe bis
dahin ihre Ladungen gelöscht hatten, in einem Nordweststurm weggerissen und
soll, weil zu kostspielig, nicht wieder aufgebaut werden. Es mufs daher jetzt
in Leichter gelöscht werden, eine Arbeit, die nicht mehr ausführbar ist, wenn
der Wind die Stärke 4 erreicht hat. Der NW-Wind des Winters nimmt bei
steigendem Barometer zu, und wenn’ dieses einen Stand von 766 mm erreicht
hat, kann man auf eine steife Briese aus jener Richtung rechnen. Aufserdem
zeigt sich dieser Wind noch dadurch an, dafs gewöhnlich vor seinem Einsetzen
die höchsten Bergspitzen in weiße Wolken eingehüllt sind. Mitunter weht es
3 bis 9, ja selbst bis 15 Tage hinter einander von NW und NNW, wobei die
Windstärke die eines vollen Sturmes (9) annehmen kann.
Da alle Schiffsbedürfnisse in Santa Rosalia sehr theuer sind, so sollten
Schiffe, die nach hier bestimmt sind, besonders gut ausgerüstet sein. Große
Schiffe sollten überhaupt nur dann eine Fracht nach hier annehmen, wenn sie
antweder mit Dampfwinden versehen sind oder doch wenigstens Seitenpforten
haben. In den Sommermonaten können europäische Matrosen der Hitze wegen
nicht auf Deck arbeiten. Ein Schiff ohne Dampfwinden würde daher genöthigt
sein, zur Bedienung der Handwinden Eingeborene zu nehmen. Da diese aber
bekanntlich sehr faul sind, so würde die Arbeit langsam von Statten gehen und
kostspielig werden, abgesehen von dem unvermeidlichen Aerger für den Kapitän.
Die Zollgesetze werden streng durchgeführt; man mufs daher in dieser
Hinsicht sehr vorsichtig verfahren. Kine Postverbindung mit New- York in
Zwischenräumen von 9 bis 12 Tagen ist über Guaymas vorhanden; Telegramme
werden auch nicht öfter befördert. Die Verbindung zwischen Santa Rosalia und
Guaymas wird durch einen Dampfer der „Compagnie du Boleo“ aufrecht erhalten,
dessen Fahrten aber durchaus nicht regelmäfsig sind. Jährlich einmal geht dieser
) Siehe auch diese Annalen Jahrgang 1884, Seite 495, und 1889, Seite 437.