Köppen, W.: Die Drachenstation der Deutschen Seewarte. 105
im Durchschnitt in Abständen von 1 km Drahtlänge. Die Art ihrer Befestigung
ist oben im Abschnitt »Leine« auseinandergesetzt. Die Größe des anzuhängenden
Drachens richtet sich. nach der Spannung im Draht und dem Abgangswinkel
desselben.
. Die Verwendung der verschiedenen Drachenformen ist jetzt. in der
Regel, wie folgt:
bei Sturm: bei mäßig. Wind: bei schwachem Wind:
an der Spitze ... 4 qm, 51/, qm, 51 +3'/, = rund 9 qm,
jeder Hilfsdrachen‘ 2*/, oder 4 qm. 3*/, bis 5'/, qm. 31/, oder 51/, qm.
Bei schwachem Wind — unter 6 m p. Sek. — wird über den Instrument-
drachen als Vorspann ein Drache vom Lerchen-Typus gebunden; wenn dieser
nicht genügt, wird noch mit einem vom Adler-Typus oder mit zwei Drachen
als Vorspann ein Versuch gemacht, wenn die Richtung nicht ein weites Hinaus-
tragen der Drachen und Emportreiben derselben durch schnelles Einholen mit
dem Motor gestattet, oder wenn man erkennt, daß die Windgeschwindigkeit
nach oben wenig zunimmt.
Als Hilfsdrachen haben flügellose den Vorteil, daß die Gefahr des Ein-
hakens in den Hauptdraht bei ihnen geringer ist. Da indessen ihrer größeren
Verwendbarkeit wegen bedeutend mehr geflügelte Drachen gebaut werden, so
werden auch als Nebendrachen mehr solche verwendet; sie sind auch dafür
durch größere Tragkraft und leichteres Steigen angenehmer als die flügel-
losen. Es empfiehlt sich jedoch, die Flügelspitzen durch Umwinden mit einer
Schnur vor dem Festhaken des Drahtes hinter den Köpfen der zwei Kopf-
schrauben zu schützen.
In der Handhabung der Drachen sind gegenüber dem im 7. Abschnitt
meines Berichts im Jahrgang 1901 des »Archivs der Seewarte« Gesagten im
übrigen noch folgende Neuerungen anzugeben, ;
Auflassen des Drachens. Da der. Motorhaspel den Draht viel schneller
aufwickeln kann, als dies mit der Hand möglich ist, so wird bei schwachem
Winde gegenwärtig viel mehr vom Erzeugen künstlichen relativen Windes
durch schnelles Einholen des Drachens Gebrauch gemacht, wenn man erwarten
darf, daß in 100. bis 200 m Höhe der Wind genügende Stärke hat, um den
Drachen weiterzutragen. Zu diesem Behufe wird der Drache zunächst 200
bis 400 m weit in der Richtung des Windes hinausgetragen und dann mit
schnellem Gange des Motorhaspels eingeholt. Nur für Windrichtungen zwischen
rein S und rein W gestattet das Terrain dies direkt, bei anderen Richtungen
muß, um die genügende Entfernung herauszubekommen, der Draht auch noch
über eine Rolle geleitet werden, die nach der entgegengesetzten Seite aus-
gebracht und entweder befestigt oder von 1 bis 2 Mann gehalten wird — ein
ziemlich umständliches Verfahren. Hat der Drache so den ersten Sprung
getan, so wird er dadurch weiter hinaufgebracht, daß man ihm abwechselnd
schnell 50 bis 100. m Draht gibt und 20 bis 30 m Draht wieder einholt, Bei
jedem Nachgeben fällt er zwar, allein seine vertikale Bewegung ist geringer,
als seine horizontale, da er durchschnittlich nur 3 m per Sek. Fallgeschwindig-
keit hat; bei jedem schnellen Einholen steigt er, und jedesmal etwas höher,
weil die Leine länger ist; so gelingt es in sehr vielen Fällen, ihn bis in ge-
nügend frischen Wind emporzubringen, Merkt man freilich an: den Angaben
des Zählwerks, daß man ebensoviel oder gar mehr einholen muß, als man
ausgegeben hat, so ist das Manöver als aussichtslos ’aufzugeben.
Bei Windrichtungen, bei denen der Raum das eben beschriebene
Manöver behindert, wird, wenn der Wind zum Heben des Intrumenten-Drachens
nicht ausreicht, gewöhnlich der Aufstieg mit einem Vorspanndrachen versucht,
und zwar in der Regel mit einem geflügelten 31/, qm-Drachen, selten mit einem
solchen von 51/, oder gar mehreren Drachen. Auch für diese Fälle ist eine
Sicherheitsvorrichtung vorhanden, die bei übermäßigem Gesamtzuge des Vor-
spanns und des Hauptdrachens den ersteren zum Abfliegen bringt; sie ist
nach demselben Prinzip konstruiert wie die oben Fig. 9 dargestellte für die
Nebendrachen, kommt aber selten zur Anwendung, da die Aussicht, bei so