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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 33 (1905)

Teil VI. Die Luft- und Wassertemperatur, 
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Differenzen; bemerkt sei, daß im Winter die Lufttemperatur über dem Ozean 
um 1.9° höher ist als die über dem Mittelmeer, die entsprechende Wasser- 
temperatur aber nur um 0,2° 
3, Unterschiede von Luft- und Wassertemperatur (vgl. Tafel 14). 
Die Luft ist im Mittelmeer wie in den offenen Ozeanen im Sommer 
wärmer als das Wasser, im Winter kälter. Auch im Durchschnitt des ganzen 
Jahres verhält sich das Mittelmeer ähnlich wie der offene Ozean, d, h. die Luft 
ist im Jahresdurchschnitt etwas kälter als das Wasser (vgl. Fig. C). Trotz 
dieser Übereinstimmung im großen zeigt der Unterschied Luft— Wasser 
innerhalb des Mittelmeeres einige auffallende Abweichungen. 
Berechnet man die Werte für den westlichen Teil des Mittelmeeres, so 
erhält man für die sechs daselbst gemachten Unterabteilungen als jährlichen 
Gang der Differenz Luft—Wasser eine ziemlich regelmäßige Linie mit einem 
Maximum im Januar (— 1.6°C.), einem anderen im Juli (+-0.7° und Uber- 
gängen über die Nullinie im März und im September, Bestimmt man aber 
den jährlichen Gang getrennt für die drei südlichen und die drei nördlichen 
Felder des westlichen Teiles, so geben nur die nördlichen Felder eine einfache 
Kurve (vgl. Fig. A). Der Süden erreicht ein erstes. kleines Maximum im April, 
dann sinkt die Linie im Mai auf 0°, um sich bis zum Juli zum Hauptmaximum 
wieder zu erheben, Es muß dahingestellt bleiben, ob auch hierin die vielleicht 
nicht genügende Zahl der Beobachtungen oder tatsächliche Verhältnisse zum 
Ausdruck kommen; ist letzteres der Fall, so würde an die schon früher er- 
wähnten Störungen des Wärmeganges zu denken sein, die möglicherweise vom 
Atlantischen Ozean herrühren, 
Bestimmt man den jährlichen Gang der Differenzen . Luft — Wasser 
(Fig. B auf Tafel 14) für das West- und Ostbecken getrennt, da der westliche 
Teil des Mittelmeeres und das Tyrrhenische Meer, das Ionische Meer und die 
Ägyptischen Gewässer große Übereinstimmung im jährlichen Gang zeigen, so 
erscheint nur im Westbecken ein einfacher Gang mit einem Maximum im 
Juni, einem Minimum im Januar. Im Ostbecken liegt das Minimum im 
Dezember, und die Monate Mai, Juni und Juli zeigen ein ganz ähnliches Bild, 
wie wir es aus Fig. A für den Süden des westlichen Teiles kennen, nämlich 
einen Sattel. 
Für das ganze Mittelmeer. (Fig. C auf Tafel 14) erhalten wir eine regel- 
mäßige Linie der Differenz Luft— Wasser mit einem Maximum von + 0.65° 
im Juni, einem Minimum von — 1.72° im Dezember. Zum Vergleich sind die 
Normalwerte für den Nordatlantischen Ozean (östliche Hälfte) nach Köppen 
eingezeichnet, deren Extreme etwas später eintreten und deren Amplitude mit 
1.4°C. nur 2%, der Amplitude des Mittelmeeres mit 2.3°C, ausmacht. Alle 
Beobachtungen zusammengenommen, ist im Jahresmittel im Mittel- 
meer die Luft um 0.3° kälter als das Wasser. 
In Einzelfällen stellt sich allerdings das Verhältnis von Lufttemperatur 
zu Wassertemperatur im Mittelmeer erheblich anders, als in den vorstehenden 
Zeilen für die Durchschnittswerte angegeben ist. Besonders auffällig sind im 
Winter im Golf von Lion, vor Toulon, Marseille und an der Riviera bis Genua 
hin zeitweilige starke Erniedrigungen der Lufttemperatur, die vorzugsweise 
im Gefolge von schweren NW-Winden auftreten und: oft sich weit nach See 
hinaus bemerkbar machen, während die Wassertemperatur ungefähr normale 
oder doch nur ganz dicht unter Land zu niedrige Werte erkennen läßt. So 
hatte der Reichspostdampfer »Kanzler«, Kapt. Elson, in den drei aufeinander 
folgenden Wintern 1895, 1896 und 1897 jeweils im Januar und alle drei Male 
vor Marseille Gelegenheit, in dieser Richtung interessante Beobachtungen anzu- 
stellen, deren wichtigste als typisch für diese Gegend, Jahreszeit und Witterungs- 
lage in nachstehenden Tagebuchauszügen folgen, verbunden mit einigen Wetter- 
nachrichten von einer Reise des Reichspostdampfers »König Albert«, Kapt. 
Cüppers, der im Februar 1901 von Gibraltar über Genua nach Neapel fuhr
	        
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