122 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1906,
Wassertiefe über
Baden
MW)
1500
| 600
L400
1200
AA
„ ı Geschwindig-
Druck keiten
in m pp. Sek
OO 000
{LOT7 0.30
0.10 ' 0.64
12 | 0.92
0.75 1.77
Si he
— Wassertiefe über
Boden | Druck
mM
SOC
600
400
200
0
0.15
0.15
0.15
0.15
0.15
ı Geschwindig-
keiten
‚in m p. Sek.
1.18
1.03
0.78
0.44
0.00
Die so berechneten Geschwindigkeiten sind nun zweifelsohne nur obere
Grenzwerte. Denn jede Störung des normalen Verlaufes muß in letzter Linie
die Geschwindigkeiten herabsetzen. An erster Stelle unter solchen Störungen
stehen jene, die sich aus der Bodenkonfiguration ergeben. Sie wirken einmal
wie die Rauheiten eines jeden Kanalbettes auf die Strömung‘) und zum andern
dadurch, daß die Niveauflächen, die sich aus der Temperaturverteilung allein
als fast horizontale Ebenen ergeben würden, in gekrümmte Flächen deformiert
werden. Außerdem besteht mindestens die Möglichkeit, daß die Strömung
nicht ausschließlich in der Richtung des Druckgefälles erfolgt, sondern daß
Wirbel entstehen, wie dies Osb. Reynolds®) für weite Röhren nachgewiesen
hat. Aber selbst, wenn die hierdurch eintretenden Energieverluste die
Strömungen auf !/, oder !/,„ des oben berechneten Betrages herabsetzen
würden, so wären die dann noch übrig bleibenden Geschwindigkeiten von einer
Größe, daß man an ihnen nicht achtlos vorbei wird gehen dürfen. Man wird
sie um so eher berücksichtigen müssen, als man ja nunmehr in der Lage ist,
Tiefenströmungen von geringem Betrag mit hinreichender Sicherheit zu
bestimmen.
Über Tiefenangaben in Seekarten.
In einem Vortrage, gehalten vor der Royal United Institution,*) behandelte
der Leutnant Helby R. M. das Thema: »Die englischen Admiralitätskarten in
bezug auf die darin enthaltenen Tiefenangaben«.
In interessanter Weise beleuchtet er historisch die Entstehung des groß-
artigen englischen Seekartenwerkes, Er führt an, daß im 16. Jahrhundert
gedruckte Seekarten erschienen, die jedoch nur die Küstenkonturen in roher,
zum Teil frei erfundener Weise verzeichneten. Der Seeraum war mit Bildern
von Schiffen, Delphinen, Eingeborenen und anderen Kuriositäten bedeckt. Es
kam nur darauf an, den richtigen Kurs und die Distanz von Hafen zu Hafen
zu geben. Tiefenangaben fehlten vollständig. Bald wurde mehr Wert auf
die Richtigkeit der geographischen Positionen gelegt; die bekannten Untiefen
und Riffe fanden in den Karten Aufnahme. — Den größten Aufschwung
erlebte das Seevermessungswesen zu Anfang des 18. Jahrhunderts. Systematische
Triangulationen wurden durchgeführt, die Küstenlinien scharf festgelegt und
größeres Augenmerk auf die Angabe von Untiefen in der Karte gelegt. Diese
Fortschritte sind dem Admiral Sir Francis Beaufort zu verdanken. Doch
noch waren die Tiefenangaben selbst für damalige Zeiten, selbst für flach-
gehende Schiffe zu spärlich. Erhebliche Fortschritte in dieser Richtung
wurden erst in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts gemacht, sie
sind der Einführung der Dampfmaschinen auf Schiffen und Booten zu verdanken,
Die Gewässer wurden systematisch ausgelotet, indem die Boote auf Kurse
fuhren, die senkrecht zur Küste lagen.
!') Ed. Hagenbach .hat für den sich hierdurch ergebenden Widerstand die Bezeichnung
‚Erschütterungswiderstand« eingeführt. Vgl. Annalen der Physik und Chemie 109, S. 402, 1860.
2) Phil. Trans. Lond. Roy. Soc. 174 S. 936, 1883.
3 Journ. of the Roy. Umit, Nerv. Inst. 15% August 1905.