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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 34 (1906)

102 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1906. 
Friktionsscheibe schleifen. Trotz dieser Änderung ist am 10. Dezember 1904 die 
Trommel durch einen ringförmigen Riß vollständig gespalten worden, durch 
welchen die rechte Backe und ein etwa 5 cm breites Stück des Tommelmantels 
von dem Rest abgesprengt und gegen die Friktionsscheibe gedrückt wurde, 
die durch den Stoß gleichfalls eine Anzahl von Rissen erhielt. Der Riß in 
der Trommel nahm eine Breite von durchschnittlich 4 cm an. Der Unfall 
geschah, als noch etwa 3150 m Draht mit vier Drachen in der Luft waren, 
nachdem 3800 m eingeholt waren. Der in der Luft befindliche Draht mußte 
durch eine Notsplissung am Draht von einer Handwinde befestigt, dann ab- 
geschnitten und auf letztere aufgewickelt werden. Durch Holzkeile gelang 
es, die gesprungene Trommel so weit zusammenzuhalten, daß danach der auf 
dieser befindliche Drahtvorrat im Werte von über 200 Mark unverletzt ab- 
gewickelt werden konnte. ; 
Wir haben es bei diesem Unfall offenbar mit einem Zerreißen der 
Trommel in der Richtung ihrer Achse zu. tun. Da die Bruchfläche rund 4 cm 
breit und 125 cm lang ist, also 500 qcm beträgt, die Zugfertigkeit des Gußeisens 
aber 1300 kg per Quadratzentimeter ist, so betrug die zur Absprengung nötige 
Kraft 650000 kg. Diese in der Richtung parallel zur Trommelachse wirkende 
kolossale Kraft wird offenbar geliefert durch das keilartige Eindringen der oberen 
Drahtlagen zwischen die Drähte der unteren Lagen nach dem Schema der Fig, 15. 
Zur Vermeidung oder doch Verminderung dieses Eindrängens gibt Marvin 
den Rat, den Draht beim Aufwickeln vielfach sich kreuzen zu lassen, und 
wendet Kusnetzof Lagen geölter Pappe an, die er von Zeit zu Zeit in die 
Drahtlagen beim Einholen einschaltet. Beide Mittel sind gut, besonders das 
letztere, sie bringen aber auch Unbequemlichkeiten und Nachteile mit sich, 
die ihre Anwendung beschränken, Die ganze Gefahr für die Trommel ist 
vermieden, wenn man, wie auf dem Blue Hill und in Berlin—Tegel bzw. Linden- 
berg, die Spannung des Drachendrahtes durch eine oder zwei der Vorrats- 
trommel vorgelagerte Druckrollen aufnimmt, über die der Draht mehrmals 
gewunden ist. Auf‘ die Vorratstrommel soll dann der Draht mit einer 
Spannung von nur wenigen Kilogrammen kommen, Bei der wechselnden Ge- 
schwindigkeit, mit der das Auslassen und Einholen der Drachen geschehen 
muß, ist es nicht ganz leicht, zu verhindern, daß der Draht zwischen den 
Druckrollen und der Vorratstrommel lose wird und abspringt, und manches 
Stück Draht ist in Berlin im ersten Jahr auf diese Weise verloren gegangen. 
Jetzt arbeitet die Einrichtung bei aufmerksamer Bedienung gut, allein selbst 
abgesehen von den Kosten, verbot sich deren Einführung in Hamburg schon 
durch den zur Verfügung stehenden Raum, weil sie sich in der vorhandenen 
kleinen Drehbude unmöglich hätte unterbringen lassen; eine neue größere 
Bude hätte nicht nur Kosten verursacht, sondern auch den Betrieb erschwert, 
Es erschien und erscheint deshalb vorteilhafter, die Trommel so stark zu 
machen, daß sie den kumulierten Druck aushalten kann, und dies ist jetzt 
durch deren Ausführung in Stahlguß geschehen, der eine fünf- bis achtmal 
größere Zerreißfestigkeit hat als Gußeisen. Es ist deshalb zu hoffen, daß 
solche störenden Zwischenfälle nicht mehr vorkommen werden. Vorsichtshalber 
wird indessen auch jetzt in einem Abstand von etwa 6000 m vom freien Draht- 
ende eine Papplage eingeschaltet. 
Im übrigen arbeitet jetzt der Haspel zu unserer Zufriedenheit. Der 
Draht geht, nachdem er die Trommel verlassen hat, im ganzen über drei 
Räder, die so gestellt sind, daß der Draht zwischen ihnen (annähernd) senk- 
recht und in den Schnittlinien ihrer Ebenen verläuft, so daß kein »Ecken« 
desselben vorkommt, Während die Trommel festliegt, haben diese drei Rollen 
außer der Drehung noch andere Bewegung, die erste und dritte eine solche 
im Azimut, die mittlere dagegen senkrecht auf und ab, Rolle 1 (auf Fig. 13 und 
Fig. II nach links gerichtet), von welcher aus der Draht in die Luft geht, 
dient zur feineren Einstellung auf das Azimut der Leine, nachdem die gröbere 
durch die Drehung der Bude erfolgt ist. Der Draht geht zwischen zwei 
Bügeln durch, die das Ausspringen desselben aus der Rolle unmöglich machen. 
An der Achse dieser Rolle ist auch das Zählwerk befestigt, das die Länge des
	        
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