Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Januar 1906.
Schottische Station Sc;
1902 1903 1904
‚28. Aug. 9.Dez. 10. Febr. 6.Mai 12. Aug. 19. Nov. 19. Febr, 2. Juni 18. Aug.
Temperatur 7.15°C. 8.67°C. 8.03°C. 7.36°C. 6.88°C. 8.79%C. 7.95°C. 6.78°C. 7740
Salzgehalt 35.140 35.26% 00 35.230 09 35.249 9 35.169 0 35.309 09 33.149 09 353.199 09 35.260 yo
Auch hier habe ich alle existierenden Tieflotungen aufgenommen, Das
Maximum der Temperatur und des Salzgehaltes fiel
in den Dezember 1902 (8.67°C. und 35.26 °/,9) und
« « November 19083 (8.79°C. « 35,30 °/0)-
Die Minima der Temperatur und des Salzgehaltes fielen
in den August 1902 (7.15°C. und 35.14 oo),
« 1903 (6.88°C. « 35.16 %,,) und
« Juni 1904 (6.78°C. « 35.19 %/0)-!)
Auch hier sind die Wasserlagen, wenigstens im Sommer und Herbst,
gyeschichtet, und von einem erwärmenden Einfluß von oben auf die Wasser-
lagen in 200 m kann keine Rede sein. Die Amplitude der Wärmewelle ist
etwa 2°, Auch der Salzgehalt wechselt, und zwar so, daß die höchsten
Salzgehalte stets im Spätherbst, die niedrigsten im Sommer und im.
Frühjahr angetroffen wurden. Der Unterschied, welcher nicht mehr als
0.14%, beträgt, erscheint dem oberflächlichen Betrachter vielleicht unbedeutend.
Der erfahrene Hydrograph begreift aber, daß solche Differenzen in den
Resultaten der internationalen Meeresuntersuchung weit außerhalb der Grenze
der Versuchsfehler fallen. Nach den Vorschriften des hydrographischen
Programms der Konferenzen in Stockholm und Christiania sollten‘ die Fehler
bei Salzgehaltbestimmungen niemals 0.05%, überschreiten. In der Wirk-
lichkeit stimmen die Salzbestimmungen verschiedener Analytiker beim Titrieren
mit Normalwasser gewöhnlich auf 0.02°,, oder 0.03 °% 2 überein.
Die Zunahme des Atlantischen Stromes an Salzgehalt im Herbst ist
also sicher konstatiert, da die Differenzen drei- bis fünfmal die wahrscheihliche
Fehlergrenze überschreiten. Diese Zunahme kann aber nur von einer Ein-
strömung im Herbst von salzreicherem Wasser von außen, d.h. von dem
Ozean, herrühren. Die Möglichkeit einer Konvektionsströmung von oben durch
niedersinkende Wasserpartikel, welche durch die Verdunstung schwerer ge-
worden sind, ist ausgeschlossen wegen der großen Verschiedenheit an spezifischem
Gewicht der oberen und unteren Wasserschichten. So z.B. wurde im De-
zember 1902 bei Station Se; gefunden:
Temperatur. Salzgehalt, Dichte in situ.
In der Oberfläche ..... 665° C, 32.77 %0 1.023780
60m Tiefe, ...... 750° - 34.15 « LO26700
100m © 200400000000 8269 « 34.858 « 1027160
200 m ee... 8.679 35.26 1.027395.
«
Noch größer sind die Differenzen in der Dichte der oberen und unteren
Wasserlagen im Sommer. Ich verweise in dieser Hinsicht auf das Bulletin
der internationalen Meeresforschung für August 1903 usw. Daß Wasser-
partikel in der Oberfläche unter solchen Verhältnissen durch Verdunstung ihr
Gewicht um nahezu 5 g per Liter (August 1903) oder 1.6 g (November 1902)
vermehren und die äußerst stabile Schichtung der Zwischenschiechten durch-
orechen und noch dazu eine Temperatur von 8.67° C. erhalten könnten, ist
widersinnig,
Der Zustand in der Mündung der Norwegischen Rinne in verschiedenen
Jahreszeiten im Jahre 1903 wird durch die eben veröffentlichten Resultate
der schottischen hydrographischen Kommission in klares Licht gestellt. Ein
Blick auf die Querschnitte*) längs der Linie Sc,—Se, (siehe die Karte Fig. 1),
1) Im Februar 1904 wurde der Salzgehalt noch etwas niedriger, = 35.14° 00, gefunden
(siehe die obenstehende Tabelle).
?) A. J. Robertson. Report on hydrographical investigations in the Färö Shetland Channel
and the Northern part of the N. Sea in 1903, pagı 69. .
North Sea Fisheries investigation Committee (Parliamentary Report 19053.