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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 34 (1906)

Über Tiefenangaben in Seekarten. 
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Es sei hier bemerkt, daß der Abstand der Lotlinien sich nach dem 
Maßstab der Karte richtete. Dies trifft auch heute noch zu. Ein Zoll der 
Karte entspricht einer bestimmten Anzahl von Seemeilen auf. der Erde. 
Kommt auf eine Seemeile des darzustellenden Gebietes ein Zoll der Karte, so 
entspricht dies einem Maßstabe von etwa 1:75 000. Auf jeden Zoll der Karte 
entfallen auf Tiefen unter 20 Faden zumeist 4 Lotlinien. In größeren Tiefen 
erweitert sich der Linienabstand. Je größer der Maßstab also, desto dichter 
werden die Lotlinien genommen. Es ist klar, daß Vermessungen kleinen Maß- 
stabes, also z. B. von einem Zoll auf die Seemeile, im Gegensatz zu den Arbeiten 
größeren Maßstabes weit schneller und billiger durchgeführt werden können. 
So z, B. rechnet der Engländer den Zeit- und Kostenaufwand für eine Ver- 
messung im Maßstabe 1 : 10 000 um das Zehnfache höher als die Vermessung 
im Maßstabe 1: 100 000. 
»Weitschauend wurden darum«, wie Leutnant Helby weiter ausführt, »die 
Karten damals in kleinem Maßstabe herausgegeben.« — Dazu ist zu bemerken, 
daß natürlich auch in entsprechend kleinem Maßstabe vermessen wurde. Wie 
praktisch ist dies, und im Gegensatz dazu wie fehlerhaft ist es, wenn Zeit und 
Geld vergeudet werden, um eine Arbeitskarte in großem Maßstabe anzufertigen, 
die die Grundlage für eine in ganz erheblich verkleinertem Maßstabe heraus- 
zugebende Seekarte bilden soll, Erst die große Arbeit zur Ausarbeitung der 
Einzelheiten, die zusammengedrängt sich dann vollständig verwischen! — 
Die Karten in kleinem Maßstabe herauszugeben, hatte den großen Vorteil, 
daß der Schiffahrt schnell Kartenmaterial übergeben werden konnte. War 
das Kartenwerk in großen Umrissen vollendet, so konnte an die detaillierte 
Ausarbeitung gegangen werden. 
Diese allein richtige und vernünftige Entwicklung hat das englische 
Seevermessungswesen denn auch genommen, Alle Vermessungen wurden früher 
in der Regel im Maßstabe von etwa 1:75000, d. h. 1 Zoll auf die Seemeile, 
und auch noch kleiner durchgeführt, währenddem wir jetzt Vermessungen von 
Hafeneinfahrten und sehr belebten Straßen im Maßstabe von 7 bis 10 Zoll auf 
die Seemeile, also im Maßstabe von 1:10 000 bis 1: 7500 antreffen. So z.B. 
ist das ganze englische Küstengebiet im Maßstabe 1:12 500 vermessen. Bei 
der Wahl dieses Maßstabes sprach allerdings der Umstand mit, daß die 
»Ordnance Survey«, deren Vermessungen die Küstenkonturen und die Topo- 
graphie der Küste entnommen werden, in diesem Größenverhältnis ihre Auf- 
nahmen kartiert. 
Es muß erwähnt werden, daß auch jetzt noch bei sehr vielen außer- 
heimischen Vermessungen der Zoll. auf der Karte eine Seemeile und mehr 
darstellt. 
Erwägungen, die der Verfasser nicht billigen kann und die auch in der 
dem Vortrage folgenden Diskussion nicht anerkannt werden, führen weiterhin 
den Vortragenden zu folgenden Ausführungen: 
»Von Jahr zu Jahr wächst das blinde Vertrauen auf die Seekarte, 
immer mehr tritt das Lot in den Hintergrund. Welcher Dampfer verlangsamt 
noch seine Fahrt, um zu loten, solange er seine Position nach Landobjekten 
festlegen und dementsprechend die Tiefe der Karte entnehmen kann? Weiter- 
hin darf nicht verkannt werden, daß die Ansprüche an die Seekarten immer 
größere werden. Während früher die Segelschiffe aus seemännischen Gründen 
vermieden, den Küsten allzu nahe zu kommen, benutzen jetzt die Dampfer 
jede Gelegenheit, um die abzulaufende Distanz zu kürzen. Zeit ist Geld. 
Darum werden Landvorsprünge scharf gerundet, Untiefen dicht passiert usw. 
Daß eine derartige Navigierung durchaus unseemännisch ist und von jedem 
erfahrenen Praktiker auf das schärfste verurteilt wird, vermag diese Unsitte 
nicht zurückzudrängen. ‚Es muß mit den Tatsachen, mit dem blinden Ver- 
trauen auf die Karte gerechnet und darum die Frage aufgeworfen werden: 
Entsprechen die Seekarten, auch wenn die Vermessungen in großem Maßstabe 
ausgeführt sind, d. h., wenn die Lotlinien sehr eng liegen, diesen neuen An- 
sprüchen? Leutnant Helby beantwortet diese Frage verneinend und befindet 
sich insofern in Übereinstimmung mit dem hochverdienten letzten Hydro-
	        
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