156 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April 1906.
Tabelle VI. Ordnung der Eisjahre nach einer 4’'.jährigen Periode.
Periodenjahre . . 1803 07 12 17 21 26 30 35 39 43 45 52
Kisjahre . . .. 1802 7 212 217 21 227 29 '35 40 43) @8 @)
Zeitdifferenz . . -— 1 A ; 0 O0 +1 —1 ü —1 ©“ 0% (©)
Eischarakter . . 102 100 82 78 33 47 BB 6 © 6
Abweich. v. Mittel +79 77 459 455 +10 42414 +20 (—18)(—16) (—15)
3
Periodenjahre . . 1856 6 65 59 74 78 82 87 y2 96 1901 05
Fisjahre . . . . 1856 59 66 69 4 78 81 Ss 92 96 1902 (06?)
Zeitdifferenz . . ü—1 +1 0 0. ü —1 H Ö O0 + +41?
Eischarakter . . 35 46 110 Si 64 24 8&2 104 %6 36 64
Abweich. v. Mittel +12 423 487 461 A441 +1 +59 +81 +53 +13 A441
Die dritte Horizontalreihe gibt die Differenz zwischen den beiden
darüberstehenden Jahreszahlen an; —1 bedeutet, daß das Eisjahr um ein Jahr
früher, +1, daß es ein Jahr später eintrat, als man bei strenger Einhaltung
einer 4- bis 5jährigen Periode erwarten konnte. Die Tatsache, daß diese Ver-
frühungen oder Verspätungen niemals mehr als ein Jahr betrugen und daß
in der Mehrzahl der Fälle der Eintritt eines Eisjahres genau zu der er-
warteten Zeit stattfand, beweist zur Genüge, daß die Annahme einer solchen
Periode gerechtfertigt ist.
Einen weiteren Beweis dafür sehe ich in der Tatsache, daß von den
17 schweren Eisjahren, die in der Zeit von 1800 bis 1904 bei Island auftraten,')
nur zwei, die Jahre 1801 und 1837, sich nicht in der obigen Tabelle anführen
ließen, alle andern fügen sich mit höchstens +1 Jahr Zeitdifferenz in die
Periode, Das schwere Eisjahr 1882, das dem in die Tabelle aufgenommenen
noch schwereren Eisjahr 1881 folgte, fällt mit einem Jahr der Normalperiode
zusammen,
Die letzte Horizontalreihe der Tabelle enthält die Abweichungen der auf-
geführten Eisjahre von dem mittleren Eischarakter bei Island. Man sieht das
positive Zeichen durchaus überwiegen; abgesehen vom Jahre 1816 fallen nur
die exzeptionell eisarmen 40er Jahre durch negative Vorzeichen auf. Die
Unterschiede der einzelnen Jahre waren um diese Zeit so unbedeutend, daß
die 4!/, jährige Schwankung fast ganz verschwindet, Die Zahlen sind deshalb
eingeklammert.
Bildet man die Zeitintervalle zwischen den in Tabelle VI aufgeführten
Eisjahren, so findet man, daß sie
2, 3, 4, 5, 6, 7 Jahre betragen
in 1, 4, 6, 6, 3, 2 Fällen,
Der Zeitunterschied zwischen zwei eisreichen Jahren ist also am
häufigsten 4 bis 5, weniger häufig 3 bis 6, und sehr selten 2 bis 7 Jahre.
Dagegen kommen nach Ausweis der Tabelle Vb wieder häufiger zwei eis-
reiche Jahre unmittelbar hintereinander vor, so 1801, 02, 1856, 57. 1881, 82,
1887, 88.
Wenn man in Tabelle VI die normale Periode von 4 bis 5 Jahren weiter
rechnet, so kommt man auf das Jahr 1905, Da dieses bei Island nicht be-
sonders eisreich gewesen zu sein scheint, so hätte man umsomehr zu erwarten,
daß das laufende Jahr (1906) ein verhältnismäßig schweres Eisjahr werden
wird.‘ Diese Vermutung wird bestärkt durch die Wahrnehmung, daß der Eis-
reichtum im vorigen Jahre im nördlichen Teil des Ostgrönländischen Meeres
bei Spitzbergen ungewöhnlich groß war, Frühere Erfahrungen machen es
wahrscheinlich, daß dieses Eis im laufenden Jahr die Küsten Islands erreicht.
Um die mittlere Amplitude der 4!/, jährigen Periode zu bestimmen, habe
jch die mittleren Eismengen für die in der ersten Reihe der Tabelle VI
angegebenen Periodenjahre, und für die dazwischen liegenden Zeiten be-
»echnet. In der Tabelle VII steht das Normaliahr der Periode in der Mitte
1) Als schwere Eisjahre sind solche gerechnet, in denen der Eischarakter nach "Tabelle Vb
das Zweifache des Mittelwertes aller Jahre (23) mindestens erreichte. Sie sind durch fetten Druck
hervorgehoben.