accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 34 (1906)

Die Forschungsreise S. M, S. »Planet«. 
147 
Instrumente zu erproben, Weiterhin sollte aber diese Fahrt ein Prüfstein für 
die Seeeigenschaften des Schiffes sein. Nachdem sich der Präses der Schiffs- 
prüfungskommission, Kapitän z. S. Wallmann, eingeschifft hatte, wurde der 
norwegischen Rinne auf dem Wege durch den Großen Belt zugesteuert. Das 
Schiff hatte mit schweren Gegenwinden zu kämpfen, verlor dabei aber ver- 
hältnismäßig wenig an Fahrt, Bei Skagen klarte das Wetter auf, so daß die 
Lotmaschinen und Heißtrommel in Tätigkeit gesetzt werden konnten.‘ Auch 
hier bestätigte der Versuch die Zweckmäßigkeit der Anordnung. Nur kleine 
Abänderungen wurden für notwendig erachtet. Auf der Fahrt durch die 
Nordsee frischten Wind und Wetter wieder auf, so daß dem Schiff Gelegenheit 
gegeben war, seine Seeeigenschaften nachzuweisen, FErhebliche Bedenken 
waren nach dieser Richtung hin geltend gemacht worden. Die Freibordhöhe 
(3.6 m) wurde im Verhältnis zum Tiefgang (3.3 m) als zu hoch bemängelt, 
ebenso die Aufbauten, Die Maschinenleistung endlich sollte eine zu geringe 
sein. Den Konstrukteuren waren jene Schwächen nicht unbekannt gewesen, 
sie konnten aber nicht als ausschlaggebende Mängel gelten. Man mußte sie 
mit in den Kauf nehmen, um sonstige notwendige Anforderungen erfüllen zu 
können, Durch die große Freibordhöhe wurden einmal sehr luftige Wohn- 
räume geschaffen und anderseits wurde die unerläßliche hohe Aufstellung der 
Phototheodolite erzielt, Eine größere Maschinenleistung wäre fernerhin ohne 
Beschränkung der Unterkunftsräume nur durch eine Deplacementsvergrößerung 
zu erreichen gewesen, Darin lag wiederum insofern ein Nachteil, als mit 
650 Tonnen bereits die obere Grenze für ein Schiff erreicht ist, das selbst an 
den Lotungsarbeiten teilnehmen soll, Ganz besondere Vorteile wird endlich 
gerade bei diesen Arbeiten erfahrungsgemäß der geringe Tiefgang bieten. 
Die Probefahrt ergab nun folgendes: Das Schiff ist steif, es ist für an- 
laufende See günstig gebaut und hat, abgesehen von dem etwas schnellen 
Stampfen, angenehme Bewegungen, Auch auf See muß es als ein gutes Wohn- 
schiff bezeichnet werden. »Planet« treibt nicht nennenswert mehr als andere 
Schiffe von gleicher Größe und verliert auch nicht mehr an Geschwindigkeit 
bei Wind gegenan als diese. 
Das Resultat dieser Fahrt war also wiederum ein sehr günstiges. Es 
konnte darum des weiteren mit der Erprobung der Einrichtung für stereo- 
photogrammetrische Aufnahmen begonnen werden, Diese Versuche hielten 
das Schiff noch bis zum 20. Januar in Kiel fest. Dann wurde die Ausreise, 
die bisher programmäßig verlaufen ist, angetreten, 
Es wird beabsichtigt, das Beobachtungsmaterial an Bord in erster Linie 
zu sammeln und zu sichten, während an die Bearbeitung erst nach Rückkehr 
des Stabes in die Heimat gedacht werden kann. 
Bisher hat »Planet« Lissabon, St.. Vincent, (Cap Verdische . Inseln) 
Freetown und St. Helena angelaufen, Der Weg nach dem Endziel Matupi 
führt weiter über Kapstadt, St. Marie (Madagaskar), Port Louis (Mauritius), 
Colombo, Padang, Batavia, Makassar und Amboina. Das Schiff soll nicht auf 
den ‘direkten Verbindungswegen steuern, sondern nach Möglichkeit . un- 
erforschtes Gebiet aufsuchen. Mit der Ankunft in Matupi kann voraussichtlich 
im Monat September gerechnet werden, Anschließend an eine etwa vier- 
monatliche Vermessungstätigkeit im deutschen Schutzgebiet der Südsee, treten 
neue wissenschaftliche Aufgaben an das Schiffskommando heran. S. M. S. 
»Planet« soll dann eine Rundfahrt nach den Karolinen, Marianen und 
Philippinen zur Ausführung bringen. Neben der Lösung wichtiger, meteoro- 
logischer Aufgaben, die überhaupt im Vordergrunde der: Expedition stehen, 
dürften gerade auf dieser Fahrt die Ergebnisse der Tieflotungen von größtem 
Interesse sein, insofern die grabenförmigen, sehr tiefen Einsenkungen an der 
Ostküste der Philippinen und Marianen untersucht werden sollen. Im An- 
schluß an diese Fahrt wird das Schiff wieder in den Dienst der Vermessung 
gestellt werden. Auch dabei gilt es neue Methoden zu erproben, da das 
stereophotogrammetrische Verfahren bei den Küstenaufnahmen zur Verwendung 
kommen. soll. —dt.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.