Kleinere Mitteilungen.
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Kolumbus das Verdienst der Entdeckung der Mißweisung ganz und ungeteilt
in Anspruch zu nehmen, Da sich seinen Ausführungen namhafte Forscher
anschlossen, so schien die strittige Frage. hiernach als erledigt angesehen zu
werden.
Durch das Studium der Geschichte der Kartographie im 16. Jahrhundert
wurde der Verfasser der uns vorliegenden Abhandlung auf Nachforschungen
über die Kompasse der damaligen Zeit geführt. Die Form, in der die Miß-
weißung im ganzen 16. Jahrhundert als etwas allgemein Bekanntes erwähnt
wird, legte den Gedanken nahe, daß die Kenntnis von ihr weit über die An-
fänge des 16. Jahrhunderts, also in die Zeit vor Kolumbus, zurückreiche,
So hat denn Wolkenhauer die Streitfirage noch einmal aufgenommen
und es ist ihm gelungen, unwiderlegliche Beweise für die Kenntnis
der Mißweisung schon um die Mitte des 15. Jahrhunderts zu er-
bringen.
Das erste Kapitel der Abhandlung beschäftigt sich mit der nochmaligen
Diskussion der auf das Abweichen der Kompasse bezüglichen Stellen in
Kolumbus’ Tagebüchern, An einer Stelle wird da z. B. erwähnt, daß die
»flamändischen Rosen um *%/, Strich westlicher zeigten, als die genuesischen.«
Nun ist aus dem 16. Jahrhundert verbürgt, daß die in Genua angefertigten
Kompaßrosen die Nadel recht parallel zur Nordsüdlinie hatten, während man
in Flandern das Nordende entsprechend der dort zu jener Zeit gültigen Miß-
weisung 3/, Strich nach Ost verschob. So hatte denn d’Avezac jene Tagebuch-
stelle für einen handgreiflichen Beweis für das Bekanntsein der Mißweisung
erklärt, denn wenn wirklich die flamändischen Rosen schon zu jener Zeit für
Mißweisung »verbessert« waren, so schließt das eben das Bekanntsein der
Mißweisung ein. Bertelli hat die Abweichungen zwischen den Rosen aus der
Mangelhaftigkeit der damaligen Kompasse erklären zu können geglaubt.
Die Erörterung dieser, wie der anderen hier in Frage kommenden
Tagebuchstellen führt den Verfasser zu dem Schluß, daß das Für und Wider
sich nicht auf Grund dieser Reiseberichte entscheiden läßt, daß aber sicher
nichts in ihnen dagegen spricht, daß die Kenntnis der Mißweisung weiter zurück
zu datieren ist. In. den folgenden Kapiteln zeigt der Verfasser, wie viel
dafür spricht.
Als erster Grund wird der schon im 15. Jahrhundert ausgebreitete Ge-
brauch der Sonnenkompasse hingestellt. Es sind das kleine in der Tasche
zu tragende Sonnenuhren, die mit Hilfe eines darauf ‚befestigten Kompasses
jm Meridian orientiert wurden. Über die Verbreitung und die Fabrikation
dieser Instrumente macht der Verfasser interessante Mitteilungen, Die Haupt-
ursprungsstätte war‘ Nürnberg. Die schon vielberedeten Nürnberger
»Kompaßmacher« machten also Sonnenkompasse, nicht, wie man früher an-
nahm Schiffskompasse und erst recht keine Zirkel, für welche Beschäftigung
Breusing sie in Anspruch nehmen zu müssen glaubte. — Die enge Ver-
bindung, in der beim Sonnenkompaß das astronomische Instrument mit dem
magnetischen steht, macht es äußerst wahrscheinlich, daß bei seinem
Gebrauch die Abweichung des magnetischen vom wahren Nord bemerkt
werden mußte,
Der Verfasser hat auf Reisekarten aus dem Ende des 15. .und dem
Anfang des 16. Jahrhunderts Abbildungen von Sonnenkompassen mit
mißweisend gezeichneter Rose gefunden, Dadurch ist die Reihe der ersten
Mißweisungsangaben . auf Karten ein gut Stück rückwärts ergänzt; wenn sie
auch noch nicht über Kolumbus zurückreicht, so ist doch gezeigt, daß die
Bekanntschaft mit der Mißweisung schon um 1500 weit. verbreitet war.
Im folgenden Kapitel wendet sich der Verfasser dem Schiffskompaß
zu, insbesondere der Verschiebung der Nadel unter dem Rosenblatte, 1). Auch
hierbei läßt die Art, wie dieser Gebrauch schon Anfang des 16, Jahrhunderts
als etwas allgemein Bekanntes und Althergebrachtes erwähnt wird, auf ein
längeres Bekanntsein der Mißweisung schließen.
m 1) Über diesen Teil seiner Untersuchungen berichtet der Verfasser selbst in »Ann. d. Hydr. ete..
1905. SS. 99H.