Meinardus, W,: Periodische Schwankungen der Eistrift bei Island. 161
Die anderen Rubriken der Tabelle enthalten die von Brückner ab-
geleiteten Abweichungen der Lustrenmittel des Regenfalls, des Luftdrucks und
der Temperatur in Europa. Ich habe hinzugefügt die ausgeglichenen Ab-
weichungen der Luftdruckdifferenz Kopenhagen—Stykkisholm (Island) und
die Lustrenmittel der Temperatur in Jacobshavn, wobei das Mittel für 1851—55
interpoliert werden mußte, Die Maxima und Minima sind in der Tabelle
überall hervorgehoben.
Man sieht, daß die Extreme bei allen diesen Elementen fast immer
gleichzeitig erreicht werden. Noch deutlicher tritt der Parallelismus der Er-
scheinungen in dem gleichartigen Gang der Linienzüge auf Tafel 6 vor Augen.
Der von den kürzeren Schwankungen befreite säkulare Gang des Eis-
vorkommens bei Island weist danach folgende Minima und Maxima auf,
denen die entsprechenden Epochen der Brücknerschen Perioden der Temperatur
und des Regenfalles für die Landflächen der Erde beigefügt worden sind.
Eis bei Island. Temperatur. Regenfall.
Min. 1811—15 1806—20 Max. 1806—25
Max. 21—35 21—835 Min. 26—40
Min. 46—50 36—50 Max. 41—55
Max, 61—65 51—70 Min. 56—70
Min. 76—80 71—85 Max, 71—85
Max. 86—90
Die von Sieger behauptete Korrespondenz zwischen den
Schwankungen der Eistrift bei Island und den Brücknerschen Klima-
schwankungen wird durch das vorliegende Material also in jeder
Weise bestätigt.
Die letzten Rubriken der obigen Tabelle lassen erkennen, daß nicht nur
Regenfall, Temperatur und Luftdruck größerer Länderräume, sondern auch so
spezielle Elemente wie die Luftdruckdifferenz zwischen Kopenhagen und
Stykkisholm (auf Island), wie auch die Lufttemperatur in Westgrönland
(Jacobshavn) Variationen erleiden, die mit den langjährigen Schwan-
kungen der Eistrift bei Island übereinstimmen. Um diesen Zusammen-
hang in der graphischen Darstellung (Tafel 6) deutlicher hervorzuheben, sind
die Lustrenmittel der erwähnten Luftdruckdifferenz, durch. die Formel
(a + 2b + ec) :4 ausgeglichen und dann in Abweichungen vom normalen Wert
angegeben. Ferner ist die Temperaturkurve für Jacobshavn (ebenso wie die
Kurve für den Regenfall) umgekehrt gezeichnet, so daß ein Steigen der Linien
einem Fallen der Temperatur (bzw. des Regenfalls) entspricht.
Es ist eine gerade für unsere Untersuchung sehr bemerkenswerte Tat-
sache, daß die Temperaturschwankungen in Westgrönland im entgegengesetzten
Sinne verlaufen wie die auf den benachbarten Festländern. Grönland gehört
mit seiner weiteren Umgebung zu den sogenannten »Ausnahmegebieten«, in
denen die für die größeren Landflächen geltenden Klimaschwankungen kom-
pensiert werden. Wir sehen also Perioden eisreicher Jahre bei
Island mit kalten Perioden in Grönland zusammenfallen, eisarme
mit warmen Perioden. a
Wenn man noch in Betracht zieht, daß die Luftdruckdifferenz zwischen
Kopenhagen und Island als einMaß für dieStärke der nordatlantischen Zirkulation
angesehen werden darf, so kann man die Gesamtheit der durch obige Tabelle X
und die Tafel 6 repräsentierten Tatsachen folgendermaßen zusammenfassen:
A, Die eisreichen Perioden bei Island fallen im allgemeinen zusammen
1. mit Brückners warmen, trockenen Perioden der Fest-
landsgebiete, soweit sie keine Ausnahmegebiete sind,
2. mit Perioden niedriger Temperatur in Grönland,
83. mit Perioden verstärkter nordatlantischer Zirkulation,
B. Die eisarmen Perioden bei Island korrespondieren dagegen
i. mit Brückners kühlen, feuchten. Perioden unter obiger
Beschränkung, ; ;
mit Perioden hoher Temperatur in Grönland,
mit Perioden abgeschwächter nordatlantischer Zirkulation,
Ann. d. Hydr. usw. 1906, Heft IV
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3.