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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 34 (1906)

178 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April 1906. 
Erachtens zu einer Erklärung der Erscheinung vollkommen genügen, Denken 
wir uns in diesem Gebiet nördlich des Bosporus zeitweilig westliche bis süd- 
westliche Winde von größerer Geschwindigkeit als auf der Jahresdurchschnitts- 
karte wehen, so würden auch auf unserer Strömungskarte die dort eingetragenen 
Pfeile für die betreffende Zeit eine nach Osten bis Nordosten gerichtete 
Strömung anzeigen, Eine solche wäre wohl imstande, im Bosporus einen 
Kompensationsstrom von der erwähnten Richtung hervorzurufen, zumal zu 
einer Jahreszeit, wo wegen schwächeren Zuflusses an Süßwasser das Niveau 
les Schwarzen Meeres sich mit dem des Mittelmeeres annähernd gleichgestellt hat. 
V. Vergleich der beiden Karten der Oberflächenströmungen. 
Wir haben bei der Betrachtung der Oberflächenströmungen an die 
Karte angeknüpft, die wir mittels der Konstruktion nach dem Satz vom 
Parallelogramm der Bewegungen erhalten hatten, und das mit Hilfe der Wind- 
und Stromfläche gewonnene Resultat bisher außer acht gelassen. 
Wenn wir nunmehr eine Vergleichung beider vornehmen, so fällt zweierlei 
dabei auf. Erstens sind auf der mittels der Windfläche konstruierten Karte (VII) 
die Stromgeschwindigkeiten im allgemeinen etwas geringer als auf der anderen. 
Dann aber vor allem besteht ein durchgreifender Unterschied in der Richtung 
der Strömung, und zwar erscheint dieselbe auf Karte VII im Vergleich zu 
VIII durchgängig nach rechts abgelenkt. 
Der Aufbau der Wind- und Stromfläche ist in hohem Grade hypo- 
thetischer Natur. Die Annahme Wegemanns, die sich, wenn auch nicht 
direkt ausgesprochen, in seiner Abhandlung findet, daß nämlich die Orte 
maximaler Geschwindigkeit mit denen höchster Erhebung der Windfläche 
identisch sind, ist nicht einleuchtend; auch bin ich bei der Herstellung der 
Windfläche bewußt davon abgewichen., Die im folgenden angestellten Er- 
Örterungen umgehen durch geeignete Voraussetzungen diese Schwierigkeit 
sowie auch die Frage der Ablenkung von der Stromrichtung durch die Küste, 
für die auch Mohn nur ganz allgemeine Wegweiser gibt. 
Es möge ein kreisrundes Meeresbecken gegeben sein, über dessen Mitte 
sich ein Luftdruckminimum befindet. Die Isobaren seien konzentrische Kreise, 
ihre Abstände derart, daß die Wind- und Stromgeschwindigkeiten proportional 
dem Abstand von der Mitte zunehmen, wodurch erreicht wird, daß die Niveau- 
höhen im Quadrat dieses Abstandes wachsen. Auch die Dichtigkeitsfläche 
habe ihren tiefsten Punkt in der Mitte des Meeres; die Isohypsen seien ebenfalls 
konzentrische Kreise, und die Niveauhöhen mögen wieder proportional dem 
Quadrat des Abstandes zunehmen. Durch unsere Annahmen haben wir er- 
veicht, daß auch die Isohypsen der Stromfläche konzentrische Kreise sind und 
die Höhen mit dem Quadrat des Abstandes von der stromlosen Mitte wachsen, 
daß also die Linien gleicher Erhebung parallel der Küste verlaufen und die 
Transversalen wirklich Parabeln werden. 
Fig. 1. Figur 1 stellt einen Ausschnitt der 
Stromfläche dar. Die konzentrischen Kreise 
a, b, ce, d können sowohl als Isobaren wie auch 
als Isohypsen der Dichtigkeits-, Wind- und 
Stromfläche angesehen werden. 
Nun betrachte man die Strömung im 
Punkte A! Die Komponente der Dichte- 
strömung sei A D, die der Windströmung 
A W. Ein Wasserpartikel in A gelangt mithin 
an die vierte Ecke des Parallelogrammes nach 
S. Nach der »Flächen«theorie würde es je- 
doch sich in der Richtung des Pfeils bewegen 
bo und etwa nach E gelangen. Hier findet sich 
also auch bei den die besonderen Schwierigkeiten eliminierenden Voraus- 
setzungen die oben gemachte Beobachtung wieder, daß der mit Hilfe der 
Mohnschen Flächen berechnete Strom gegen den mittels des Kräfteparallelo- 
gramms konstruierten nach rechts abgelenkt ist. 
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