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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 34 (1906)

Wissemann, W.: Die Oberflächenströmungen des Schwarzen Meeres. 173 
gebrachten Hülfsskala in km ausgedrückt. Letztere Zahl mußte noch mit 5 
multipliziert werden, um den Abstand der 1 mm-Isobaren zu ergeben. . In 
dem nordwestlichen Teil des Meeres, wo die Isobaren wesentlich näher anein- 
ander liegen, wurde, um die größtmögliche Genauigkeit zu erzielen, die ge- 
messene Strecke zunächst verfünffacht und alsdann ebenfalls der Abstand der 
1 mm-Isobaren für den betreffenden Punkt mit Hilfe der erwähnten Skala 
gewonnen. 
Schließlich wurde für sämtliche Punkte — es waren deren 35 — die 
Windgeschwindigkeit nach der einfachen Formel: 
a:vy==C 
cC 
also: Y= 
G1 
berechnet und an die betreffenden Punkte nebst den‘ durch die Pfeile an- 
gedeuteten Windrichtungen eingetragen, 
Das sich darbietende Bild ist leicht zu übersehen. Die »Spindlersche 
Zyklone« kommt auch auf unserer Karte voll zum Ausdruck. Es ergibt sich 
für den Teil der Küste, wo bei Spindler*) Messungen vorliegen, wenigstens in 
bezug auf die Windrichtung eine leidliche Übereinstimmung seiner Resultate 
mit denen unserer Karte, wenn man in Betracht zieht, daß der Ablenkungs- 
winkel für die Ebene, noch mehr aber für das Gebirge, kleiner ist als auf 
dem offenen Meer; denn die Konstante k, die in der Berechnungsformel 
tang « = Aria im Nenner auftritt, wird: nach Wegemann”) für die Ebene 
0.00008, für Gebirge sogar 0.00012, 
Ein Punkt ist namhaft zu machen, in dem sich die beiden Karten unter- 
scheiden. Es. ist bei Betrachtung der Spindlerschen Karte auffallend, daß 
oft nahe benachbarte Küstenpunkte wesentlich verschiedene Windrichtung 
haben. Man vergleiche beispielsweise die Stationen auf der Krim! Mag dieser 
Umstand teilweise den örtlichen Verhältnissen, also etwa der nicht überall 
ganz gleichartigen Aufstellung der Instrumente zuzuschreiben sein; es bleibt 
doch ein unauflösbarer Rest, und es ist anzunehmen, daß auch auf dem offenen 
Meere das Bild sich nicht ganz so gleichmäßig darstellen würde, wie unsere 
Karte dies zeigt. Da jedoch die etwaigen lokalen Abweichungen für das zu 
konstruierende Strombild kaum Bedeutung haben würden, so dürfen wir also 
an der auf Grund der Isobarenkarte entworfenen Windkarte festhalten. 
Die stromerzeugende Kraft des. Windes findet Mohn auf empirischem 
Wege. . Das Resultat ist: Eine Windstärke von 3.9 Beaufort erzeugt einen 
Strom von 15 Seemeilen in 24 Stunden. Unter Zugrundlegung der Köppen- 
schen Reduktionswerte (Tabelle auf S, 172) finden wir, da 3.9 Beaufort gleich 
6.51 m p. Sek. Windgeschwindigkeit ist: 1 mp. Sek, Wind erzeugt einen Strom 
von 2.304 Seemeilen in 24 Stunden oder 0.0494 m p. Sek, Danach läßt sich 
leicht für die Punkte, für die die Windgeschwindigkeit berechnet wurde, 
auch die daraus folgende Stromgeschwindigkeit finden, da beide einander 
einfach proportional sind. ‘ 
Auf Karte VI (Tafe19) wurde für die betreffenden Punkte die Stromrichtung 
eingetragen, die Geschwindigkeit hinzugeschrieben und nunmehr die Linien 
gleicher Geschwindigkeit,gezeichnet. — Ihr Geschwindigkeitsmaximum erreichen 
die Windströmungen im Nordwesten mit etwa 7'/, Seemeilen. Ziemlich be- 
deutend sind sie noch .an der Nordost- und der Südküste. Ein im Westen 
sehr breiter, nach Osten zu schmaler werdender Streifen geringer Geschwindig- 
keiten schiebt sich zwischen diese beide Maxima zweiter Ordnung ein. Gerade 
zwischen ihnen liegt an der Stelle des Luftdruckminimums der stromlose Punkt, 
der das Zentrum des großen Stromringes bildet. 
‘) Vgl. S. 171, Fußnote 1. 
2) Vgl. S. 172, Fußnote 1.
	        
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