68 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Februar 1905.
kräftig magnetisiert wurde. Ein solches Magnetfeld kann, wie jedes Lehrbuch
der Physik zeigt, auf einem Blatt Papier mit Hilfe feinen Eisenfeilichts ohne
weiteres sichtbar gemacht werden.
Für, 1} Zwei oder mehrere Felder, welche an einem Punkte
Fe zusammentreffen, sind nach den Regeln des Kräfteparallelo-
gramms bezw. Kraftecks zu vereinigen und die Resultierende
wieder in Form eines Feldes darzustellen. Ein homogenes,
aufwärts gerichtetes Feld F, (Fig. 1) treffe mit einem
schwächeren F, zusammen, so ergibt deren Vereinigung, d, h.
die der gleichbenannten Kräfte, die Resultierende R und daraus
auch das resultierende Feld. Werden die beiden überflüssigen
(punktierten) Seiten des Parallelogramms weggelassen, so
erübrigt das Krafteck, von welchem in Hinkunft vorwiegend
Gebrauch gemacht wird. .
Bringt man einen relativ sehr kleinen Magnet in das
Feld eines anderen, eine Kompaßrose in das Erdfeld, so trachtet
ersterer eine derartige Lage einzunehmen, daß die Kraftlinien-
zahl in seinem Inneren das mögliche Maximum erreicht. Dies
trifft zu, wenn die Magnetisierungsrichtung, die magnetische
Achse des kleinen Magnets mit der Feldrichtung zusammenfällt, oder doch
den kleinstmöglichen Winkel einschließt. Ähnliches gilt auch von einem
ursprünglich unmagnetischen Eisenkörper, welcher erst durch das Eindringen
von Kraftlinien in sein Inneres magnetische Eigenschaften annimmt, Induktion.
Hierbei wird das ursprüngliche umgebende Feld durchweg verändert, vor-
wiegend aber geschwächt, und zwar durch Entziehen jener Kraftlinien, welche
in den Eisenkörper eingedrungen sind. Die Feldveränderungen, welche Eisen-
massen abgesehen von ihrem eigenen Magnetismus im umgebenden Felde
hervorrufen, ausgeschieden und gesondert durch Kraftlinien dargestellt, bilden
das induzierte Feld der betreffenden Eisenmassen; dieses kann innerhalb der
engen Grenzen der Stärke des induzierenden Erdfeldes in der nautischen Praxis
letzterem stets direkt proportional gesetzt werden.
Jede Eisenmasse besitzt im allgemeinen eine gewisse Induktionsfähigkeit,
deren Größe von der Qualität wesentlich abhängig, immerhin nennenswerte
Beträge nicht unterschreitet, Von diesem induzierten Magnetismus bleibt
nach dem Aufhören der Ursache stets nur ein Teil erhalten, dessen Größe
jedoch von erheblichen Werten praktisch auf Null herabsinken kann. In
der Praxis treten der induzierte Magnetismus gleichwie obiger remanenter,
subpermanenter Teil stets in den gleichen Eisenteilen, im gesamten mechanisch
ınd magnetisch eng verbundenen Schiffskörper ungetrennt auf, nur die Theorie
trennt die einzelnen Bestandteile zur leichteren Ergründung der Gesetze;
ideales gehärtetes Eisen ist der ausschließliche Träger von subpermanentem,
ideales weiches Eisen von induziertem Magnetismus,
Der gesamte Schiffskörper nimmt während des Baues subpermanenten
Magnetismus an, besitzt also ein individuelles, innerhalb kürzerer Zeiträume
unveränderliches Feld, welches im großen und ganzen dem früher erwähnten
Felde eines Magnetstabes ähnelt. Auf Kriegsschiffen kommen später zahlreiche
gehärtete Eisenmassen hinzu, welche von ihrer Bearbeitungsperiode her
Magnetismus mitbringen und das ursprüngliche regelmäßige Schiffsfeld örtlich
stören; an einzelnen Stellen, besonders in der Umgebung gepanzerter Kommando-
türme, kann hierdurch der ursprünglich vorhandene Zusammenhang zwischen
Baukurs und Richtung des subpermanenten Schiffsfeldes zerstört werden.
Am Kompaß-Aufstellungsorte treffen stets drei magnetische Felder
zusammen :
i, Das Erdfeld,
2. das induzierte Feld des Schiffes,
3. das subpermanente Feld des Schiffes,
Vermöge seiner mechanischen Konstruktion wirken auf den Kompaß
stets nur die jeweiligen Horizontal-Komponenten obiger magnetischer Felder,
und werden selbe vorerst für das aufrecht schwimmende Schiff ermittelt und