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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 34 (1906)

Wissemann, W.: Die Oberflächenströmungen des Schwarzen Meeres, 167 
Von den 187 Beobachtungsstationen, die das Material enthält, mußten 
33 für unseren Zweck ausgeschieden werden, teils weil die vorhandenen 
Messungen nicht genügen, um ein brauchbares Resultat zu ergeben, teils weil 
das Wasser an den betreffenden Stellen zu seicht ist. Das letztere gilt haupt- 
sächlich von dem nordwestlichen Teil des Meeres; hierauf wird bei einer 
Kritik der Dichtigkeitsfläche noch zurückzukommen sein. Von den übrig- 
bleibenden 154 Stationen sind 140 anstandslos zu benutzen, während die 
anderen, auf den Karten I, II und IH (Tafel 8) durch Klammern kenntlichen, 
nur angenähert richtig sind, weil die hierselbst lückenhaften Zahlenreihen 
nach Maßgabe benachbarter Stationen ergänzt sind. ; 
Versucht man nunmehr, die in der Tabelle nicht mit Sternchen 
bezeichneten Stationen auf einer Karte zu vereinigen, wobei man die aus 
einer und derselben Beobachtungsperiode stammenden Daten kenntlich macht, 
so bemerkt man leicht, daß die Daten der verschiedenen Perioden nicht wohl 
vereinbar sind. Es ist dabei nicht so sehr von Einfluß, daß die Beob- 
achtungen aus verschiedenen Jahren, als aus verschiedenen Jahreszeiten oder 
doch wenigstens verschiedenen Moraten stammen; denn zwischen den Mai- 
und Augustbeobachtungen des Jahres 1891 sind stellenweise starke Gegensätze 
vorhanden, während sich viele Beobachtungen aus dem Juli 1890 teils mit 
denen vom Mai und Juni 1891, teils auch mit denen vom August 1891 leidlich 
gut vereinigen lassen. Das führt zu dem Schluß, daß auch während der 
kurzen Sommerzeit von Mitte Mai bis Ende August wesentliche Änderungen 
in den Dichteverhältnissen des Schwarzen Meeres stattfinden. 
Dieses Resultat ist keineswegs überraschend, sondern läßt sich bereits 
aus den im Material für die Verteilung des spezifischen Gewichtes gegebenen 
Karten herauslesen. Während die Verteilung in den Tiefen vor 27.5 und 
45.7 m sich in den verschiedenen Monaten annähernd gleichbleibt, bieten die 
Kärtchen für die Oberfläche ganz verschiedene Bilder. Im Frühsommer be- 
findet sich ein scharf ausgeprägtes Dichteminimum im Nordwesten, offenbar 
zustande gekommen durch den Zufluß der Ströme Donau und Dnjepr, die im 
Frühjahr besonders reichliche Wassermassen spenden. Im Hochsommer scheint 
sich diese Schicht süßen Wassers, das in geringem Grade auch von anderen 
Seiten zuströmt (Mündung des Rion, Kärtchen für August 1891) über die 
ganze Fläche ausgebreitet zu haben. Bezüglich der hier erwähnten Er- 
scheinung verweise ich auf eine Abhandlung Brückners.') Hierin weist Brückner 
nach, daß Spiegelschwankungen des Schwarzen Meeres mit einjähriger Periode auf 
entsprechende Schwankungen in der Wasserführung der obengenannten Flüsse 
zurückzuführen sind. Während das Hochwasser in den Flußmündungen im 
April und Mai eintritt, zeigt der Wasserstand des Schwarzen Meeres in der 
Nähe dieser Mündungen ein Maximum im Mai, an flußfreien Küsten jedoch 
erst im Juni. Beachtenswert ist, daß an letztgenannter Stelle noch bis in den 
August hinein der Wasserstand über dem normalen liegt. Außerdem erfolgt 
auch eine Abnahme der Dichte mit der Zunahme der Temperatur, worauf 
noch einmal zurückzukommen sein wird.‘ 
Es wurden nunmehr Einzelkarten für die verschiedenen Beobachtungs- 
perioden gezeichnet, die in der Tafel 8 als Karten I, IX und III wiedergegeben 
sind, und zwar wurden darin alle berechneten Resultate eingetragen. Auch 
hier sind noch erhebliche Schwierigkeiten vorhanden. 
Zunächst stellen sich auch jetzt noch scheinbare Widersprüche ein, 
Man vergleiche die Stationen unweit des Bosporus auf Karte I! Die Be- 
obachtungen an den nur um etwa eine Breitenminute voneinander entfernten 
Stationen 56 und 57 liefern die Resultate + 9.2 und — 7.6, trotzdem die 
beiden Messungsreihen von einem und demselben Nachmittag herrühren. 
Solche Widersprüche nachträglich aufzuklären, ist schwierig. Meiner -Ansicht 
nach bleibt nur folgende Annahme übrig, An dieser noch nicht 90 m tiefen 
Stelle nahe der Ausmündung des Bosporus liegen die beiden entgegengesetzt 
‘) Brückner: Die Schwankungen des Wasserstandes im Schwarzen Meer und ihre Ursachen. 
Meteor. Ztschr.«, Juli 1886.
	        
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