Köppen, W.: Die Drachenstation der Deutschen Seewarte. 107
spule und einer Achse dazu, die man an einen Baum oder Pfahl nageln kann,
an den Fundort geschickt. Allein nur in Fällen, wenn der Draht weit außer-
halb der Stadt, an verkehrslosen Orten, gefallen ist, haben sich bisher brauch-
bare Längen von 1000 m und mehr bergen lassen. Andernfalls ist der Draht
beim Ankommen der Angestellten der Drachenstation fast stets schon von
unverständigen oder gar habgierigen Händen durcheinandergewirrt, geknickt
und verschleppt, und unsere Arbeiter bringen nichts als die Drachen und
einige nur beim Drachenbau und höchstens als Zweigleinen verwendbare
Drahtstücke mit. Drachen, in denen ein Meteorograph sich befindet, werden
stets durch einen Angestellten der Station abgeholt, damit das Instrument
nicht beim Transport leidet. . N
Auswertung der Drachenmeteorogramme. Über die . Auswertung der
Meteorogramme, wie sie gegenwärtig auf der Drachenstation der Deutschen
Seewarte geschieht, verdanke ich folgende Niederschrift Herrn Dr. Perlewitz,
Die Registrierapparate, die bei den Drachenaufstiegen verwendet werden,
sind drei amerikanische Marvin-Meteorographen aus der Werkstatt von
Schneider Bro’s in New York und drei französische. Meteorographen von
Richard, die dann zur Verwendung kommen, wenn die Marvin-Apparate. sich
in Reparatur befinden oder von einer unfreiwilligen Drachenreise noch nicht
zurückgeholt sind.
Im Marvin-Meteorographen zeichnen vier Federn Luftdruck, Temperatur,
Feuchtigkeit und Windgeschwindigkeit auf einer-mit 13 cm breiter Papier-
skala. bespannten Trommel von 30 cm Umfang fortlaufend während des
ganzen Aufstieges auf, Die Umdrehungszeit betrug ursprünglich 12 Stunden,
ist aber durch Umbau des Uhrwerks auf 6 Stunden verringert. Die Kurven
sind bei schwachem Winde scharf gezeichnet; bei starkem Winde kommen die
Aneroiddose und die durch verschiedene Hebel mit ihr in Verbindung stehende
Registrierfeder in zitternde Bewegungen, so daß sie dann eine sehr breite
Kurve liefert, deren Mittellage bisweilen schwierig festzustellen ist. Die
Temperaturfeder steht mit einem Bourdonrohr in Verbindung, die Feuchtig-
keitsfeder mit einem Haarhygrometer, während die die Windgeschwindigkeit
aufzeichnende Feder die Umdrehungen eines Aßmannschen Flügelanemo-
meters durch ein reduzierendes Zahnradwerk registriert. Die. Ausgangswerte
der vier Federn, welche die Angaben unten am Boden darstellen, sind dadurch
erhalten, daß man vor dem Aufstieg das Instrument in einer englischen Hütte
oder auf dem Dache der Drehhütte an. einer dazu. eingerichteten . Windfahne
(siehe Taf. 3, Fig. IV) zum Vergleich auch ‘der Windgeschwindigkeit fünf
bis zehn Minuten lang hat aufzeichnen lassen. Ist nach dem Aufstiege noch
Zeit, so geschieht solche Vergleichung auch dann noch einmal, Die Barometer-
feder zeigt in der Regel nach einem höheren Aufstieg wegen der elastischen
Nachwirkung der Metalldosen einen etwas zu niedrigen Druck an, jedoch
kaum mehr als 2 bis 3 mm. Die Temperatur ist, falls das Instrument kurz
vorher in Wolken war, wegen des noch feuchten oder beschlagenen Thermo-
meterrohrs um mehrere Zehntelgrade niedriger, als der Vergleich beim Aufstieg
gezeigt hat.. Wie vor dem Aufstieg, so werden auch nach demselben Zeit-
marken gleichzeitig mit allen Registrierfedern gemacht, um einerseits die
Zeiten nach Ablösung des Papierstreifens möglichst genau beischreiben zu können
und um andrerseits etwaige seitliche Verschiebungen (Ungleichzeitigkeiten) der
Kurven gegeneinander zu erkennen. ‚Ebenso werden dann die Vergleichswerte
oder die Korrekturen, besonders der Temperatur und Feuchtigkeit, an den
Kurven beigeschrieben.
Die Auswertung des Meteorogramms beginnt mit der Bestimmung der
Höhen durch die Barographenkurve. Hierzu wird eine für jedes Instru-
ment besonders hergestellte Skala benutzt, die aus Vergleichen mit. einem
Normalaneroid im Vakuometer von dem Barometerstand 760 mm — bei be-
liebiger Temperatur — bis zu etwa 400 mm Druck, der einer Höhe von etwa
5000 m entspricht, erhalten ist. Bei der Herstellung der Skala werden die
senkrechten Abstände der 760 mm-Drucklinie von 715.5 mm Druck, ent-
sprechend 500 m Höhe (Meereshöhe 17 m + 483 m), von 671.9 mm Druck,