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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 34 (1906)

Meinardus, W.: Periodische Schwankungen der Eistrift bei Island. 155 
die Bemerkung macht, daß im Frühjahr Eis in der Nähe der Shetlands- 
Inseln angetroffen wurde.!) Allerdings ist es nicht ausgeschlossen, daß beide 
Tatsachen nebeneinander bestehen konnten, aber die Wahrscheinlichkeit spricht 
dafür, daß die eine Angabe nicht ganz zutreffend ist. 
Mit dem größten Zweifel betrachtete ich aber von vornherein in der 
Darstellung Thoroddsens die anhaltende Eisarmut in den 40er und Anfang 
der 50er Jahre des 19. Jahrhunderts, Ich fragte daher bei dem hoch- 
verdienten Forscher an, ob seine Darstellung‘ für diesen Zeitraum genügend 
gesichert wäre, Darauf erhielt ich unter dem 7. Oktober 1905 ‚folgende 
dankenswerte Auskunft: 
»Der Eismangel der 40er Jahre ist wohl verbürgt; die Quellen waren 
für diese Jahre sehr reichlich, Als ich die Abhandlung (über die Eisverhältnisse 
bei Island, auf Veranlassung von Frhr. A, E. v. Nordenskjöld im.Jahre 1884) 
schrieb, wohnte ich im nördlichen Island in Mödruvellir, in der Nähe von 
Akureyri, wo sich jedermann für Eisverhältnisse interessiert, und ich hatte 
Zugang zu den besten Quellen: Für diese Jahre benutzte ich außer. den 
isländischen Zeitschriften auch Tagebücher von drei damals noch lebenden 
gebildeten Leuten im Nordlande, die. mir persönlich bekannt waren. Alle 
älteren Leute erinnerten sich damals dieser Periode von eisfreien Jahren, da 
sie ein Zeitraum ungewöhnlichen, ökonomischen Aufschwungs war, Wie be- 
kannt, leidet das nördliche Island sehr vom Treibeise, in Eisjahren ist die 
Witterung kalt und naß, die Heuernte schlecht, und die Schafzucht gibt keinen 
Ertrag, da die Schafe mager sind und vielfach wegen Futtermangels sterben. 
Dazu kommen auch große Schwierigkeiten für die Schiffahrt und die Fisch- 
zucht. — Über die Ursache dieser eisfreien Periode habe ich keine begründete 
Meinung, habe die Frage auch nicht studiert ...« 
Nach diesem Bescheide muß also wohl jeder Zweifel an der auffallenden 
Eisarmut der 40er Jahre schwinden, Zugleich kann man den Zeilen Thoroddsens 
entnehmen, daß das Material zu seiner Eischronik den besten Quellen entstammt 
und daß die Sicherheit seiner Angaben wohl ausreichen mag, um wenigstens 
die Hauptschwankungen des Eisvorkommens bei Island zu charakterisieren. 
1. Vier- bis fünfjährige Periode der Eistrift bei Island, 
Betrachtet man die auf- und absteigende Linie E und E auf Tafel 7, 
so wird man bemerken, daß die eisreicheren Jahre oft in Gruppen auftreten, 
die durch mehrere eisarme oder eisfreie Jahre getrennt sind. Es findet ein 
An- und Abschwellen des Eisreichtums statt, welches die Frage nahe legt, ob 
darin eine periodische Wiederkehr zu erkennen ist. 
Eine nähere Untersuchung zeigt, daß die Tendenz zu einer etwa 
vier- bis fünfjährigen Wiederkehr eisreicher Jahre bei Island vor- 
handen ist. Schon Lyell hat es in seinem großen Handbuch der Geologie 
als eine bekannte Tatsache bezeichnet, daß alle vier oder fünf Jahre »eine 
große Zahl Eisberge, von Grönland herüberkommend, an der Westküste Islands 
stranden«.’) Jedoch gibt er keine nähere Begründung für diese Behauptung, 
die, wie es scheint, einer traditionellen Ansicht der isländischen Küsten- 
bevölkerung entspricht. Es soll versucht werden, auf Grund der obigen 
Tabellen Va und Vb das Vorhandensein dieser Periode nachzuweisen, ‘ 
Wenn man unter der Voraussetzung einer 41!/, jährigen Periode vom 
Jahre 1803 ausgehend die Jahreszahlen abwechseind um 4 und 5, oder um 
5 und 4 Jahre wachsen läßt und unter die so gefundenen »Periodenjahre« 
gemäß Tabelle Vb die nächstgelegenen eisreichen Jahre bei Island setzt, erhält 
man die ersten beiden Reihen nachstehender Tabelle. 
) H. W. Dove: Klimatologische ‘Beiträge, Berlin 1869, 2. Teil, S. 275. 
) Ch, Lyell: Principles of Geology, XI. Edition, London 1872, Vol. I, S. 248. Im An- 
schluß an die oben zitierte Stelle folgen die Worte: Die Bewohner sind dann gewärtig, daß infolge 
der Nebel, die sich fast unaufhörlich bilden, ihre Heuernte fehlschlägt, und daß die Fische wegen 
der veränderten Meerestemperatur die Küste verlassen.
	        
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