Köppen, W.: Die Drachenstation der Deutschen Seewarte,
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in der Luft befindlichen Drahtes angibt. Der Umfang dieser Rolle ist zu
diesem Behufe genau gleich einem halben Meter gemacht. Rolle 2 ist behufs
Raumersparnis parallel zur Achse der Trommel gestellt. Die Gabel, in der
diese Rolle läuft, trägt eine lange geteilte, senkrechte Stange, die so an Spiral-
federn aufgehängt ist, daß durch die Spannung des Drahtes die Rolle gehoben
wird und die Stange aus ihrer Führung mehr und mehr emportaucht. Die
Teilung gibt die Spannung in Kilogrammen an. Rolle 3, die innerste, dient
zur Verteilung des Drahts auf der Trommel. Zu diesem Behufe ist die senk-
rechte Stange, an der sie sitzt, durch Hebel- und horizontale Lenkstange mit
Scharnier vom Platze hinter der Winde aus so weit drehbar, daß der Draht
zwischen den beiden Rändern der Trommel verteilt werden kann, Die Ent-
fernungen der Rolle 3 von Rolle 2 und der Trommel sind groß genug, um
die kleinen Abweichungen des Drahtes von der senkrechten ganz unschädlich
zu machen. Die Einrichtung wurde deshalb gewählt, weil eine automatische
Verteilung des Drahtes auf der Trommel nicht nur kompliziert und kost-
spielig, sondern oft beim Auslassen des Drahtes im Wege ist, weil es nicht
leicht zu erreichen ist, daß das Verteilungsrad dann stets an derselben Stelle
sei wie beim Aufwinden des betreffenden Drahtstücks, andernfalls aber der
Draht »eckt«. Die Drehung wurde für den Verteiler deshalb gewählt, weil
sie viel leichter herzustellen und auch unter starkem Druck viel leichter
durchzuführen ist als die geradlinige Bewegung eines Rades parallel seiner
Achse. Tatsächlich geschieht diese Drehung so leicht, daß sie beim Auslassen
des Drahts von selbst durch den Zug des Drachens erfolgt.
Die drei Rollen arbeiten befriedigend, wenn ihre Achsen stets gut geölt
gehalten werden. Störend ist nur das zuweilen bei gänzlichem Nachlassen
der Spannung im Draht erfolgende Herausspringen des Drahts aus den Rollen 2
und 3. Ein solches Nachlassen kommt fast nur beim Hantieren mit den
Drachen am Erdboden vor, sehr selten dagegen, wenn sie in der Luft sind.
Einrichtungen zur Vermeidung desselben sind hergestellt, aber noch nicht er-
probt. Um Störungen im Betriebe vorzubeugen, werden mit der Zeit diese
drei Rollen und ihre Achsen sowie einige Teile des Motors doppelt beschafft
werden müssen.
In manchen Fällen würde es von Wert sein, schneller einholen zu können,
sowohl bei großen als bei kleinen Zügen. Denn es ist einerseits wiederholt
vorgekommen, daß die Drachen zu Boden gefallen sind und Draht verloren
gegangen ist dadurch, daß nicht schnell genug eingeholt werden konnte, ander-
seits dauern bei uns. hohe Aufstiege zu lange. Um diesen UÜbelständen zu be-
gegnen, müßte der Motor kräftiger und die Maximalgeschwindigkeit der
Windentrommel größer sein. Hätte man einen Motor von zwei Pferdekräften
gewählt, so würden die einmaligen Ausgaben um etwas mehr als 20 9 größer
gewesen sein, und würde seine Unterbringung in der vorhandenen Drehbude
größere Schwierigkeit gemacht haben; auch der Betrieb würde teurer sein.
Man entschloß sich daher, es mit einem einpferdigen Motor zu versuchen, und
der Versuch ist bis auf die genannten kleineren Übelstände gelungen. Steigt
bei sehr hohen Aufstiegen der Zug der vielen Drachen bis über 100 kg, so
wird eine Kurbel angesetzt und mit der Hand nachgeholfen, was nicht schwierig
ist, weil bei dem langsamen Gang die Winde nur 38 Umdrehungen in der
Minute macht. Dies ist bis jetzt im regelmäßigen Betriebe nur wenige Male
vorgekommen. Ein solcher gemischter Motor- und Handbetrieb ist aber im
Dezember und Januar 1904/05, als wegen Bruchs der Friktionsscheibe mit
einer provisorischen Einrichtung gearbeitet werden mußte, die schon bei
50 kg Zug versagte, häufig mit Erfolg zur Anwendung gekommen,
Die Kurbeln, deren eine auf Fig. II zu sehen ist, werden natürlich bei
reinem Motorbetrieb abgenommen. Auf derselben Figur sieht man hinten
undeutlich den Motor, vorn die Federn des Dynamometers und über der
Abgangsrolle ein dreieckiges Gestell mit drei Walzen, zwischen denen der
Draht bei nassem Wetter selbsttätig abgewischt wird, Zum Ölen des Drahts
dienen in denselben Fällen geölte Filzstücke zwischen den beiden folgenden
Rollen. über die er beim Einholen schleift,