152 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April 1906.
das Datum des ersten Erscheinens von Eis den oben angeführten Quellen-
werken entnommen, Dabei wurde zugleich auf die Dauer und Schwere der
Eissaison Rücksicht genommen, um deren etwaige Beziehungen zum Anfangs-
termin nachzuweisen.
Im Mittel aller Jahre zeigt sich das erste Eis bei Island am 3. März,
Dieses mittlere Datum hat jedoch keine besondere Bedeutung, da es
sich als Mittelwert aus sehr weit voneinander abweichenden Einzelwerten dar-
stellt. Die Eissaison begann nämlich in manchen Jahren schon im Dezember,
in anderen erst im Juni, Juli oder August. Im Verlauf des 19. Jahrhunderts
blieb Weihnachten der früheste Termin der Eissichtung, und zwar in den
Jahren 1856, 1880, 1887 und 1891. Noch früher, bereits um Mitte De-
zember 1901, wurde das letzte schwere Eisjahr 1902 durch Erscheinen von Eis
angekündigt, es ist dies der früheste Termin, von dem die. vorliegenden
Berichte zeugen. Andrerseits war der späteste Termin, an dem noch Eis zu
erscheinen begann, der 23. August im Jahre 1818. Der Beginn der Eissaison
schwankt demnach in den extremsten Fällen um 8 Monate. Aber auch diese
absoluten Extreme haben nur eine beschränkte Bedeutung, da sie mehr von
Zufälligkeiten abhängen und durch aufmerksame Beobachtung in Zukunft
wohl noch weiter hinausgerückt werden dürften.
Ein klareres Bild erhält man durch folgende Übersicht, welche die Zahl
der Fälle angibt, in denen der Beginn der Eissaison auf die einzelnen Monate
des Jahres fiel. Dabei sind die Jahre hinsichtlich der Dauer der Eistrift
unterschieden nach drei Kategorien, je nachdem das Eis kürzer als 2 Monate,
2 bis 5 Monate oder länger als 5 Monate auftrat (vgl. auch das Diagramm
auf Tafel 6).
Tabelle III. Beginn der Eissaison (1801—1900).
Dauer
XNIL I. IL... II. IV. V. VL VL TI
= Zahl {| Mittleres
der Jahre Datum
< 2 Monate 0 ‘ 5 10 26. 11.
2—5 | 1 10 5 7 18, IL
> 5 « 3 5 } 4 28, I.
Alle Kisjahre | 4 | 22 al ı $ 1, 797) | 8. DIL
Die Zusammenstellung lehrt folgendes:
il. Der Beginn der Eissaison bei Island fällt am häufigsten auf
Januar und März; mehr als die Hälfte aller Eisjahre hatten ihren Anfang
in einem dieser Monate, Der Februar kommt viel seltener, etwa nur halb so
oft, als Anfangsmonat vor. Bei einer weitergehenden Analyse zeigt sich, daß
die beiden Häufigkeitsmaxima im Januar und März durch ein ausgeprägtes
Minimum in der zweiten Hälfte des Februar getrennt sind, da auf diese Zeit
nur vier Fälle kommen. Nach Ablauf des Monats März wird die Wahrschein-
lichkeit, daß noch eine Eissaison beginnt, immer geringer. Zugleich muß sich
naturgemäß die Dauer der letzteren immer mehr verkürzen, denn im Spät-
sommer pflegt das letzte Eis zu verschwinden.
2. Eisjahre von kurzer Dauer können in allen Monaten von Januar bis
August beginnen, mittlere zwischen Dezember und April, während die lang-
dauernden Eisbesetzungen mit Dezember, Januar und März (seltener im
Februar) ihren Anfang nehmen. Somit verschiebt sich auch der mittlere
Termin des Beginns von Ende März auf Ende Januar.
Die umgekehrte Fragestellung nach der Dauer des Eisvorkommens bei
gegebenem Anfangstermin beantwortet folgende Reihe.
Beginn der Eissaison im XIL IL. HL IV. V. VL VYIL WVHL
Dauer in Monaten öl, 31 22h 20 200 DE 1,
A
ı) Für das Jahr 1826 war der Beginn der KEistrift nicht festzustellen. Thoroddsen läßt
dies Jahr eisfrei sein, während Irminger im Mai Eis an der Südküste Islands bemerkt hat.
20) Jahre waren im 19. Jahrhundert eisfrei.