Ann. d. Hydr. usw., XXXIV. Jahrg. (1906), Heft I.
Über die Wahrscheinlichkeit von periodischen Schwankungen in dem
Atlantischen Strome und seinen Randgewässern.
Von. 0, Pettersson.
(Hierzu Tafel 1.}
Seit 1898, zu welcher Zeit die Meeresforschung einen internationalen
Charakter‘ anzunehmen anfing, strebt man nicht nur, den allgemeinen Zustand
der Ozeane durch gelegentlich ausgesandte Expeditionen kennen zu lernen,
sondern auch die Veränderungen in dem hydrographischen Zustand zu
konstatieren, durch gleichzeitige systematische Beobachtungen an bestimmten
Stellen in verschiedenen Jahreszeiten. Durch das von den Konferenzen in
Stockholm 1899 und in Christiania 1901 ausgearbeitete Programm wurde diese
Methode, welche ich kurz als die synoptische bezeichnen kann, als Grund-
lage für die internationale Meeresforschung eingeführt.
Ein jeder, welcher von diesem Programm Kenntnis genommen oder
danach gearbeitet hat, muß gestehen, daß das Studium der jährlichen Ver-
änderungen des Meeres der internationalen Meeresforschung als eine Haupt-
aufgabe gestellt ist. Es heißt!) in Mom, II der ersten Abteilung A des
Programmes (Die hydrographischen Arbeiten):
»Da die hydrographischen Zustände einem jahres-
zeitlichen Wechsel unterworfen sind, welcher für die Ver-
breitung und das Gedeihen der nutzbaren Seetiere und für
den Charakter der Witterung sowie für andere meteoro-
logische Vorgänge von großer Bedeutung ist, erscheint es
erforderlich die Untersuchungen in vier typischen Monaten,
im Februar, Mai, August, November auszuführen, und zwar
an festen Punkten entlang bestimmten Linien und so gleich-
zeitig wie möglich.«
Die Feststellung der jährlichen Veränderungen des Ozeans ist ein
Problem von ungeheurem Umfang und Tragweite‘ Zur Lösung dieser und
verwandter Aufgaben wurden von den 9 vertragschließenden Ländern außer-
ordentlich große Hilfsmittel an Geld, Schiffen und wissenschaftlichen und
technischen Arbeitskräften zur Verfügung gestellt.
Es beteiligen sich an der hydrographischen und biologischen Unter-
suchung 24 wissenschaftliche Institutionen‘) und mehr als 78 Spezialisten und
bei den vierteljährlichen Terminfahrten arbeiten gleichzeitig 14 Dampfer auf
allen Teilen des Untersuchungsgebietes von der Kanalmündung bis zu den
Gestaden von Nowaja Semlja und von der Dänemarkstraße bis zum Inneren
des Bottnischen und Finländischen Meerbusens.
Die weiteren Voraussetzungen für die Ausführung einer wissenschaft-
lichen Untersuchung dieser Art waren
erstens: eine genaue Kenntnis der physikalischen und chemischen
Konstanten des Meerwassers. Diese Bedingung ist erfüllt durch die von
M. Knudsen in Kopenhagen geleitete internationale Revision des Verhältnisses
zwischen Chlorgehalt, Salzgehalt und spezifischem Gewicht von Meerwasser
verschiedener Herkunft und Konzentration, Die Benutzung der Knudsenschen
Tabellen in dem internationalen Beobachtungsdienst und die Konformität der
von den verschiedenen wissenschaftlichen Spezialkommissionen erhaltenen
Resultate ist gesichert durch die Arbeit des Zentrallaboratoriums in Christiania,
von dem Etalons von Normalwasser für die Titrierungen versandt und In-
strumente geprüft werden. Dadurch wird erreicht, daß die Bestimmungen
1) Conference internationale pour Vexploration de 1a mer. Stockholm 1899, Resolutions
textuelles pag. 2. .
2) Siehe Gesamtbericht des’ Ausschusses der internationalen Meeresforschung über die Arbeit
der Periode Juli 1902 bis Juli 1904. Rapports et proces verbaux. Vol. III. Edition allcmande,
5.7 u. £.
Ann. d. Hyvdr. usw... 1906, Heft TI.