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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 34 (1906)

Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Januar 1906, 
atlantischen Stromachsen eingezeichnet, welche durch kleine Maxima des Salz- 
gehaltes und der Temperatur, bisweilen auch durch den Charakter des 
Planktons, zu erkennen sind. Die Stromachsen sind durch ‚ausgezogene Linien 
bezeichnet, soweit sie in der Oberfläche liegen, Die weitere Fortsetzung der- 
selben als Unterströmungen wird durch gebrochene Linien angedeutet. Der 
westlichste Stromzweig geht durch die Davisstraße und Baffinsbai, der 
nächste (der »Irminger Strom«) fließt gegen die Dänemarkstraße, der dritte 
wird beim Überschreiten der unterseeischen Schwelle zwischen Island und 
den Färöern größtenteils nach Osten abgelenkt und dringt zusammen mit 
dem vierten über die Wyville-Thomson-Bank in das Norwegische Meer hinein. 
Als den fünften Ast des Atlantischen Stromes können wir den sogenannten 
Kanalstrom betrachten, welcher durch die Doverstraße Wasser von relativ 
hohem Salzgehalt (35.40 bis 35.50° 7) dem südlichen Teil der Nordsee zuführt. 
Dieser Zweig behält aber seinen Charakter nur bis zum östlichen Ende der 
tiefen Rinne zwischen England und Holland und verliert sich auf dem 
seichten südlichen Nordseeplateau zwischen der Doggerbank und der 
holländischen und friesischen Küste, Die Strömungen sind hier wesentlich 
Gezeitenströmungen. Aus den Mittelzahlen langer Beobachtungsreihen geht 
es aber hervor, daß ein »resultierender Kanalstrom« wirklich existiert, 
und daß die Geschwindigkeit dieses Stromes einer jährlichen Periode unterliegt, 
In einer vor kurzem publizierten Arbeit!) findet man Angaben über die 
progressive Bewegung des Wassers in der frichterförmigen nördlichen Kanal- 
mündung in den Jahresperioden 1898/99 und 1890/94. Es wird gezeigt: 
a) daß die resultierende Wasserbewegung immer gegen N und NO 
gerichtet ist, 
b) daß diese Bewegung nicht durch die lokalen Winde verursacht wird, 
c) daß bei den südlichsten Leuchtschiffen »Nord-Hinder« (vierjährige 
Observationen) und »Schouwenbank« die Wasserbewegung rascher ist im 
Herbst als im Frühling. So wurden gefunden in den Jahren 1890/94 bei 
»Nord-Hinder« (in der Mitte des nördlichen Kanaltrichters) als Mittelzahlen 
von mehr als 42 000 Beobachtungen: 
Richtung im Mittel jährlich N 21°O., 
Geschwindigkeit im Mittel in August/Februar = 2.17 cm per Sek. 
« « März/Juli = 1,38 « « « 
Das Minimum fiel in den März (= 0.75 cm per Sek.) und in den Mai 
=— 0.95 cm per Sek. Bei »Schouwenbank« fiel das Maximum der Strom- 
geschwindigkeit in Dezember und Januar, das Minimum in Juni/Juli.”) Der 
Kanalstrom, d. h. die Zunge von atlantischem Wasser, welche durch die Straße 
bei Dover in die östliche trichterförmige Kanalmündung eintritt, hat also seine 
Flutperiode in den Herbstmonaten. Die Randgewässer entlang der holländischen 
Küste zeigen eine andere entgegengesetzte Periode. 
Von den atlantischen Stromzweigen des Norwegischen Meeres kommen 
hier nur in Betracht diejenigen des Barentsmeeres und der Nordsee. Letzterer 
dringt über das nördliche Nordseeplateau durch die Norwegische Rinne in 
das Skagerrak hinein als ein Unterstrom, welcher die große Tiefmulde von 
Skagerrak vom Boden in 640 m Tiefe bis 60 bis 150 m von der Oberfläche 
mit Wasser atlantischer Herkunft ausfüllt. Oberhalb dieser mächtigen Boden- 
schicht findet man Randgewässer von kleinerem Salzgehalt (34, 33, 32°%,) und 
zu alleroberst eine relativ dünne Schicht von Wasser, welches dem sogenannten 
Baltischen Strom angehört. Alle diese Wasserlagen haben äußerst charakte- 
ristische Eigenschaften in Hinsicht auf Salzgehalt, Temperatur, Gas- und 
Planktongehalt und haben eine sehr stabile Schichtung, welche durch große 
Unterschiede in ihrer Dichte bedingt wird. Die Niveaus der verschiedenen 
il I. P. van Stok. Etudes des phe&nomenes de marce sur les cötes Neerlandais. 
K. Nederlandsch Meteorol. Inst. No. 90, p. 59. 
2) Dagegen zeigen die Observationen der Leuchtschiffe »Maas« und »Haaks«, welche näher 
an der holländischen Küste, oder wie Terschelling nördlicher, also in der Nordsee, verankert sind, 
eine andere Stromrichtung und entgegengesetzte jährliche Variation in der Stromgeschwindigkeit. 
welche dem Einfluß des Flußwassers auf die Randgewässer zuzuschreiben ist.
	        
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