Meinardus, W.: Periodische Schwankungen der Eistrift bei Island. 1583
Je früher das Eis erscheint, desto länger pflegt es durchschnittlich: zu
verweilen, Es zeigen sich aber auch hier große Abweichungen von den Mittel-
werten in den einzelnen Jahrgängen,
. Über die Dauer des Eisvorkommens bei Island in den verschiedenen
Jahren des 19. Jahrhunderts orientiert folgende Übersicht:
Tabelle IV. Dauer der Eissaison.
0 | 0—1 | 1—2 | 2—3 | 3—4 | 4—5 | 5—6 | 6—7 | 7—8
Mittlere
Dauer
180150 | 14 10 / 9 3 ' 3 4 | 5 | .2 | 0 1,9
51—1900 | 6 | 8 1019 4 7 37 0 13 25
1801—1900 | 20 | 18 | 19 | 22 | 21 3] 22
Im Mittel aller Jahrgänge bleibt das Eis an den Küsten Islands 2 Monate
und 4 Tage sichtbar, im Mittel der 80 Jahrgänge, in‘ denen Eis. auftrat,
2 Monate 20 Tage.
Das Eisvorkommen bei Island ist also in der Regel von kurzer Dauer,
In nicht weniger als 20 Jahren blieben in dem betrachteten hundertjährigen
Zeitraum die Küsten Islands überhaupt eisfrei, davon entfielen allerdings 14
auf die erste und nur 6 auf die zweite Hälfte des Jahrhunderts, Diese Er-
scheinung sowie das relative Überwiegen kürzerer Eisjahre in der ersten
Periode sind ein Ausdruck für die merkwürdige Epoche aufeinanderfolgender
eisarmer und eisfreier Jahre in den 40er Jahren, über die weiter unten
näheres mitgeteilt werden soll.
In 69 Fällen beschränkt sich die Eistrift auf höchstens ein Vierteljahr,
in 24 Fällen, also durchschnittlich in jedem vierten Jahr, hatte sie eine Dauer
von mehr als 4 Monaten, Bemerkenswert ist,. daß das Eis häufiger 4 bis 5
oder 5 bis 6 Monate verweilt als 3 bis 4. Es gibt sich darin neben dem Vor-
walten eisarmer und eisfreier Jahre eine gewisse Tendenz zu länger dauernder
Eisbesetzung zu erkennen, Die Eisverhältnisse Islands bewegen sich
in Extremen., Diese Betrachtungen führen zu einer näheren Untersuchung
der Schwankungen des Eischarakters von Jahr zu Jahr hinüber,
b. Mehrjährige Perioden der Eistrift bei Island,
Die zahlenmäßige Bewertung des Eischarakters jedes einzelnen Jahres,
welche notwendig ist, um eine Untersuchung über die Schwankungen dieses
Elements durchzuführen, wurde auf folgende Weise vorgenommen, Nach den
oben erwähnten Quellenwerken ließ sich zunächst mit hinreichender Genauigkeit
die Dauer der Eissaison für jedes Jahr feststellen, Dabei wurde als Zeiteinheit
!/;, Monat eingeführt, wodurch es erreicht ist, daß als Maß für die »Eisdauer«
nur ganze Zahlen auftreten. Diese -lassen sich durch Division mit 8 ohne
weiteres auf Monate reduzieren, !)
Die nachfolgende Tabelle V a) gibt die Dauer des Eisvorkommens bei
Island für alle Jahre von 1791 bis 1904 an. Die Werte für 1791—99 sind kursiv
gedruckt, da Thoroddsen für diese, wie für frühere Jahre die Eisdauer nur
durch wenige Worte charakterisiert, so daß sie nicht so genau zu ermitteln
war, wie aus der graphischen Darstellung der Eisverhältnisse des 19. Jahr-
hunderts. Die Zahlen dieser Tabelle sind auf Tafel 7 durch .Ordinaten
repräsentiert, die durch den mit E bezeichneten fortlaufenden Linienzug ver-
bunden sind.
i) Daß als Zeiteinheit grade !/, Monat gewählt wurde, hat seinen Grund lediglich darin,
daß in der graphischen Übersicht Thoroddsens die Länge eines Monats durch 8 mm ausgedrückt
ist. Dieses Maß wurde dann auch für die späteren Jahre 1884-—1904 beibehalten.