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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 34 (1906)

Kleinere Mitteilungen, 
Q9 
4. Beobachtung der Sonnenfinsternis vom 30. August 1905 auf 
See. Von der letzten Sonnenfinsternis wurde der Deutschen Seewarte in 
dankenswerter Weise eine Reihe von Beobachtungen zur Verfügung gestellt, 
die. allerdings sämtlich außerhalb der Totalitätszone auf See ausgeführt wurden, 
Beobachtungen auf See aus der Totalitätszone selbst sind bisher nicht ein- 
gelaufen. Folgende kurze Zusammenstellung der Hauptergebnisse möge ein 
Bild von dem eingesandten Beobachtungsmaterial geben, 
I. Von der Kaiserlichen Marine, 
S. M. S. »Charlotte«. Funchal-Reede, 
1/. = Verfinsterung. Wind sprang plötzlich von SzO auf SW über. 
Schwarzer Punkt in der hellen Sichel (Sonnenfleck) beobachtet. 
S. M. S. »Stein«. Hafen von Vigo. 42° 14’ 30” N-Br., 8° 32’ 35” W-Lg. 
1. Zeitbeobachtungen (M. G. Z.). 
Eintritt 112 37min 45sek V, Austritt 2b 19min 285% N, * 
Größte Verfinsterung 1h 0min 30sek N, 
Beobachtung der Ein- und Austritte von zwei Sonnenflecken. 
Sonnenfleck A (Mitte der ©): Eintritt 0b 13min 23%ek Austritt 1} 39Min 15564 N, 
Sonnenfleck B_(Unterer Rand der ©): Eintritt 0% 52min (sek Austritt 
ir 44min 5sek N, 
Venus sichtbar von Ob. 50min 55sek his 1b 19min 355ek N, 
2, Meteorologische Beobachtungen, 
Ausgeführt von 4b V, bis 44 30wir N, in halbstündlichen Intervallen, ab- 
gesehen von der Zeit von 10b 30min V, bis 3h 40"in N, in der’in Abständen 
von 5min beobachtet wurde. 
Ergebnis: Abnahme der Temperatur um mehr als 2°; Barometer un- 
merklich beeinflußt. Wind mehrfach sprungweise geändert. 
3. Allgemeine Beobachtungen. 
_ »Am 380.« Aug. 0b 30win M, G. Z, wurde zuerst eine deutliche Abnahme 
der Beleuchtung bemerkt, verbunden mit geringer Temperaturabnahme. Die 
Sonne war zu dieser Zeit etwa %, bedeckt, die Farbe des Himmels war noch 
unverändert. . 
0b 37min M, G. Z. bekam der Horizont in NW eine bleigraue — leicht 
diesige Färbung bis zu einer Höhe von etwa 15°. 
02 49min M.G. Z. ‚wurde der Horizont in W weißlich, neblig; in der 
Höhe graublau. Die Stadt und die umliegenden Berge nahmen eine fahle, 
graublaue Färbung an, das Meerwasser eine olivengrüne bis braune. Am 
Sonnenrand wurden Strahlen bemerkt, welche in der Richtung SO verliefen, 
1» Omin zur Zeit der größten Verfinsterung war die bis auf !/,, des 
Sonnenradius etwa verringerte Sonnensichel von einem orangefarbenen Schein 
umgeben. Im Abstande von ein. bzw. zwei Sonnenradien wurden zwei regen- 
bogenfarbene Lichtringe in SO-licher bis S-licher Richtung zur Sonnensichel 
bemerkt, welche bei Zunahme des Sonnenlichtes verschwanden. Die Sonne 
war von einem leichten Wolkenschleier bedeckt. Der Mondrand zeigte eine 
hellgelbe Färbung. 
Bei Abnahme der Verfinsterung — von 1% 10a M,G. Z. etwa ab — 
nahmen Himmel und Erde rasch ihre normale Färbung wieder an. 
Venus hatte beim Insichtkommen ein ausgesprochen rötliches Licht, 
später wurde es als grünliches, bei Zunahme des Sonnenlichtes als helles, 
weißes Licht beobachtet. ‘ 
Die Dunkelheit nahm nur einen geringen Grad an, so daß alle Schrift- 
proben dauernd deutlich gelesen werden konnten.« . 
4. Zeichnungen und photographische Aufnahmen. 
Einzelne Phasen der Verfinsterung, sowie die Eintritte der beiden er- 
wähnten Sonnenflecken wurden zeichnerisch und photographisch festgehalten
	        
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