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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 34 (1906)

Die Witterung zu Tsingtau im Juni, Juli und August 1905 usw. 
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Erwähnenswert ist eine Wettererscheinung, welche sich am Nachmittag 
des 6. vollzog. Hierüber wurden folgende Aufzeichnungen gemacht: 
Gegen 12b 45min N, schlief der Wind, welcher vorher frisch aus SO 
geweht hatte, ein. Er setzte dann um 12% 58min N, plötzlich mit Stärke 5 bis 6 
aus NNO wieder ein, drehte, noch etwas an Stärke zunehmend, langsam über 
O nach SO und wehte um 1% 40min, schon wieder etwas an Stärke nachlassend, 
aus letzterer Richtung, 
Hiernach hat sich anscheinend ein barometrisches Minimum in geringer 
Entfernung südlich von Tsingtau in westnordwestlicher Richtung vorbeibewegt. 
Um 22 35min war der Wind S Stärke 3, um 2% 45 wieder SO Stärke 4 bis 5. 
Juli 1905. Der Monat Juli wies eine durchschnittliche Tagestemperatur 
von 23.0° auf. Ihre täglichen Änderungen sind gering. Gegen Schluß des 
Monats steigt die Temperatur allmählich an. 
Die höchste Temperatur wurde am Mittag des 25. mit 30.4°, die niedrigste, 
16.0°, in der Nacht vom 19. zum 20. notiert; die Amplitude des Monats betrug 
mithin 14.4°. 
An 22 Tagen (Sommertagen) erreichte das Maximum-Thermometer einen 
Stand von 25°C, und darüber, 
Folgende entsprechende Daten wurden im selben Monat früherer Beob- 
achtungsjahre festgestellt. 
1898 mittlere Tagestemperatur 24.6°, Maximum 29.5°, Minimum 19.99, 
1899 25.1°, 32.69, L6.4°, 
1900 24.19, 32,30, 9,70, 
1901 23.49, 29.80, 9,59, 
1902 28.19, « 32.09, 14.59, 
1903 23.3°, « 29.59, * 16.99, 
1904 23.3°. “ 29.20, « 19.09. 
Die Bewölkung des Himmels war namentlich in den beiden ersten 
Dritteln des Monats sehr groß, sie machte im Durchschnitt 7.3 Zehntel aus; 
die Anzahl der trüben Tage (14) war denn auch entsprechend groß, dagegen 
wurde nur ein einziger heiterer Tag gezählt. 
Die Sonnenscheindauer, festgestellt mit Hilfe eines Campbell- 
Stokesschen Sonnenscheinautographen, betrug im Monat 137.4 Stunden, das 
sind ungefähr 33,7%, der im Monat überhaupt registrierbaren. 
Die Feuchtigkeit der Luft war eine sehr große; sie betrug im Durch- 
schnitt während des Monats 89°, und erreichte namentlich im ersten Drittel 
während der häufigen sehr dichten Nebel fast immer, selbst in den Mittags- 
stunden, nahezu 100°. 
So waren denn auch die Niederschläge ziemlich bedeutend, sie erreichten 
an 18 regnerischen Tagen eine Höhe von 249.6 mm. Am Morgen des 9. wurde 
die bisher größte Niederschlagsmenge in einer Stunde, nämlich 39.8 mm, beob- 
achtet. Das Wasser stürzte gießbachartig von den Bergen, sämtliche Stau- 
weiher füllend und zum Übertreten zwingend. 
Ein beträchtlicher Teil der Regenmenge fiel bei den häufigen Gewittern, 
die meist in den Nacht- oder an frühen Morgenstunden mit großer Gewalt 
über Tsingtau und Umgebung zur Entladung kamen. 
Größere Blitzschäden kamen zwar nicht vor, Störungen in den elektrischen 
Licht- und Fernsprechanlagen &onnten bald wieder beseitigt werden; an der 
Fernsprechanlage nach Schatzeköu mußten einige durch Blitzschlag zerstörte 
Stangen ersetzt werden. Der Weg, den die Gewitter nahmen, war fast immer, 
entgegen der herrschenden Windrichtung, von NW nach SO gerichtet. 
Die vorherrschende Windrichtung im Monat war SO; die Windstärke 
betrug im Durchschnitt 2.3 Grade der Beaufort-Skala, 
Am Abend des 24, sprang der Wind um 8% 45" plötzlich von SO nach 
N um, wurde böig und erreichte in der Nacht während kürzerer Zeiträume 
volle Sturmstärke. Am nächsten Morgen war er wieder zur Stärke 1 abgeflaut. 
August 1905. Im August d. J. war die Temperatur zu Anfang des 
Monats sehr hoch; das Tagesmittel betrug beispielsweise am 2. 29.0°, dann 
erfolgte ein langsames, aber stetiges Fallen der Temperatur bis zum 24. und
	        
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