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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 34 (1906)

106 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1906. 
schwachem Unterwinde bis in eine stürmische Oberströmung emporzudringen, 
nur gering ist. ; 
Die Nebendrachen werden gegenwärtig, nach dem Vorgang von Berlin- 
Tegel, nicht gesondert äufgelassen, sondern die Zweigleinen gleich beim Haspel 
an den Hauptdraht in einer der beiden oben geschilderten Weisen angemacht. 
Hierauf trägt ein Mann den Drachen, während Draht ausgelassen wird, je nach 
der Windstärke 40 bis 200 m hinaus und läßt ihn dann, während der Haspel 
stoppt, hochgehen. Ist der Wind sehr schwach, so sucht man dabei (besonders 
wenn der Unterwind erheblich vom! oberen abweicht) das Steigen dadurch 
zu erleichtern, daß man den Hauptdraht mittels der Zweigleine ein Stück 
zur Seite zieht; beim Hochlassen wird der Nebendrache dann durch den Zug 
der oberen hinaufgeschnellt. Weiter verfährt man dann mit abwechselndem 
schnellem Auslassen und Stoppen oder Einholen wie beim Hauptdrachen. 
Wenn der Wind unten auch dafür zu schwach ist, die oberen Drachen aber 
einen kräftigen Zug ausüben und der Draht steil genug aufsteigt, um kein 
Anhaken des Nebendrachens an Bäume usw. befürchten zu lassen, so wird der 
letztere einfach »als Leiche« hängend bis in genügenden Wind gezogen, wo 
er dann, unter etwas Nachhilfe seitens des Haspels, plötzlich emporschießt. 
Landen des Drachens. Das Landen des Drachens in starkem Wind ist 
jetzt dadurch sehr erleichtert, daß an der im »Bericht« S. 79 und 80 er- 
wähnten Landungsrolle nicht eine, sondern zwei starke Schnüre von etwa 30 m 
Länge befestigt sind. Ist der Drache bis auf 50 bis 70 m herangebracht, so 
wird die Landungsleine auf den Draht gesetzt, zwei Männer fassen die Schnüre 
und gehen mit dem Winde und auseinander, so daß sie den Draht erst sanft 
und dann, wenn die Rolle den Drachen erreicht hat, kräftig herunterdrücken, 
bis ihn ein dritter, der unter ihm steht, ergreifen kann. Havarien beim 
Landen kommen bei dieser Methode sehr selten vor. Nebendrachen werden 
gewöhnlich dadurch zu Boden gebracht, daß der Mann, der die Zweigleine 
nach deren Abhaken vom Hauptdrahte in der Hand hält, eine kurze Strecke 
mit dem Winde läuft, wobei der Drache herabfällt, wenn der Wind nicht zu 
stark ist. 
Die Zweigleinen zu den Nebendrachen sind jetzt stets Stahldrähte von 
60m Länge und 0.6 oder 0.7 mm Durchmesser, an jedem Ende mit einem Auge 
versehen, in das früher eine kurze Schnur eingebunden war, jetzt aber nur in einen 
der in Fig.11 und 12 dargestellten Haken aus 1%, mm-Stahldraht gehakt wird. 
Um die Zweigleine (den »Nebendraht«) mit der Hand zu halten, bedient man 
sich eines großen, bequem anzufassenden Hakens, der in das Endauge der- 
selben gehakt wird. So werden Schnüre, deren Knoten und lose Enden dem 
Winde, namentlich bei Eisansatz, viel Widerstand geben, fast ganz vermieden. 
Die Gefahr, daß der Draht eines fortgeflogenen Nebendrachens sich auf die 
Starkstromleitung einer Straßenbahn legt, ist bei der Kürze desselben gering; 
Fälle dieser Art sind hier noch nicht zur Kenntnis gelangt. 
Abfliegen der Drachen. Da die jetzigen Drachen unserer Station voll- 
ständig zusammenlegbar sind und beim Landen viel seltener brechen als 
früher, so bringt das Abfliegen einzelner Drachen infolge Bruches der auf 
Fig. 12 dargestellten Sicherheitsvorrichtung wenig Störung. Das Abholen der- 
selben geschieht nur dann, wenn sie in der Nähe oder innerhalb des Straßen- 
bahnnetzes von Hamburg niederfallen, Läuft die Nachricht — gewöhnlich tele- 
phonisch — ein, daß ein Drache außerhalb geborgen ist, so wird ein kurzes 
autographiertes Schreiben an den Finder gesandt, das die Aufforderung ent- 
hält den Drachen zusammenzulegen und als Postpaket der Drachenstation 
einzusenden. Eine ausgefüllte Paketadresse mit dem Stempel der Seewarte 
und dem Aufdruck Marinesache wird beigelegt. Die Beförderung geschieht 
dann, abgesehen vom Bestellgelde, frei. 
Anders und viel unangenehmer liegt die Sache in den trotz aller Vor- 
zichtsmaßregeln noch immer etwa ein dutzendmal im Jahre vorkommenden 
Fällen des Abreißens ganzer Drachengespanne. In der freilich leider meist vergeb- 
lichen Hoffnung, einen Teil des kostbaren Drahts zu retten, werden dann auf 
lie erste sichere Nachricht hin mindestens zwei Arbeiter mit einer Draht-
	        
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