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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 34 (1906)

Wissemann, W.: Die Oberflächenströmungen des Schwarzen Meeres, 169 
nordwärts gerichtete Strom aus dem Schwarzen Meere (mit 16 bis 17 °/4o), 
wobei die isohalinen Flächen im Osten überall höher liegen als im Westen 
und auch bei diesen schwachen Bewegungen von 0.4 bis 0.8 m. p. S. die Ein- 
wirkung der Erdrotation erkennen lassen.« 
Noch ein Punkt bleibt zu erwähnen. Das ist die merkwürdige Senkung 
des Meeresspiegels im Nordwesten zwischen der Donaumündung und der Krim, 
die namentlich auf Karte I stark hervortritt, aber auch auf den beiden anderen 
Karten zu erkennen ist, Dazu ist folgendes zu sagen: Einmal ist hier das 
Meer sehr seicht; die Grenzfläche, die wir als eben annahmen und in 55 m 
Tiefe festsetzten, muß sich hier mit dem Meeresboden heben, Unsere Angaben 
greifen daher schon in die Region des Unterstromes ein und liefern ein ge- 
fälschtes Resultat. Sodann läßt sich vielleicht noch vermuten, daß dadurch, 
daß das zuströmende süße Flußwasser, wie später gezeigt werden soll, unter 
dem Einfluß der Nordostwinde und der Erdrotation an der Küste entlang 
südwärts treibt, infolge des entstehenden starken Kompensationsbedürfnisses 
ein Auftriebstrom erzeugt wird, der das schwere Grundwasser sich mit dem 
Oberflächenwasser mischen läßt. Ein Beispiel für eine solche Auftriebs- 
erscheinung liefern Ekmans Untersuchungen über die Wasserbewegungen an 
der Mündung des Göta-Elf.!) 
Die oben erwähnten Übereinstimmungen zwischen den Einzelkarten 
gaben Veranlassung zur Konstruktion einer Mittelwertkarte, Diese wurde auf 
folgende Weise erhalten: Aus den Einzelkarten wurden nach Schätzung die 
Niveauhöhen an den Schnittpunkten der. Längen- und Breitengrade, stellen- 
weise auch der Halbgrade entnommen. Zu bemerken ist, daß dabei auf 
Karte I die Angaben für das ganze östliche Becken, wo gar keine Messungen 
vorliegen, nach Gutdünken ungefähr analog denen der beiden anderen Karten 
eingefügt wurden. Darauf wurde für einen und denselben Punkt aus den drei 
Ergebnissen das Mittel genommen. Trotzdem die Einzelangaben auf Schätzung 
beruhen und, wie oben dargetan, großer Willkür unterworfen sind, so kann 
doch das Ergebnis Anspruch auf angenäherte Richtigkeit machen. Denn 
erstens ist anzunehmen, daß die gemachten Schätzungsfehler sich teilweise 
ausgleichen; dann aber ist auch zu beachten, daß ein Fehler nur mit einem 
Drittel seines Betrages im Resultat enthalten ist, 
Die so gewonnenen Mittelzahlen wurden auf Karte IV (Tafel 8) vereinigt, 
auf der alsdann die Isohypsen im Abstand von 10 zu 10 mm und an einer besonders 
wichtigen Stelle ihres Verlaufs auch die +5 mm — Isohypse gezeichnet wurden. 
Überblicken wir einmal das sich darbietende Bild! Die größte Höhe befindet 
sich im Süden der Donaumündung und die tiefste Depression im Südosten der 
Krim. In diesen Grundeigenschaften stimmen, wie oben erwähnt, alle Einzel- 
karten überein. Auch die beiden Höhenmaxima am Östrand unter ungefähr 
42° Breite und am Südrand unter 38° Länge, die auf den Karten II und IIT 
hervortraten, finden sich naturgemäß hier wieder, In dem Ausbiegen der 
0 mm- und 10 mm-Linie nach Südosten ist wohl der Einfluß der Stationen 35 
aus 1890 und 92 sowie 93 aus 1891 zu erkennen, Die beiden weniger tiefen 
Depressionen im Nordosten des Bosporus auf Karte I und IX finden ihren 
Ausdruck in dem bedeutenden Ausbiegen der 5 mm-Linie. Eine empfindliche 
Lücke im Gesamtbild findet sich in der Nähe der Straße von Kertsch. Doch 
läßt sich vermuten, daß die —10- und auch noch die 0 mm-Linie in ziem- 
lichem Abstand von der Nordküste verlaufen, Den einzigen Anhaltspunkt 
dafür bieten allerdings nur die beiden Stationen 20 und 24 auf Karte I, von 
denen 24 wegen vorgenommener Ergänzungen nur angenähert richtig ist, 
Wie bereits im Anfang erwähnt wurde, fanden die Beobachtungen, die 
das Material zu vorliegender Arbeit bilden, im Sommer statt, also haben ihre 
Ergebnisse, streng genommen, auch nur für diese Jahreszeit Gültigkeit. Wir 
brauchen, wie aus den im dritten Abschnitt folgenden Ausführungen erhellen 
wird, ein Bild für den Jahresdurchschnitt. Im Winter wird die Oberflächen- 
temperatur allgemein sinken und also die Dichte zunehmen, was aber für die 
\ Krümmel: Ozeanographie. Seite 359
	        
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