142 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1906.
südöstliche Winde vor, die für die Nordsee- und westliche Ostseeküste vom
Binnenlande her sehr tiefe Temperaturen bei’ teils heiterem, teils nebligem,
trockenem Wetter in Begleitung haben. Dagegen bringen der mittleren Ostsee-
küste Nordwestwinde von der Ostsee wärmeres Wetter, an einzelnen Orten
sogar Tauwetter und Niederschläge. Nur an der ostpreußischen Küste ist bei
östlichen Winden die Temperatur ziemlich tief unter dem Nullpunkt. —
Da das Maximum im Laufe des 1. weiter nach Osten vorrückt, während
die westliche Depression sich langsam ausbreitet, bildet sich aus Typus II der
Typus IV aus: Hochdruck über Osteuropa, Depressionsgebiet im Westen des
Erdteils.
Am Morgen des 2. liegt ein Maximum über 780 mm über den russischen
Ostseeprovinzen, während ein Minimum unter 740 mm westlich von Irland be-
merkbar ist. Dieses erscheint am folgenden Morgen ungeändert, dagegen ist
das Maximum unter Abnahme an Höhe etwas südlich gegangen. Der Morgen
des 4. zeigt das Maximum noch weiter südlich, so daß sich das Hochdruck-
gebiet mehr auf den Südosten des Kontinents beschränkt, das Minimum, das
an Tiefe abgenommen, noch fast auf derselben Stelle, obwohl die Depression
sich weiter ostwärts ausgebreitet hat. Die für diese Wetterlage charakte-
ristischen Merkmale sehen wir in diesen Tagen sehr scharf hervortreten. Das
Wetter ist bei meist schwachen südöstlichen Winden heiter, zunächst trocken
und sehr kalt, stellenweise neblig. Besonders der Osten weist strenge Kälte
auf (Neufahrwasser am 2. und 3. morgens — 17°), die noch am 4. herrscht,
während an diesem Tage mit dem tieferen Eindringen der westlichen Depression
an der Nordseeküste schon Tauwetter eingetreten ist. —
Schnelles Steigen des Barometers während des Nachmittags des 4. und
gleichzeitiges Fallen über den östlicheren Gegenden kündet ein Fortschreiten
des bis dahin südwestlich von Irland gelegenen Tiefs und einen Umschwung
der ganzen Wetterlage an. — Am Morgen des 5. finden wir einen Ausläufer
der nordostwärts weitergegangenen Depression über der Nordsee, während das
Hochdruckgebiet ganz nach dem Südosten zurückgewichen ist. Mit Ausnahme
der ostdeutschen Küste, die bei östlichen, aus dem Innern Rußlands kalte Luft
bringenden schwachen Winden noch ziemlich heiteres Frostwetter hat, herrscht
an der deutschen Küste überall Tauwetter, an der Nordsee mit Regenfällen.
Dem Ausläufer der Depression, der bis zum Morgen des 6. nach dem Ostsee-
gebiet fortgeschritten ist, folgt am Abend des 5, ein zweiter von Westen her,
der am 6. morgens ein Minimum unter 740 mm über England aufweist, Dieses
Minimum liegt am 7. über Jütland; in seinem Rücken ist hoher Druck ost-
wärts vorgedrungen, Den höchsten Barometerstand (über 770 mm) zeigt ein
von den Azoren bis Spanien reichendes Gebiet. Fast ganz Nord- und Mittel-
europa steht unter dem Einfluß der nördlichen Depression. — Die Wetterlage
geht allmählich in den Typus V über, der sich bis zum 19. mit geringen
Typus HI. Hochdruckgebiet über Zentraleuropa, insbesondere über Deutschland, Depressionen erst
in größerer Entfernung (Strahlungstypus). Diese Wetterlage zeichnet sich aus durch schwachen
und veränderlichen Wind, vielfach heitere oder neblige Witterung, geringe Niederschläge und
Temperaturverhältnisss, die der Strahlung entsprechen, d. h. im Sommer bis zum September
‘Altweiber-Sommer) sonnige und warme Tage, verbunden mit Trockenheit, welche zuweilen zu
Dürrperioden sich steigert, im Winter und Herbst Nebel und Kälte, im Spätfrühling und Früh-
herbst bei klaren Nächten öfters Nachtfrost und Reif, besonders, wenn Typus I vorhergeht.
Typus III. Hochdruckgebiet über Nord- und Nordosteuropa, Depressionen auf der Südseite dieses
Gebietes (am häufigsten über dem Mittelmeergebiete oder über der Biscayasee). Es wehen Ööst-
liche und nordöstliche Winde, Landwinde, deren Ursprung zu beachten ist, ob dieser eine mehr
nördliche oder südliche Lage hat, im Winter kalt, im Sommer warm. Das Wetter ist meist
trocken, im Winter vorwiegend trübe, im Sommer und Frühling vorwiegend heiter. Dieser
Typus ist am häufigsten im Winter, dann Begleiter strenger Winterkälte,
Typus IV. Hochdruckgebiet über Osteuropa, Depressionen im Westen des Erdteils. Bei südlichen
und südöstlichen Winden, im Winter kalt, besonders im Januar und Februar, sonst warm, im
Sommer große Gewitterhäufigkeit.
Typus V. Hochdruckgebiet über Südeuropa, Depressionen über nördlicher gelegenen Gegenden.
Häufigster Wettertrpus. Lebhafte südwestliche und westliche Winde (letztere böig), die sich
nicht selten zum Sturm steigern, besonders häufig an der westdeutschen Küste, wenn der Luft-
druck über Frankreich am höchsten ist. Im Sommer im Verein mit Typus I nicht selten
länger anhaltend naßkühles Wetter, andrerseits im Winter feuchtwarme Witterung.