Wissemann, W.: Die Oberflächenströmungen des Schwarzen Meeres, 175
Hilfe einer am Kartenrand angebrachten Kilometerskala. Auf eine zeichnerische
Darstellung der Windfläche wurde, da dieselbe für unseren Zweck nicht von
Belang ist, verzichtet. .
Es wurden nun aus Karte IV (Tafel 8) für dieselben Punkte, für die die
Höhen der Windfläche berechnet waren, auch die der Dichtigkeitsfläche entnommen
und zu ersteren algebraisch addiert. Auf diese Weise erhält man die »Strom-
fläche«, die also in ihrer Gestalt dem Einfluß der Dichteverhältnisse und der
stromerzeugenden Kraft des Windes gerecht wird. Auf Karte VII (Tafel 9)
wurde die Stromfläche durch Linien gleicher Erhebung über dem tiefsten
Punkt mit einer Höhendifferenz von je 50 mm zur Anschauung gebracht.
An dieser Stelle ist auch ersichtlich, weshalb die Windfläche nur in
dem Gebiet berechnet wurde, wo auch die Dichtigkeitsfläche bekannt war, da
gerade in der Kombination der beiden der Zweck der Methode liegt,
Die Stromfläche endlich bildet die Grundlage zur Berechnung der Ober-
flächenströmungen. Dabei ist folgendes Gesetz zu beachten: Der Strom zieht
in der Richtung der Linien gleicher Erhebung, wobei auf der Nordhalbkugel
die Depression zur Linken liegt, er also dieselbe im umgekehrten Drehungs-
sinn des Uhrzeigers umkreist.‘ Die Rechnung vollzieht sich nach folgender
Formel: 7
u = [3.4964866] SE Seemeilen pro Tag.
Hierin bedeutet @ die Breite, 8 die bereits auf S, 164 erwähnte. Umdrehungs-
konstante der Erde, Ahm die Höhendifferenz‘ zweier Punkte in m, deren
Horizontalabstand in km mit Aakm bezeichnet ist. Die in eckige Klammern
gesetzte Zahl ist ein Logarithmus. Die Stromgeschwindigkeit u erhält man in
Seemeilen pro: Tag,
Die Ausführung gestaltet sich folgendermaßen. An beliebigen Punkten
legt man zur Andeutung der Stromrichtung die Tangenten an die Kurven,
zieht die zugehörigen Normalen, bestimmt mittels der erwähnten Hilfsskala
deren Länge zwischen zwei Nachbarkurven in km und berechnet dann die
Stromgeschwindigkeit nach vorstehender Formel, die sich noch, wie folgt,
vereinfacht. Da Ah" = 0.1 ist, so kann man diese Konstante mit dem Logarith-
mus vereinigen und erhält:
u == [2.49649] - FA Seemeilen pro Tag.
Es empfiehlt sich auch hier analog dem auf S, 174 beschriebenen Verfahren,
die Größe [2.49649] - LO für die einzelnen Halbgrade auszurechnen
und dann für einen beliebigen Punkt den nächstliegenden Wert zu benutzen.
Die Berechnung wurde für 15 Punkte ausgeführt, das Resultat ist auf
Karte VII niedergelegt,
IV. Die Oberflächenströmungen als Resultierende aus Dichte- und Wind-
strömungen.
Schon Wegemann‘') hat verschiedene Bedenken angeführt, die gegen
den Aufbau der Windfläche geltend gemacht werden können, Da ich die
Frage am Schluß dieser Abhandlung im Zusammenhang zu erörtern gedenke,
will ich mich an dieser Stelle mit dem bloßen Hinweis auf dieselbe begnügen
und nunmehr neben der bisher gehandhabten Methode noch den im folgenden
zu beschreibenden und zu begründenden Weg einschlagen, der es ermöglicht,
mit Umgehung der Wind- und Stromfläche den beiden von mir betrachteten
Ursachen der Strömungen Rechnung zu tragen. Eine Andeutung dieser
Methode findet sich bereits bei Wegemann a. a. O. auf S. 22.
. Wenn die ungleichmäßige Verteilung der Dichte und die daraus resul-
tierende Deformierung der Oberfläche die einzige Ursache. der Strömungen
wäre, so könnte man die Dichtigkeitsfläche bereits als Stromfläche betrachten
\ Vgl. 8. 162, Fußnote 3.