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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 34 (1906)

Meinardus, W,: Periodische Schwankungen der Eistrift bei Island. 161 
Die anderen Rubriken der Tabelle enthalten die von Brückner ab- 
geleiteten Abweichungen der Lustrenmittel des Regenfalls, des Luftdrucks und 
der Temperatur in Europa. Ich habe hinzugefügt die ausgeglichenen Ab- 
weichungen der Luftdruckdifferenz Kopenhagen—Stykkisholm (Island) und 
die Lustrenmittel der Temperatur in Jacobshavn, wobei das Mittel für 1851—55 
interpoliert werden mußte, Die Maxima und Minima sind in der Tabelle 
überall hervorgehoben. 
Man sieht, daß die Extreme bei allen diesen Elementen fast immer 
gleichzeitig erreicht werden. Noch deutlicher tritt der Parallelismus der Er- 
scheinungen in dem gleichartigen Gang der Linienzüge auf Tafel 6 vor Augen. 
Der von den kürzeren Schwankungen befreite säkulare Gang des Eis- 
vorkommens bei Island weist danach folgende Minima und Maxima auf, 
denen die entsprechenden Epochen der Brücknerschen Perioden der Temperatur 
und des Regenfalles für die Landflächen der Erde beigefügt worden sind. 
Eis bei Island. Temperatur. Regenfall. 
Min. 1811—15 1806—20 Max. 1806—25 
Max. 21—35 21—835 Min. 26—40 
Min. 46—50 36—50 Max. 41—55 
Max, 61—65 51—70 Min. 56—70 
Min. 76—80 71—85 Max, 71—85 
Max. 86—90 
Die von Sieger behauptete Korrespondenz zwischen den 
Schwankungen der Eistrift bei Island und den Brücknerschen Klima- 
schwankungen wird durch das vorliegende Material also in jeder 
Weise bestätigt. 
Die letzten Rubriken der obigen Tabelle lassen erkennen, daß nicht nur 
Regenfall, Temperatur und Luftdruck größerer Länderräume, sondern auch so 
spezielle Elemente wie die Luftdruckdifferenz zwischen Kopenhagen und 
Stykkisholm (auf Island), wie auch die Lufttemperatur in Westgrönland 
(Jacobshavn) Variationen erleiden, die mit den langjährigen Schwan- 
kungen der Eistrift bei Island übereinstimmen. Um diesen Zusammen- 
hang in der graphischen Darstellung (Tafel 6) deutlicher hervorzuheben, sind 
die Lustrenmittel der erwähnten Luftdruckdifferenz, durch. die Formel 
(a + 2b + ec) :4 ausgeglichen und dann in Abweichungen vom normalen Wert 
angegeben. Ferner ist die Temperaturkurve für Jacobshavn (ebenso wie die 
Kurve für den Regenfall) umgekehrt gezeichnet, so daß ein Steigen der Linien 
einem Fallen der Temperatur (bzw. des Regenfalls) entspricht. 
Es ist eine gerade für unsere Untersuchung sehr bemerkenswerte Tat- 
sache, daß die Temperaturschwankungen in Westgrönland im entgegengesetzten 
Sinne verlaufen wie die auf den benachbarten Festländern. Grönland gehört 
mit seiner weiteren Umgebung zu den sogenannten »Ausnahmegebieten«, in 
denen die für die größeren Landflächen geltenden Klimaschwankungen kom- 
pensiert werden. Wir sehen also Perioden eisreicher Jahre bei 
Island mit kalten Perioden in Grönland zusammenfallen, eisarme 
mit warmen Perioden. a 
Wenn man noch in Betracht zieht, daß die Luftdruckdifferenz zwischen 
Kopenhagen und Island als einMaß für dieStärke der nordatlantischen Zirkulation 
angesehen werden darf, so kann man die Gesamtheit der durch obige Tabelle X 
und die Tafel 6 repräsentierten Tatsachen folgendermaßen zusammenfassen: 
A, Die eisreichen Perioden bei Island fallen im allgemeinen zusammen 
1. mit Brückners warmen, trockenen Perioden der Fest- 
landsgebiete, soweit sie keine Ausnahmegebiete sind, 
2. mit Perioden niedriger Temperatur in Grönland, 
83. mit Perioden verstärkter nordatlantischer Zirkulation, 
B. Die eisarmen Perioden bei Island korrespondieren dagegen 
i. mit Brückners kühlen, feuchten. Perioden unter obiger 
Beschränkung, ; ; 
mit Perioden hoher Temperatur in Grönland, 
mit Perioden abgeschwächter nordatlantischer Zirkulation, 
Ann. d. Hydr. usw. 1906, Heft IV 
2, 
3.
	        
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