126 - Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1906.
sich nur selten Fälle finden, wo man zu anderen Hilfsmitteln greifen müsse.
Immerhin bestände kein Zweifel, daß eine Methode des Absuchens an Stelle
der mehr oder minder großen Wahrscheinlichkeit, daß Klippen nicht unentdeckt
geblieben wären, die Sicherheit setzen würde. Er würde daher jede Ab-
suchmethode, die die breite Front gewährleistete, begrüßen. Die von dem
Vortragenden in Vorschlag gebrachte Lotscheitmethode scheine ihm keine
sehr praktische Lösung der Aufgabe zu.sein. Über das Absuchen mittels der
»Otters« könne er sich kein Urteil erlauben,
Admiral Moove betont, daß eine große Zahl von Schiffsverlusten wohl
auf Fehler in den Karten zurückgeführt würden, daß diese Klagen aber sehr
wenig stichhaltig wären, Er glaubt nicht, daß das Absuchen mittels der Lot-
maschine von James unter Verwendung von Lotscheiten gelingen würde, und
hält diese Methode für ganz unnütz. Er will zum Absuchen eine gewöhnliche
Submarine Sentry achtern benutzen. Im übrigen sei die ganze Frage,
den Karten eine mehr oder minder große Zuverlässigkeit zu geben,
eine Frage der pounds, shillings und pence. Im allgemeinen nehme
eine Vermessung namentlich in Gewässern, wo Strom laufe, im Maß-
stabe von 10 Zoll auf die Meile zehnmal soviel Zeit weg als jene
von 1 Zoll auf die Meile. Wenn’ die Regierung bereit sei, für Ver-
messungszwecke den zehnfachen Betrag des bisherigen zu bewilligen,
so bezweifle er nicht, daß man jedes Gewässer, wo es auch immer
sei, im Laufe von wenigen Hunderttausenden von Jahren durchaus
sichermachen könne; in dieser Periode würde aber viel Zeit ver-
loren gehen, die für die Bearbeitung sehr wichtiger, bisher nur
teilweise vermessener Gegenden nötig wäre. Ihm scheine das jetzt im
Gebrauch befindliche System das richtige zu sein, nämlich die Plätze in
großem Maßstabe zu vermessen, wo Schiffe voraussichtlich ankern würden,
sowie die Zugänge zu diesen Plätzen, und dort entsprechend auf engen
Lotungen zu bestehen.
Captain Maxwell, der Erfahrungen mit den »Otters« gemacht hat, ist
der Meinung, daß die Ausdehnung nach der Breite höchstens auf 120 Fuß
gebracht werden könne, und findet keine Möglichkeit, die untere Verbindungs-
leine auf der gerade gewünschten Tiefe zu halten. Er führt weiter aus, daß
die Kosten des Absuchens außerordentlich hohe sein würden, und bezeichnet
es endlich als großen Nachteil, daß man Drehungen mit dieser Absuch-
vorrichtung nicht ausführen könne, ohne sie einzuholen.
Rear-Admiral Sir W. J. Wharton betont, daß er als Hydrographer große
Schwierigkeiten darin gefunden hätte, den Maßstab für die Vermessungen fest-
zusetzen, da von dem Maßstab einer Vermessung abhänge, ob Wahrschein-
lichkeit vorhanden sei, daß Klippen unentdeckt blieben oder nicht. Er schlägt
an, daß eine Vermessung im Maßstabe 1: 25000 etwa die drei- bis vierfache
Zeit der Vermessung im Maßstab 1: 75 000 in Anspruch nehme, —
Das sollte stets berücksichtigt werden und leitend sein für die Durch-
führung einer jeden Küstenvermessung. Es ist der größte Fehler, sich bei
Anlage einer größeren Vermessung in Kleinigkeiten zu verlieren. Nicht der
kurzsichtige Detailvermesser darf dabei mitsprechen, der das Vermessen nicht
als Mittel zum Zweck, sondern als Selbstzweck betrachtet, nicht der Zeichner,
der möglichst detaillierte Aufnahmen wünscht, damit er an schönen Schicht-
linien, Schummerungen usw. seine Talente nachweisen kann, sondern der See-
offizier, der mitten in der Front steht und mit der Front lebt, der die An-
sprüche der Schiffahrt kennt und weiß, wie ihnen am besten gedient ist. Ein
gewisses Risiko muß, wie in allen Dingen, auch bei der Anlage von Ver-
messungen gelaufen werden. —dt.