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Volltext : Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 33 (1905)

Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Februar 1905.

Für den Depressionswinkel der Sonne beim Verschwinden der letzten
Spur himmelblauer Farbe am Himmel ergeben meine Beobachtungen sehr nahe
übereinstimmend den Wert 11.5°.
Um das Ende der Abenddämmerung zu bestimmen, beobachtete ich drei
verschiedene Phänomene. Ich notierte die Zeiten erstens beim Unleserlichwerden
 von mittelgroßer Bleifederschrift, zweitens beim Unleserlichwerden
von mittelgroßer Tintenschrift und drittens beim Verschwinden des letzten
hellen Dämmerungsstreifens am Horizont. Selbstverständlich benutzte ich
immer dieselben Schriftproben bei der Beobachtung.
Die folgende Tafel gibt den Depressionswinkel der Sonne bei diesen drei
Phänomenen,

1903— 1904

Geogr.
Breite

Dr. — 25
D. — 7
20. — 1
2, 0
November 6. +19
Dezember 15. —19
März De —22
e _n

\litte.

6.8
9.2
S.4*
S.4*
8,7
0.3

m 3

[1

111

10.6
[07
116
9,8
L0.2*
10,2%
10.6
10.6

18.4

16.6
10.5 | 17.5

Die Angaben der Kolumnen I und II beziehen sich also auf die 50o0-genannte
 bürgerliche, die der Kolumne III auf die sogenannte astronomische
Dämmerung.
Hellmann!) fand durch Beobachtungen in Spanien, daß der Depressionswinkel
 der Sonne beim Ende der astronomischen Dämmerung mit wachsender
Feuchtigkeit abnähme, zwischen 15° 15’ und 19° 37’ varlierte und morgens
größer wäre als abends. Die in der »Meteorologischen Zeitschrift« (Jahrg. 1902
pag. 386) veröffentlichten, auf der Bergsternwarte in Arequipa in etwa 2600 m
Höhe und in Vincocaya in 4400 m Höhe angestellten Beobachtungen, für die
ich den Depressionswinkel der Sonne berechnet habe, zeigen jedoch trotz der
sehr trockenen Luft, die in jenen Gegenden herrscht, einen Depressionswinkel
von 17° bis 18° beim Ende der astronomischen Dämmerung.
Die großen Abweichungen, die die Resultate verschiedener Beobachter
zeigen, und die wahrscheinlich zum großen Teil auf Rechnung der Verschiedenheit
 der Luftfeuchtigkeit, der geographischen Breite und der Höhe
über dem Meere zu setzen sind, lassen es als sehr wünschenswert erscheinen,
daß auch diese Phänomene auf Schiffen, die auf großen Reisen durch verschiedene
 Breiten kommen, genauer beobachtet werden. Insonderheit könnten
sich die deutschen Schulschiffe der Handelsmarine, die in Offizieren, Lehrern
und Ärzten geeignete Beobachter an Bord haben, durch Beobachtung dieser
Erscheinungen, genaue Notierung der entsprechenden Zeiten und gleichzeitiges
Bestimmen von Barometerstand, Temperatur und relativer Feuchtigkeit sehr
verdient machen. Vielleicht könnten auch Vergleichungen der Dämmerungsfarben
 mit denen des Spektrums und spektroskopische Beobachtung der sSogenannten
 Regenbänder im Sonnenspektrum von Nutzen sein. Vielleicht bieten
die Regenbänder ein besseres Mittel zur Bestimmung der Feuchtigkeit in
höheren Luftschichten, als die Ablesungen eines Psychrometers, das auf See
immer ziemlich hohe Angaben liefern wird.

ı) Zeitschr. d. österr. Ges. für Meteorologie XIX, pag. 57.
            
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