Ann. d. Hydr. .usw., XXXIV. Jahrg. (1906), Heft IV.
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Die Forschungsreise $. M. S. „Planet“. *
T. Allgemeines, _
Im Anfange des Jahres 1905 wurde S. M. S. »Planet« bei der Weser-
werft in Bremen in Bau gegeben mit der Bestimmung, späterhin als Ersatz
für die in der Südsee mit Küstenvermessung beauftragte »Möwe« zu dienen.
Gefordert war innerhalb der verfügbaren Mittel von 450 000 Mark ein gutes
Seeschiff von guter Stabilität und guten Seeeigenschaften. Besonderer Wert
sollte bei dem Entwurf der Pläne mit Rücksicht darauf, daß das Schiff für
den Vermessungsdienst in den Tropen vorgesehen war, auf die Schaffung
luftiger Arbeits- und. Wohnräume gelegt werden, Der Erfüllung dieser Be-
dingungen standen große Schwierigkeiten nicht entgegen, da, abgesehen von
der Unterbringung von Maschinen, Kesseln, Kohlen und Proviant, fast aller
Raum für die angedeuteten Zwecke verfügbar war. Die Armierung sowie der
Munitionsetat wurden sehr knapp bemessen. Gerade genügend, um im Verein
mit den Handwaffen bedrohten Europäerniederlassungen im Küstengebiet den
nötigen Schutz gewähren zu können. Neben drei 3.7 cm Revolverkanonen
bilden zwei 8 mm Maschinengewehre die Bestückung, währenddem das in der
Kaiserlichen Marine eingeführte Gewehr Modell 98 auch der Planetbesatzung
mitgegeben wurde. .
Die nach den angedeuteten Gesichtspunkten entworfenen Pläne ergaben
folgende Dimensionen: Deplacement 650 Tonnen, Länge 49 m, Breite 9,8 m,
Tiefgang 3.3 m. Um die Manövrierfähigkeit mit Rücksicht auf die Ver-
wendung im Vermessungsdienst zu erhöhen, wurden zwei Maschinen vor-
gesehen, die zusammen 360 Pferdekräfte indizieren und dem Schiffe eine
Geschwindigkeit. von 9.5 Sm (erreicht wurden im Maximum 10.5 Sm) verleihen
sollten. Bei einem Kohlenfassungsvermögen von 125 Tonnen (außerdem
können 10 Tonnen Petroleum untergebracht werden) wird »Planet« bei 7 Sm
Geschwindigkeit einen Aktionsradius von 3700 Sm, bei 9.5 Sm Geschwindigkeit
einen solchen von 2400 Sm erreichen. Der Besatzungsetat verzeichnet neben
dem Kommandanten, einem Ersten- und zwei Wachoffizieren einen ÖOber-
assistenzarzt, einen Oberzahlmeister, vier Deckoffiziere sowie 81 Unteroffiziere;
Matrosen und Heizer.
Die Aufgaben, die dem Schiff für die Ausreise gestellt wurden, liegen
auf dem Gebiet der Meteorologie und Ozeanographie:, In erster Linie gilt es
näheres über die Verhältnisse der Hochatmosphäre in den Roßbreiten, den
Passat- und Kalmenzonen, zu erfahren. Den Ergebnissen dieser Untersuchungen
wird mit besonderem Interesse entgegengesehen, da aus den Ballonaufstiegen,
die sowohl der Straßburger Prof. Hergesell, als auch die Franzosen Clayton
und Maurice in der Passatzone des Nordatlantik ausführten, hervorgeht, daß
sich der Luftaustausch zwischen dem Aquator und den Roßbreiten durchaus
nicht in der gesetzmäßigen Form des bekannten Zirkulationsschemas voll-
zieht... — Zu den ozeanographischen Arbeiten gehören Tieflotungen und
Temperaturmessungen, Fernerhin sollen Grundproben aufgeholt und unter-
sucht, sowie Salzgehaltsbestimmungen vorgenommen werden, Die Aufnahme
und Ausmessung von Meereswellen mit Hilfe des stereophotogrammetrischen
Verfahrens bildet einen weiteren Teil des Programms.
Der Kommandant, Kapitänleutnant Lebahn, wird die gesamten Arbeiten
Jeiten. Mit der Lösung der meteorologischen Aufgaben hat sich insbesondere
der Oberleutnant zur See Schweppe zu befassen, währenddem die speziellen
Ozeanographischen Arbeiten dem Kapitänleutnant Mündel und Dr. Brennecke
7) In »Ann, d. Hydr. usw.« erscheint unter dieser Überschrift eine Reihe von Mitteilungen
verschiedener Verfasser, von denen die hier vorliegende die erste ist, Um die Ursprünglichkeit der
Darstellung zu wahren, hat sich die Redaktion entschlossen, keine Änderungen in den eingehenden
Handschriften vorzunehmen, wenn auch dadurch einige geringere Wiederholungen nicht. vermieden
werden sollten. D. Red.
Ann. d. Hydr. usw... 1906. Heft TV.