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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 33 (1905)

34 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Februar 1905. 
stehung der großen ozeanischen Oberflächen-Strömungen verwenden. Ferner 
dürfen wir die Reaktionskraft nicht als eine Kraft ansehen, die beim Golfstrom 
imstande ist, die Wirkung starker Winde zu kompensieren. Mohn berechnete, 
daß eine Windgeschwindigkeit von Beaufort 3.9 eine Strömung von 15 Sm im 
Etmal erzeugt, Denken wir uns einen stürmischen SW-Wind längere Zeit auf 
die Golfströmung einwirken, so entsteht, wenn das Gebiet dieses Windes groß 
genug ist, eine solche Beschleunigung, daß die Reaktionskraft nicht imstande 
ist, den Einfluß des Windes aufzuheben, selbst wenn wir mit Sandström durch 
denselben Wind vergrößerte Dichteunterschiede annehmen. Diese Unterschiede 
werden immer verhältnismäßig zu geringfügig bleiben, um im größeren Maß- 
stabe einerseits als hemmende, anderseits als stromerzeugende Kraft in Betracht 
zu kommen. Als Grundursache der Entstehung der ozeanischen Strömungen 
müssen wir nach wie vor nur den Wind ansehen, 
Lütgens, 
2. Seebeben im Arabischen Meer. Der Hansa-Dampfer »Liebenfels«, 
Kaptän E. Breitung, befand sich auf einer Reise von Suez nach Rangun am 
2. Oktober 1904 mittags in 13,3° N-Br., 54,1° O-Lg. nördlich von Sokotra. Bei 
leichter östlicher Brise wurde rw. S 74° O gesteuert und am 3. mittags nach 
astronomischen Beobachtungen 12,2° N-Br., 58,5° O-Lg. erreicht. Der 2. Offizier, 
Herr B. Hagedorn, berichtet über ein Seebeben am Morgen des 3, Oktober 
wie folgt: 
»Am Morgen des 3. Oktober 1904 auf 12° 19’ N-Br. und 57° 56’ O-Lg. 
bei schönem Wetter und leichter Dünung aus SO bis S erfolgte um 7b 8min 
eine heftige Erschütterung in horizontaler Richtung. In der Annahme, daß 
es sich. um einen Schaden in der Maschine handelte, stoppten wir sofort die 
Maschine. Nach ungefähr 15% Erschütterung trat eine Ruhepause von etwa 
105% ein, dann folgte eine abermalige Erschütterung, welche etwa 205° dauerte. 
Nachdem alles überholt war und wir gefunden hatten, daß das Schiff keinen 
Schaden erlitten, dampften wir weiter. Während wir gestoppt lagen, wollen 
mehrere Mann der Besatzung zweimal eine leichte Erschütterung wahr- 
genommen haben. 
Um 7% 532 bestimmten wir die Deviation und fanden, daß sie dieselbe 
war wie sonst. Jedoch sagte der Rudersmann aus, daß schon kurze Zeit vor 
der Erschütterung der Steuerkompaß ins Schwanken geraten sei, wohl drei 
Strich nach jeder Seite, und während der Erschütterung vollständig herum- 
gedreht ‚wäre. Um 8b 24min V, erfolgte wieder eine Erschütterung, jedoch 
nicht so heftig wie das erste Mal. Wir stoppten wieder, loteten 220 m (120 Fad.} 
Wassertiefe (kein Grund), dampften dann zurück nach derselben Stelle und 
loteten wieder, hatten auch keinen Grund. 
Nach unserer Annahme muß es sich um ein Seebeben gehandelt haben. 
Die Kompasse blieben das zweite Mal ruhig. Der Stand des Barometers war 
normal. Um 9% 30min V, bemerkten wir wieder eine ganz leichte Erschütterung. 
Die See war währenddem ruhig.« 
3. Über die frühere Kenntnis der Mißweisung. Diese Frage be- 
handelt Herr Dr. August Wolkenhauer in den Münchener geographischen 
Blättern unter dem Titel: »Beiträge zur Geschichte der Kartographie und 
Nautik des 15. bis 17. Jahrhunderts« (mit 5 Tafeln und 12 Figuren im Text. 
Dazu ein Nachtrag mit zwei Abbildungen). 
Kein Geringerer als Kolumbus hat seit geraumer Zeit als der Entdecker 
der Mißweisung der Magnetnadel gegolten. Alexander von Humboldt, 
VAvezac und Geleich allerdings wollten dem Entdecker Amerikas nur das 
Verdienst zuerkennen, als erster die örtliche Verschiedenheit der MißB- 
weisung beobachtet, insbesondere als erster die Nullisogone überschritten zu 
haben; dennoch fehlte jedes überzeugende und jedes handschriftliche Doku- 
ment für die Bekanntschaft der abendländischen Welt mit der Abweichung der 
Magnetnadel in vorkolumbianischer Zeit, 
Anläßlich der Vierhundertjahrfeier der Entdeckung Amerikas hat dann 
ein Italiener, der Pater Bertelli, noch einmal den Versuch gemacht, für
	        
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