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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 33 (1905)

52 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Februar 1905. 
der »Großen Nördlichen Expedition«, die unter der Regierung der Kaiserin 
Anna Joanowna im Jahre 1734 ausgerüstet wurde und ein großartiges 
Unternehmen darstellte. Sie bestand fast 10 Jahre, von 1734 bis 1743 und steht 
wohl in ihrem Umfange und in dem gleichzeitigen Zusammenarbeiten ihrer 
einzelnen Teile in der Geschichte der geographischen Forschung einzig da. 
Sie bewältigte eine Riesenarbeit, die Vermessung der ganzen Nordküste von 
Asien, und bestätigte das Vorhandensein der Durchfahrt zwischen Asien und 
Amerika. 
Bei der Ausrüstung dieser großen Expedition war der leitende Gedanke, 
den kürzesten Seeweg vom Weißen Meere nach Kamtschatka, d. h. die nord- 
östliche Durchfahrt, zu suchen und gleichzeitig ihre Nordgrenze genau zu 
bestimmen. Der von Bering entworfene Plan zur Ausführung dieses Unter- 
nehmens wurde von der Kaiserin Anna genehmigt und ohne Rücksicht auf 
die Kosten und mit der größten Umsicht ausgeführt. Von vier verschiedenen 
Punkten, aus den Mündungen der Flüsse Dwina, Ob, Jenissei und Lena liefen 
je zwei Schiffe aus, um im Notfalle einander zu helfen und zu unterstützen. 
An dieser Expedition nahmen teil: Malygin und Skuratow, Owtsyn und 
Minin, Prontschistschew und Tjeljuskin, Lasinius und die Brüder 
Laptew. Der fünfte Teil der Expedition unter Führung von Bering selbst, 
der gleichzeitig Leiter des ganzen Unternehmens war, lief von Ochotsk aus. 
Trotz der schwierigen Verhältnisse machte dieser Teil der Expedition viele 
wichtige Entdeckungen im Ochotskischen und Bering-Meer, nahm aber ein 
trauriges Ende durch Scheitern des Expeditionsschiffes und den Tod Berings 
auf der nach ihm benannten Insel. 
Im Jahre 1743 vermaß Leutnant Chmelewski die Küste des Ochotski- 
schen Meeres. In 1764 wurde eine neue Expedition von vier Schiffen aus- 
gerüstet zur Vermessung der Al&uten, die durch Bering und russische 
Fischer entdeckt worden waren. Diese Expedition unter Führung der Kapitäne 
Krinitsyn und Lewaschew lief im Oktober 1766 von Ochotsk aus und 
arbeitete bis 1769; sie lieferte Karten und eine Beschreibung der Inseln. Im 
Jahre 1768 nahm Leutnant Sind die Küste von Kamtschatka bis zur Bering- 
Straße auf. In 1785 wurde eine Expedition unter Leitung des Kapitän- 
leutnants Billings zur Erforschung der Nordostküste von Sibirien gebildet, 
Billings lief 1788 von Nischne-Kolymsk aus mit der Absicht, durch 
die Bering-Straße den Stillen Ozean zu erreichen, mußte aber wegen Eises 
umkehren und konnte erst in 1790 von Petropawlowsk aus seine Arbeit be- 
ginnen. Er fuhr längs der Al&uten bis zur amerikanischen Küste und kehrte 
nach Aufnahme der Inseln Unalaschka und Kadjak nach Kamtschatka zurück. 
Im folgenden Jahre 1791 lief Billings aus Ochotsk aus, drang bis zur 
Bering-Straße vor, die er aber durch Eis geschlossen fand, landete an der 
Küste und reiste über Land nach Nischne-Kolymsk. 
Von 1789 bis 1793 erforschte Billings Reisegefährte, Kapitän Saryt- 
schew, einen großen Teil des Ochotskischen Meeres, die Alöuten und die 
Küste Amerikas bis zur Insel Kajak bei der Mjednaja-Mündung. 
Gleichzeitig erforschte Kapitän Fomin die Uda-Mündung und die Küste 
von dort nach Osten bis zur chinesischen Grenze und nach Nordosten bis zur 
Aldona-Mündung. 
Darauf ruhten die russischen Forschungen bis zum Jahre 1829, in dem 
Leutnant Kosmin im Auftrage der Russisch-Amerikanischen Co. die Er- 
forschung der Schantar-Inseln begann. Nach der Beendigung dieser Arbeit 
in 1830 folgte wieder eine lange Pause bis 1850, wo eine Expedition unter 
Führung von Newelski zur Erforschung der Amurmündung ausgerüstet 
wurde, Newelski hatte im Gegensatz zu La Perouse (1787), Broughton 
(1797) und Krusenstern (1805) die Ansicht vertreten, daß Sachalin eine Insel 
wäre und dies auch im Jahre 1849 durch seine Untersuchungen bestätigt ge- 
funden. Die Amurexpedition unter Newelski arbeitete 6 Jahre von 1850 
bis 1855 und erforschte in dieser Zeit außer dem Amur und vielen seiner 
Nebenflüsse auch den Amur Liman und den Tatarensund und suchte den Ort 
für den neuen Hafen Nikolajewsk aus. Die Arbeiten dieser Expedition zu-
	        
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