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Amalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April 1906.
Die bisherigen Ausführungen hatten zum Ziel, die periodischen Schwan-
kungen der Eistrift bei Island, die im Laufe eines Jahres und längerer Zeit-
räume stattfinden, ausfindig zu machen, sowie zahlenmäßig und graphisch
darzustellen. Es geschah dies für die jährliche Periode der Eistrift für eine
vier- bis fünfjährige, eine elfjährige mit der Sonnenfleckenhäufigkeit und eine
mit Brückners Klimaschwankungen korrespondierende Periode.
Es soll nun versucht werden, den Ursachen und Wirkungen dieser
periodischen Erscheinungen nachzugehen, ohne dabei übrigens auf eine er-
schöpfende Behandlung des Themas Gewicht zu legen, (Schluß folgt.)
Oberflächenströmungen des Schwarzen Meeres.
Von Walther Wissemann,
(Hierzu Tafel 8 und 9.)
In seinem Werke »Nordhavets Dybder, Temperatur og Stromninger«
entwickelt der norwegische Meteorologe Mohn!) eine Methode, die aus den
Dichte- und Windverhältnissen eines Meeres resultierenden Oberflächen-
strömungen zu berechnen, Sein Verfahren wurde bereits mit einigen Modi-
fikationen von Engelhardt,°) Wegemann”) und Castens*?) angewandt, In
vorliegender Arbeit soll der Versuch gemacht werden, an der Hand der
Mohnschen Theorie die Strömungen des Schwarzen Meeres zu berechnen.
I. Die Dichtigkeitsfläche.
Als Material für die Herstellung der in der Theorie so genannten
„Dichtigkeitsfläche« wurde ein Bericht benutzt, der unter dem Titel: »R6&sume
des observations hydrologiques faites dans la Mer Noire et dans la Mer d’Asof
pendant les expEditions de 1890 et 1891« im Jahre 1899 veröffentlicht wurde,
Vorgenannte Expeditionen dauerten vom 27, Juni bis zum 23, Juli 1890, vom
17. Mai bis zum 11. Juni und vom 4. bis zum 27. August 1891. Ihre Ergebnisse
haben also für den Sommer Gültigkeit. Die von mir zu benutzenden Messungen
und Untersuchungen wurden von den Herren Kapitänleutnant J. B. Spindler,
dem Chef der Expeditionen, und Baron F. F. Wrangell°) angestellt. Die zahlen-
mäßigen Resultate sind in umfangreichen Tabellen und auf einer Anzahl von
Karten und Profilen niedergelegt. Die Tabellen enthalten neben Ort und Zeit
der Beobachtung im wesentlichen die Angaben der Temperatur, des Salz-
yehaltes und der daraus folgenden Dichte des Wassers in verschiedenen Tiefen
einer und derselben Station.
Es handelt sich nun darum, die sogenannte »Grenzfläche« oder
eigentlich die Grenzschicht festzulegen, die Ober- und Unterstrom voneinander
trennt. Wie aus den Tabellen und ebenso aus den Profilen 4 bis 11 zu
ersehen, nimmt die Temperatur von der Oberfläche an bis zu einer Tiefe von
45 bis 90 m rasch ab. Die Temperatur dieser Tiefe entspricht ungefähr der
Oberflächentemperatur des Winters. Von da an abwärts nimmt sie langsam
zu, und von etwa 550 m Tiefe an ist sie beinahe konstant. Der Salzgehalt,
der von der Oberfläche an zunächst langsam steigt, zeigt eine starke Zunahme
zwischen 55 und 730 m. Weiterhin wird dieselbe wieder geringer. Die ver-
stärkte Zunahme des Salzgehaltes in der Schicht unterhalb 55m hat zur
Folge, daß trotz der Temperatursteigerung die Dichte unausgesetzt nach unten
hin zunimmt, so daß Gleichgewicht vorhanden ist.
Gerade die eigenartige Schichtung der Temperaturen, in bezug auf welche
1) Mohn: Den Norske Nordhavs-Expedition 1876—1878. Nordhavets Dybder, Temperatur
og Stromninger. Christiania 1887.
2) Engelhardt: Untersuchungen über die Strömungen der Ostsee, die Dichtigkeitsfläche,
Inaug,-Diss. Kiel 1899,
3 Wegemann: Die Oberflächenströmungen des Nordatlantischen Ozeans nördlich von
50° N-Br. Inaug.-Diss. Kiel 1900.
4) Castens: Untersuchungen über die Strömungen des Atlantischen Ozeans, die Dichte-
and Windverhältnisse, Inaug.-Diss. Kiel 1905,
5) Spindler u. Wrangell: Resume des observations hydrologiques dans la Mer Noire et
Ja Mer d’Asof pendant les expeditions de 1890 et 1891. St. Petersburg 1899.
Die