Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Januar 1906.
des Salzgehaltes und der Dichte des Meerwassers aus den entferntesten Teilen
des Untersuchungsgebietes, z. B. von dem Barentsmeer, dem Skagerrak und
dem Englischen Kanal innerhalb so enger Grenzen wie 2 bis 3 Hunderttausendteile
sicher und unter sich vergleichbar werden;
zweitens: eine generelle und praktische Methode zur mathematischen
Berechnung der Wasserzirkulation im Meere aus dem ungeheuer großen Beobachtungsmaterial.
Diese Bedingung ist erfüllt durch die von W, Bjerknes
entwickelte hydrodynamische Theorie, welche schon Anwendung auf allen
bisher untersuchten Meeresgebieten gefunden hat.
Ausgerüstet mit solchen Hilfsmitteln hatte die internationale Meeresforschung
von Juli 1902 bis Juli 1904 gewirkt, und ein Gesamtbericht über
die Organisation und die Resultate der Arbeit der beiden ersten Jahre sollte
erscheinen. Da es dabei jedem Teilnehmer frei stand, seinen Beitrag als
Anlage in der Form eines kurzen Aufsatzes einzuliefern, habe ich mein Augenmerk
auf die hydrographische Hauptfrage, nämlich die jährliche Periodizität
gerichtet in der Absicht, die Aufmerksamkeit meiner Mitarbeiter auf die bedeutungsvollen
Anzeichen einer solchen Periode, welche bei einer Durchsicht
des Gesamtmaterials hervortreten, zu richten. Ich äußerte Seite X der Einleitung
der erwähnten Anlage:!) .
»Natürlicherweise ist eine Beobachtungszeit von zwei Jahren unzureichend,
um diese Frage zu entscheiden. Wenn man aber .die vor dem
Anfang der internationalen Untersuchungen gemachten Vorarbeiten, welche
einen Zeitraum von mehr als 10 Jahren umfassen, und die die Schwankungen
in der Wasserzirkulation des Meeres begleitenden Erscheinungen, welche
deutlich eine jährliche Periode hervortreten lassen, in Betracht zieht, so gewinnen
die Indizien, welche anzeigen, daß das atlantische Wasser eine Anschwellungszeit
im Herbst und eine Ebbeperiode im Frühjahr hat, immer
mehr Gewicht.«
Ich zeigte, daß eine große Gruppe von Erscheinungen mit den hydrographischen
Schwankungen korrespondierende Variationen zeigen. Die wichtigsten
dieser Erscheinungen sind:
die meteorologischen (Luftdruck und Lufttemperatur),
die plankton-biologischen (Auftreten der verschiedenen Planktongattungen),
die Fischwanderungen,
Betreffs der hydrographischen Schwankungen hatte ich gefunden, daß
die äußersten östlichen Verzweigungen des Atlantischen Stromes im Barentsmeer
und im Skagerrak und Kattegat sich am besten eignen für die Untersuchung
der jährlichen Periodizität in der Wasser- und Wärmeführung des
Atlantischen Stromes, erstens, weil diese Meere zu den in hydrographischer
Beziehung am längsten und am besten untersuchten gehören, und zweitens,
weil die Veränderungen der äußersten Ausläufer des Stromes, welche hier
endigen, am leichtesten zu beobachten sind, da das atlantische Wasser hier
zeitweise auftritt oder ganz verschwindet und von Wasser anderen Ursprungs
ersetzt wird.
Bei derartigen Untersuchungen muß man in erster Linie unterscheiden
zwischen dem Wasser von atlantischer Herkunft und dem Bank- und Küstenwasser
der östlichen und westlichen Randgebiete unserer Meere, In diesem
Aufsatz wird weder von dem westlichen Randwasser (des Polarstromes) noch
von, dem Bodenwasser des Norwegischen Meeres die Rede sein, sondern wir
haben lediglich die Schwankungen in dem Atlantischen Strome selbst und
in den Gewässern seines östlichen Randgebietes oder »der kontinentalen
Randfurche« zu betrachten. Ich mache noch eine andere Beschränkung,
indem ich die höchst wichtigen unperiodischen Schwankungen hier nur vorübergehend
bespreche und, auf den Inhalt der Spezialabhandlungen”) hin->
(jeneralbericht, Anlage A.
3 O. Pettersson., Über die Wahrscheinlichkeit von periodischen und unperiodischen
Schwankungen in dem Atlantischen Strom. Svenska Hrdrografisk-Biologiska Kommissionens
skrifter II. 1905.