Köppen, W.: Die Drachenstation der Deutschen Seewarte.
Ein fernerer Vorteil dieser Art von Anhängung der Zweigleinen ist
der, daß diese Art von Splissungen ein vollkommen biegsames Scharnier
bilden und eine Beschädigung des Drahtes durch Knickung unter dem Ein-
fluß des seitlichen Zuges, wie sie bei Schraubklemmen leicht eintreten kann,
hier ganz wegfällt, Denselben Zweck hat das Washingtoner Weather Bureau
(vgl. meinen. Bericht. .S. 88, oben) dadurch erreicht, daß die Enden der beiden
Drähte um dieselbe kleine Kausch (und zwar jeder Draht nur einmal) gelegt
werden und die Zweigleine in. die. Kausch eingebunden wird. Diese Methode
wird zur Zeit in Pawlofsk stets angewendet. Sie ist indessen wohl nur gut
anwendbar, wo, wie bei dem Mar vinschen Handhaspel und bei dem elektrisch
betriebenen Haspel in Pawlofsk, der Draht aus der Luft direkt auf die Haupt-
trommel aufgewunden wird; bei jedem Vorgelege bietet die starre Kausch ein
viel größeres Hindernis als das elastische Drahtauge, Auch die Festigkeit
dieser Verbindung dürfte gegen die der zwar roher aussehenden, aber in
hartem Dienst erprobten bloßen Augenverbindung nach dem System von Hald
und Hamburg zurückstehen, Die Augen ziehen sich zwar allmählich in die
Länge, allein wenn ihre Haltbarkeit nach langem Gebrauch abnimmt, ist ihnen
dieses anzusehen, und können sie herausgeschnitten‘ und erneuert werden,
Wenn bei schwacher Spannung die Leine einen so geringen Abgangs-
winkel. annimmt, daß es unmöglich oder unlohnend wird, dieselbe bis .zur
nächsten Splissung auszulassen, so wird von uns gegenwärtig die im Jahre
1903 von Dines angegebene. einfache Klemmvorrichtung angewandt: ein
11, mm dicker, 180 cm langer Stahldraht, dessen Enden einige Zentimeter
lang rechtwinklig umgebogen sind, wird 15 bis 20mal um den Drachendraht
herumgelegt. ‘Die Spannung des letzteren und die größere Dicke des ersteren
bedingen es, daß sie beide dabei ungefähr gleichviel gebogen werden und mit
genügender Reibung aneinander halten. Etwa 40 cm von seinem oberen Ende
ist der starke Draht zu einer Schleife gebogen (s. Fig. 10), in welche die
Schnur des Nebendrachens eingebunden wird, Die Elastizität des dicken
Drahtes gibt einen genügenden Schutz gegen gefährliche Knickung des Drachen-
drahtes an der Anheftungsstelle,
Dieser Dines’sche Drahtbund läßt sich zwar beim Einholen der Drachen
nicht ganz so schnell entfernen wie die‘ auf dem Berliner Institut verwendete
Knoppsche Klemme, allein er ist so viel einfacher, billiger und auch kom-
pendiöser als diese, daß wir ihn, seit “die vorhandenen Knoppschen Klemmen
beim Abreißen verloren gegangen sind, stets benutzen, wenn Nebendrachen
an anderen Stellen als’ an Splissungen ‚angebracht werden müssen,
Auch die Schlangenkauschen (vgl. »Bericht« S, 87) gehen beim Ab-
reißen von Drachen leicht verloren, und da die Erfahrung von Hald gezeigt
hat, daß ein bloßes aus Doppeldraht hergestelltes Auge am Ende der Leine
genügt und die durchgezogene Schnur nicht, wie man fürchten könnte, zer-
schneidet, so haben wir auch diese Kauschen nicht erneuert, wenn auch das
gute Herstellen eines solchen Auges nicht ganz so einfach .und schnell sich
machen läßt wie das Einflechten des Drahtes in die Schlangenkausch,
Der Bruch des Drahtes bei übermäßiger Spannung geschieht im all-
gemeinen in der regelmäßigen Weise, daß ihm ein »Fließen« des Stahls vor-
hergeht, eine Einschnürung des Drahtes bis auf %/, des Durchmessers oder
etwa die Hälfte des Querschnitts; allein es geschieht oft bei Zügen, die weniger
als 3/, der normalen Bruchfestigkeit dieses Drahtes betragen, und das nicht selten,
nachdem derselbe Draht ein oder zwei Tage vorher einer bedeutend größeren
Spannung ausgesetzt war,. ohne zu reißen,. Die Ursachen dieser Schwächung
sind unbekannt. Vielleicht hängt sie damit zusammen, daß nach starken
Spannungen zuweilen sich Einschnürungen der erwähnten Art im Draht finden,
die allerdings gewöhnlich keine Schwächung des Drahtes erkennen lassen.
Stärkere, also auch schwerere Drähte zu nehmen, würde nur helfen, wenn man
nicht zugleich die Spannungen wachsen läßt; dann muß man aber damit zu
gleich auf die Erreichung großer Höhen verzichten.
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